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Augsburg

28.06.2020

Umweltreferent Erben: "Wir wollen klimafreundlichste Stadt werden“

Die Augsburger Wälder sind ein wertvoller Schatz. Doch sie leiden unter dem Klimawandel. Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) will Augsburg noch grüner machen.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Augsburg soll umweltfreundlicher werden. Um das zu erreichen, will Reiner Erben (Grüne) unter anderem das Autofahren in Augsburg weniger attraktiv machen.

Augsburg soll grüner werden - dieses Ziel gibt Umweltreferent Reiner Erben aus. Er will Augsburg zur klimafreundlichsten Stadt in Bayern machen. Im Interview spricht er darüber, wie das gehen soll. Und wie er mit der Kritik der Bürger an Baumfällungen umgeht. Auch in Erbens zweitem Ressort (Gesundheit) warten Herausforderungen. Wie geht es mit der Corona-Pandemie in Augsburg weiter?

Im vergangenen Jahr war der Kampf gegen den Klimawandel ein beherrschendes politisches Thema in Augsburg. Jetzt ist es die Corona-Krise, deren Folgen bewältigt werden müssen. Wie wichtig ist Klimaschutz noch für die schwarz-grüne Stadtregierung?

Reiner Erben: CSU und Grüne haben einen Koalitionsvertrag unterschrieben. Da steht Corona drin, aber auch der Klimaschutz. Wir nehmen beide Themen sehr ernst. Beide sind aber nicht alleine meine Aufgabe, sondern eine gesamtstädtische Herausforderung.

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Reiner Erben ist als städtischer Umweltreferent nun auch für den Bereich Gesundheit zuständig. Er will mit allen demokratischen Kräften im Stadtrat zusammenarbeiten, jedoch nicht mit Leugnern des Klimawandels.
Bild: Silvio Wyszengrad

Welche Ziele für mehr Klimaschutz werden Sie als Umweltreferent zuerst angehen?

Erben: Augsburg ist Mitglied im Klimabündnis europäischer Städte. Ein gemeinsames Ziel ist, den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid alle fünf Jahre um zehn Prozent zu verringern. Im Zeitraum von 2011 bis 2016 haben wir in Augsburg das Ziel gut erreicht. Der CO2-Ausstoß wurde um 13,7 Prozent reduziert. Damit waren wir besser als viele andere Städte. Aber wir wissen auch, dass wir noch massiv zulegen müssen. Bis 2030 wollen wir den CO2-Ausstoß halbieren. Für die kommenden Einsparungen werden wir mehr tun müssen als bisher.

Klima: Experten arbeiten an einer Studie für Augsburg

An welchen umweltpolitischen Stellschrauben werden Sie drehen?

Erben: Wie wir zum Ziel kommen, müssen uns die Klimaexpertinnen und -experten sagen. Wir haben eine Studie beauftragt, die Anfang kommenden Jahres fertig sein soll. Für einzelne Bereiche wie Mobilität, Verkehr, Gewerbe, Dienstleistung oder Energieversorgung wird es konkrete Vorschläge geben. Darüber müssen wir dann im Stadtrat entscheiden. Noch in diesem Jahr werden wir den neuen Klimabeirat der Stadt mit externen Fachleuten besetzen. Er soll uns beratend zur Seite stehen.

Sind in diesem Gremium auch jüngere Leute, für die Klimaschutz ein besonders wichtiges, generationenübergreifendes Ziel ist?

Erben: Neben Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft sind auch Mitglieder der Bewegung Fridays for Future im Klimabeirat stimmberechtigt.

Im Koalitionsvertrag steht, Augsburg soll die umwelt- und klimafreundlichste Stadt in Bayern werden. Ein ambitionierter Plan. Bis wann wollen Sie so weit sein?

Erben: In einigen bayerischen Städten gibt es Bürgermeister der Grünen, die sich Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben haben. Diesem Wettbewerb wollen wir uns stellen. In Augsburg haben wir eine gute Ausgangsbasis. Bis in sechs Jahren wollen wir klimafreundlichste Stadt sein. Dabei dürfen wir keine Zeit verlieren. Deshalb haben wir uns mit Oberbürgermeisterin Eva Weber darauf verständigt, dass Klimaschutz eine Querschnittsaufgabe ist, die alle Referate in der Stadtverwaltung interessieren muss. Per OB-Verfügung werden sie dazu aufgefordert, mich zu unterstützen.

Die Parkgebühren in Augsburg sollen steigen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Wenn Sie neue klimapolitische Weichen in der Stadt stellen, auf welche Änderungen im Alltag müssen sich Bürger gefasst machen – beispielsweise Autofahrer?

