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Augsburg

29.10.2019

Theatersanierung in Augsburg: Der Freistaat mahnt die Stadt

Ein Teil der ehemaligen Theaterbauten ist bereits verschwunden, auch der Verwaltungsbau (das braune Gebäude im Hintergrund) wird bald abgerissen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Die Theatersanierung wird zum Wahlkampfthema. Nachdem die SPD über eine abgespeckte Variante nachgedacht hatte, beharren CSU und Kunstministerium auf der Vereinbarung.

Es scheint, als hätten die Parteien eines der Hauptthemen für den Kommunalwahlkampf gefunden: die Sanierung des Theaters. Nachdem SPD-OB-Kandidat Dirk Wurm am Freitag einen Neubau hinter dem Großen Haus zumindest teilweise in Frage gestellt hatte , folgte am Dienstag von mehreren Seiten Kritik an diesem Vorstoß.

Bayerns Kunstminister Bernd Sibler ließ in einer Pressemitteilung wissen, der Freistaat gehe fest davon aus, „dass umgesetzt wird, was gemeinsam vereinbart wurde“. Zur Erinnerung: Der Augsburger Stadtrat hatte im Sommer 2016 mit 50:7 Stimmen für einen umfassenden Umbau des Theaterstandorts gestimmt. Man einigte sich damals nicht nur auf eine Sanierung des Großen Hauses, sondern auch auf den angrenzenden Neubau für Werkstätten, Verwaltung und auf eine zweite, kleinere Bühne.

Kulturreferent: Wurm-Vorstoß ist nicht mit Förderung vereinbar

Im Zentrum des Konzepts standen laut Kulturreferent Thomas Weitzel folgende Überlegungen: die Bündelung aller Funktionen des Theaters an einem Standort, die Verbesserung der Abläufe für alle Gewerke, eine multifunktionale Spielstätte sowie die Berücksichtigung von Bürgerwünschen. „Dieses Konzept ist die Grundlage für die Anträge an den Freistaat Bayern als Fördergeber“, so Weitzel. Wenn Wurm jetzt eine dezentrale Lösung für die Bühnen vorschlage, sei dies „weder mit der gegenwärtigen Beschlusslage noch mit den Förderanträgen vereinbar“.

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Der Freistaat ist für die Stadt Augsburg in mehrfacher Hinsicht ein wichtiger Partner beim Theater: Seit September 2018 ist das Dreispartenhaus zum Staatstheater aufgestiegen und steht damit unter der Regie einer Stiftung, die von Freistaat und Stadt paritätisch besetzt ist. Die Immobilien – also das Große Haus und später auch der Neubau – sind und bleiben im Besitz der Stadt, weshalb sie die Finanzierung des Umbaus zu schultern hat. Der Freistaat hat allerdings eine Förderung von 75 Prozent zugesagt, wobei sich dies nur auf die sogenannten förderfähigen Kosten und nicht auf die Gesamtsumme bezieht.

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Bild: Silvio Wyszengrad

Aktuell ist das Projekt mit 186 Millionen Euro gedeckelt, die Ausgaben für Übergangsbühnen noch nicht mitgerechnet. Die reine Baumaßnahme wird sich aber verteuern, da beim Neubau bislang ungeahnte Probleme aufgetaucht sind. Die Bauverwaltung geht von bis zu 20 Millionen Euro mehr aus.

Wurm will Geld sparen: Würde das Theater wenigstens eine seiner Übergangsbühnen im Martinipark oder am Gaskessel behalten, könnte der Neubau am Kennedyplatz kleiner ausfallen und wäre somit billiger, lautet das Argument.

„Die Sanierung des Großen Hauses ist in der Tat ein großes Projekt für die Stadt als Eigentümerin der Immobilie und von immenser Bedeutung für das Theater“, so Kunstminister Sibler. Der Freistaat stehe aber an der Seite des Theaters und der Stadt. Dies könnte heißen, dass der Freistaat auch die zusätzlich entstehenden Kosten fördert.

Theatersanierung: CSU lehnt Zerstückelung des Augsburger Theaters ab

Die CSU-Fraktion lehnte am Dienstag die „Zerstückelung“ des Gesamtkonzeptes ab. „Das wäre ein Rückschritt in Zeiten, in denen in Augsburg im Klein-Klein gedacht und gehandelt wurde“, so Fraktionsvorsitzender Bernd Kränzle. Man müsse zwar die Finanzen im Blick haben. Aber wer jetzt schon „im vorauseilenden Gehorsam den großen Wurf kleinredet, hat die positive Gesamtdimension des Jahrhundertprojekts nicht verstanden“.

Die Mitteilungen von CSU-Fraktion, Freistaat und Referent – Weitzel ist parteilos, kandidiert aber auf der CSU-Stadtratsliste – wurden am Dienstag innerhalb einer Stunde verschickt, was erahnen lässt, dass Stadt und Freistaat die Debatte von Anfang an im Zaum halten wollen. Gelingen wird dies aber kaum.

Denn schon melden sich auch andere Parteien zu Wort. Christine Wilholm, Stadtratskandidatin der Linken, kritisiert in einem Brief an unsere Redaktion den Vorstoß von SPD-OB-Kandidat Dirk Wurm. So fordere die Linke seit Langem eine Dezentralisierung des Staatstheaters, um die „kritische Kultur weg von großen Bühnen zu platzieren und sie stattdessen rein in den Alltag der Menschen“ zu bringen. „Wir freuen uns, wenn Herr Wurm und die SPD das Programm der Linken weiter aufmerksam studieren“, stichelt Wilholm. Denn auch bei anderen Themen gebe es für die SPD hier viel zu lernen.

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