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17.06.2009

Streik im Hörsaal

Seit Montag laufen bundesweit die Proteste, am heutigen Mittwoch solles in Bayern zu Groß-Demos mit 20. 000 Menschen kommen: In mehrerenStädten demonstrieren Studenten und Schüler gegen das Bildungssystemund fordern bessere Lernbedingungen.

München/ Augsburg - Seit Montag laufen bundesweit die Proteste, am heutigen Mittwoch soll es in Bayern zu Groß-Demos mit 20.000 Menschen kommen: In mehreren Städten demonstrieren Studenten und Schüler gegen das Bildungssystem und fordern bessere Lernbedingungen.

Zu der bundesweiten Aktionswoche hatte das Bündnis "Bildungsstreik 2009" aufgerufen - ein Zusammenschluss von Schüler- und Studentenorganisationen, Gewerkschaften und sozialen Gruppen. Mehrere Lehrergewerkschaften stimmten den Protesten zu, der Deutsche Philologenverband sprach dagegen von "links gesteuertem Aktionismus" ohne Wirkung.

Die Schüler und Studenten fordern umfassende Bildungsreformen, darunter mehr Mitbestimmungsrechte für Schüler, die Abschaffung der Studiengebühren und eine Reform der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge. Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch ( FDP) lehnte eine Rückabwicklung der Reform ab. Der Forderung liege ein überholtes Karrierebild zugrunde, hieß es in einer Stellungnahme des Wissenschaftsministeriums. Arbeitsmarkt und demografische Entwicklung erforderten einen früheren Berufseinstieg von Hochschulabsolventen.

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Der Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München, Bernd Huber, zeigte dagegen Verständnis für den "Bildungsstreik" der Studenten. "Ich kann das gut verstehen, dass sie mit den Bedingungen an Hochschulen nicht zufrieden sind", sagte Huber. "Unsere Uni ist seit Jahren vollkommen überlastet. Eigentlich haben wir nur Kapazitäten für rund 25.000 Studenten, im Moment sind es aber 40 .000."

Das Betreuungsverhältnis von Lehrenden zu Studenten sei darum wenig attraktiv. "Es gibt zu wenig Professoren, der Zustand der Gebäude ist schlecht und die Seminarräume sind überfüllt. Dass man sich darüber ärgert, das ist völlig legitim", so Huber. Das deutsche Bildungssystem sei völlig unterfinanziert.

Auch die Landtags-SPD stellte sich hinter die Studenten. Die Fraktion kündigte an, am Donnerstag im Landtag einen Dringlichkeitsantrag zum Thema "Bildungsstreik" zu stellen. "Wir sind solidarisch mit Schülern und Studenten und verstehen, dass ihnen der Kragen platzt, nachdem die CSU ihre berechtigten Anliegen jahrelang nicht aufgegriffen hat", sagte SPD-Bildungspolitiker Hans-Ulrich Pfaffmann. Die Grünen forderten eine "grundlegende Veränderung des Bildungs- und Hochschulsystems", und auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern unterstützte die Proteste.

Kritisch äußerte sich dagegen der unionsnahe Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS). "Durch Randale wird unser Bildungssystem nicht verbessert. Eine Vorlesung wird nicht besser, indem man sie boykottiert", hieß es in einer Mitteilung.

Unter dem Motto "Schule macht krank" wurde gestern ein Münchner Gymnasium "unter Quarantäne" gestellt. Studenten und Schüler in Schutzanzügen verteilten Flugblätter. Vor der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München hatten protestierende Studenten ein Zeltlager aufgeschlagen. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte, er stimme mit den politischen Zielen der jungen Leute nicht überein, wolle aber an diesem Mittwoch im Protest-Zeltlager an der LMU mit ihnen darüber sprechen.

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