Newsticker

EU sichert sich bis zu 160 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Moderna
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Strategien für die Zukunft: Was Augsburgs Händler bewegt

Augsburg

15.02.2018

Strategien für die Zukunft: Was Augsburgs Händler bewegt

Der Handel in der Innenstadt ist im Wandel.
Bild: Annette Zoepf (Archiv)

Immer mehr Menschen kaufen online. Läden vor Ort setzt das unter Druck – auch in Augsburg. Um gegen die Online-Konkurrenz bestehen zu können, sind Strategien notwendig.

Ausgedehnte Einkaufsbummel sind in der Regel Frauensache. Trotzdem war es ein Mann, der über Jahre hinweg nahezu jede Frage zum Augsburger Einzelhandel beantworten konnte: Wolfgang Puff, 56, Rechtsanwalt. Rund 15 Jahre lang leitete er als Geschäftsführer den Bezirksverband Schwaben im Handelsverband Bayern (HBE). Seit Oktober nun beschäftigt er sich als Hauptgeschäftsführer des HBE von München aus mit den Belangen aller bayerischen Einzelhändler.

Für Schwaben ist der sportliche, meist lächelnde Puff dennoch nicht ganz verloren: Mit seiner Frau wird er weiterhin in Friedberg wohnen – „weil wir die Region lieben gelernt haben“, sagt Puff. Beim traditionellen Valentinsempfang des Handelsverbands wurde er am Mittwochabend im Textilmuseum deshalb lediglich beruflich nach München verabschiedet.

Das wird der Nachfolger

Bernd Brenner, Bezirksvorsitzender des HBE, stellte in diesem Rahmen auch Puffs Nachfolger vor: Es ist der 39-jährige Wirtschaftsgeograf André Köhn. Ab 1. April tritt er offiziell in Puffs Fußstapfen. Köhn war bislang Handelsreferent bei der IHK Schwaben. Zuvor arbeitete er unter anderem als Citymanager für Schrobenhausen.

Die neue Aufgabe wird den gebürtigen Düsseldorfer, der seit zwei Jahren in Augsburg lebt, fordern: Der stationäre Handel leidet unter der zunehmenden Konkurrenz von Internetfirmen. Ins Umsatzplus von knapp vier Prozent, das der Handel fürs vergangene Jahr vermeldete, seien die zweistelligen Zuwachsraten des Online-Handels bereits eingerechnet, so Bernd Brenner. Die Folgen spüren vor allem kleinere inhabergeführte Firmen: Sie können sich finanziell oft kaum noch über Wasser halten.

Wolfgang Puff (links) war gut 15 Jahre lang Geschäftsführer des Bezirksverbands Schwaben im Handelsverband Bayern. Nun wechselt er als Hauptgeschäftsführer des Verbands nach München. Sein Nachfolger in Schwaben wird André Köhn (Mitte), den Bernd Brenner, Bezirksvorsitzender des Verbands, am Mittwochabend offiziell vorstellte.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der Handelsverband denkt als Interessenvertretung der Händler über Strategien nach, die eine Zukunft möglich machen. Eine ist laut Brenner, dass auch kleinere Unternehmen ein Online-Angebot aufbauen: „So können die Kunden im Netz stöbern und reservieren, um dann später im Geschäft zu probieren und zu kaufen. Diese Verbindung wird künftig überlebenswichtig werden.“

Ein perfekter Service ist nötig

Ein weiterer Punkt ist perfekter Service im Laden. „Die Kunden legen die Messlatte zunehmend höher. Wir brauchen glaubwürdige Verkäufer, vertrauenswürdige Berater und eine fachlich kompetente Begleitung beim Einkauf.“ Die zunehmende Digitalisierung wird in den kommenden Jahren auch vor dem Einzelhandel nicht Halt machen: „Die individuelle Ansprache der Kunden wird eine noch größere Rolle spielen, was auch heißt, dass wir die Kundenhistorie digital erfassen müssen“, so Brenner. Er nannte das Beispiel einer großen Supermarktkette, die derzeit mit Gesichtserkennung an Supermarktkassen experimentiert. Dem Kunden, der dort ansteht, könnten damit Angebote nach seinen persönlichen Interessen gemacht werden.

Strategien für die Zukunft: Was Augsburgs Händler bewegt
37 Bilder
Bilder: Der Valentinsempfang 2018 im Textilmuseum
Bild: Silvio Wyszenrad

Köhn blickt trotz der großen Herausforderungen zuversichtlich auf sein künftiges Arbeitsgebiet: „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe und die Herausforderungen, die es in den kommenden Jahren zu meistern gilt“ betont er. Was er für Augsburg und Schwaben vorhat, möchte er zwar erst nach seinem offiziellen Amtsantritt erzählen. Zwei Punkte nennt er aber schon jetzt: „Der Rückgang der Kundenfrequenz in den Städten sowie der Wildwuchs von Einzelhandelsgroßprojekten und Verkehrsbeschränkungen gefährden die Innenstädte als Handelsstandorte.“ Hier gelte es gegenzusteuern.

Die Kundenfrequenz muss steigen

Tatsächlich führen viele potenzielle Kunden aus dem Umland die fehlenden Parkplätze bzw. zu teure Parkhäuser als Grund an, warum sie nicht nach Augsburg zum Einkaufen kommen. Obwohl sich die Kundenfrequenz seit dem Umbau der Innenstadt und der Marketingaktion „Und jetzt kommst du“ verbessert hat, ist noch Luft nach oben.

In Bayern erwirtschaften 60.000 Einzelhandelsunternehmen mit 330.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 69 Milliarden Euro jährlich. Der Bezirk Schwaben macht davon in etwa ein Drittel aus, wobei Augsburg als aktuell größte Stadt im Regierungsbezirk auch den größten Anteil hat.

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren