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Augsburg

05.06.2019

Tim Kattner steht auch in der Krise zur SPD

Auch wenn vielen in der SPD derzeit das Lachen vergangen ist, blickt der neue Oberhauser Ortsvorsitzende Tim Kattner zuversichtlich nach vorn.
Bild: Sonya Ruben

Der 37-Jährige ist neuer Ortsvorsitzender in Oberhausen. Wie der freigestellte Betriebsrat angestammte Mitglieder halten und neue gewinnen will.

Die SPD Oberhausen hat einen neuen Vorsitzenden. Alle bei der Jahreshauptversammlung anwesenden Mitglieder votierten für Tim Kattner. Doch kann sich der 37-Jährige angesichts der Schlappe seiner Partei bei der Europawahl und den Turbulenzen um den Rücktritt der Parteichefin Andrea Nahles überhaupt noch über den Vertrauensbeweis der Basis freuen? Die zehn Prozent bei der Europawahl seien eine Herausforderung, gibt der neu gewählte Ortsvorsitzende zu und ergänzt: „Man traut es der SPD nicht zu, dass sie ihre Ziele umsetzt.“ Seiner Meinung nach sollte die Partei den Abgang von Nahles als Chance sehen, sich zu erneuern. Sie sollte sich ausreichend Zeit mit einer Nachfolge lassen und schauen, dass sie inhaltlich wieder mit sozialen Themen punkten kann. „Die Bürger müssen das Hauptthema sein und nicht die Befindlichkeiten einzelner.“

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Die Grünen sind für Kattner keine Alternative

Kattner verklärt die aktuelle Situation nicht, scheint sich aber nach wie vor mit der Partei zu identifizieren. Erst vor Kurzem trat der Mann mit der modischen Undercut-Frisur der SPD bei, „weil ich nicht nur meckern, sondern auch was tun will“. Eine Kollegin bei der IG Metall habe das eingefädelt. Und nein, die derzeit so erfolgreichen Grünen seien für ihn keine Alternative. Für ihn bieten die Sozialdemokraten „vernünftigere Wege, um die Umwelt zu schonen und gleichzeitig Arbeitsplätze zu erhalten“. Als freigestellter Betriebsrat bei der MAN mit Schwerpunkt Aus- und Weiterbildung ist dem 37-Jährigen die Arbeitnehmersicht immens wichtig.

Dass er noch wenig Erfahrung in der Parteiarbeit hat, ficht ihn nicht an. „Ich war immer schon ein politischer Mensch.“ Aus diesem Grund erklärte sich Tim Kattner auch bereit, als neuer Vorsitzender des rund 80 Mitglieder starken Oberhauser SPD-Ortsvereins zu kandidieren. Der Posten war durch den Rücktritt von Christos Kislinger vor einigen Monaten vakant geworden.

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Kattner sieht Oberhausen auf einem guten Weg

Auch wenn Kattner mittlerweile in der Innenstadt lebt, kennt er Oberhausen gut. „Ich bin in der Zollernstraße aufgewachsen und in die Kapellenschule gegangen.“ Für den Vater eines siebenjährigen Sohnes hat sich im Stadtteil vieles zum Positiven verändert. Konkret nennt er einige Wohnviertel und den neu gestalteten Platz zwischen den Kirchen. „Man kann in Oberhausen gut leben.“

Dass in den nächsten Jahren die Bevölkerungszahlen im Stadtteil durch Megaprojekte wie auf dem Zeuna-Stärker- und dem Cema-Areal steigen werden, betrachtet Kattner als Herausforderung – unter anderem wegen der Parkplätze.

Die nächsten Monate will der gelernte Industriemechaniker seine Freizeit dazu nutzen, Oberhausen und seine Bürger noch besser kennenzulernen. Die bisherigen Mitglieder wolle er möglichst alle persönlich kennenlernen – und natürlich neue gewinnen. Klassische Methoden wie Bürgersprechstunden oder Geburtstagsbesuche werde er dafür ebenso nutzen wie die sozialen Medien. Auf andere zuzugehen, fällt ihm leicht: „Ich bin ein extrovertierter Mensch.“

Stadtrat Dieter Benkard zieht sich bald zurück

Kattner könnte sich vorstellen, die SPD im Stadtrat zu vertreten, auch wenn bis dahin noch etliche Hürden zu überwinden sind. Der erste Schritt ist schon mal gemacht: Da der langjährige Stadtrat Dieter Benkard (75) seinen Rückzug aus dem Gremium angekündigt hat, schlugen die Mitglieder den neuen Vorsitzenden und seinen Stellvertreter Hasan Gezer als Kandidaten des Ortsvereins vor.

Wenn die Arbeit, sein Sohn und die Ehrenämter in Politik und Gewerkschaft es erlauben, ist Tim Kattner gerne in der Maxstraße unterwegs. Oder er liest ein Buch, am liebsten einen historischen Roman. „Wenn ich mir eine Zeit aussuchen dürfte, hätte ich am liebsten im alten Rom gelebt“, sagt er. Was die Menschen damals geschafft haben, sei einfach bewundernswert.

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