Erben: Der Verkehr soll möglichst emissionsfrei werden. Im städtischen Masterplan für nachhaltige Mobilität stehen einige wichtige Ziele: der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und des Radverkehrs, außerdem mehr Carsharing. Wir haben auch beschlossen, den motorisierten Individualverkehr in der Stadt zu reduzieren. Deshalb wollen wir weniger Durchgangsverkehr von Autos durch die Innenstadt, höhere Parkgebühren für Pkw und weitere Geschwindigkeitsreduzierungen auf den Straßen. Im neuen Baugebiet Haunstetten Südwest und in anderen Teilen der Stadt soll der Weg zum Parkplatz genauso weit sein wie zur nächsten Haltestelle. Insgesamt wollen wir Autofahren in der Stadt nicht verbieten, sondern attraktive Angebote schaffen, damit das eigene Auto in Augsburg nur noch selten benutzt werden muss.

Wenn Bus und Tram attraktiver werden sollen, passt das aber nicht mit der aktuell geplanten Preiserhöhung zusammen …

Erben: Da sind wir als Stadt eingezwängt in den regionalen Zusammenhang des Augsburger Verkehrsverbundes. Ich bin der Überzeugung, dass ÖPNV-Preise günstig und übersichtlich sein müssen. Eine Tariferhöhung gerade in diesen Zeiten ist kein gutes Signal und muss deshalb durch staatliche Hilfen und die schnellstmögliche Einführung eines 365-Euro-Tickets für Schülerinnen und Schüler abgefedert werden.

Augsburger kritisieren: Es werden zu viele Bäume gefällt

Als Umweltreferent sind Sie auch für die Natur in der Stadt zuständig. Zuletzt gab es viel Kritik von Bürgern, die der Ansicht sind, dass in Augsburg zu viele Bäume gefällt werden. Wie geht es mit großen alten Bäumen weiter, die ja wichtig für ein gutes Klima vor Ort sind?

Erben: Die Kritik nehme ich sehr ernst. Als Umweltreferent habe ich den Baumschutz verschärft, einen neuen Baumschutz-Leitfaden auf den Weg gebracht und mich dafür eingesetzt, dass die ursprünglich geplanten Fällungen am Herrenbach-Kanal halbiert wurden. In meiner ersten Amtszeit wurden 35 neue städtische Stellen für Baumschutz, Naturschutz und Grünflächenpflege geschaffen. Insgesamt hat sich das Bewusstsein fürs Grün in Augsburg verbessert, auch durch genaue Beobachtungen von Ehrenamtlichen der Baumschutz-Allianz.

Die Baumfällungen am Herrenbach haben viele Bürger wütend gemacht.
Bild: Silvio Wyszengrad

Trotzdem wünschen sich viele Bürger, dass Sie beim Schutz von Bäumen in der Stadt energischer auftreten …

Erben: Der Eindruck, die Stadt kümmere sich nicht um Bäume, ist falsch! Wir müssen zwar immer wieder fällen, wenn Bäume nicht mehr verkehrssicher oder durch den Klimawandel geschädigt sind. Wir haben aber in der Stadtregierung vereinbart, jährlich 300 neue Bäume zu pflanzen. Ein Gutachten wurde in Auftrag gegeben, um neue Standorte zu finden, was nicht leicht ist.

Als Referent haben Sie den Bereich Migration abgegeben und das Ressort Gesundheit dazubekommen. Was werden Sie gegen die Corona-Pandemie unternehmen?

Erben: Corona wird uns weiter beschäftigen. Auch wenn es jetzt relativ ruhig ist, gehen viele von einer zweiten Welle aus, auf die sich das Gesundheitsamt vorbereitet. Sollten die Fallzahlen in der Stadt nach oben gehen, gibt es das Angebot vom Freistaat, bis zu 75 weitere Mitarbeiter im Gesundheitsamt einzusetzen, um Infektionsketten zurückverfolgen zu können.

Umweltreferent Erben: Gesundheit hängt mit Ernährung zusammen

Beim Thema Gesundheit ist Vorsorge und eine gute Aufklärungsarbeit wichtig. Wie sieht es damit aus?

Erben: Gesundheit ist ein wichtiges Gut. Auch die Ernährung spielt eine große Rolle und dieses Thema will ich voranbringen. Ein Beispiel: 2007 haben wir einen Beschluss gefasst, 30 Prozent Bio-Lebensmittel in städtischen Kitas, Schulen, Altenhilfe-Einrichtungen und Kantinen zu verwenden. In vielen Einrichtungen ist das 30-Prozent-Ziel noch nicht erreicht. Das soll bis zum Ende dieser Stadtratsperiode der Fall sein.

Herr Erben, bei Ihrer Wiederwahl hatten Sie in der damaligen Stadtratssitzung mit Abstand das schlechteste Stimmergebnis aller Referenten. Wie gehen Sie mit dem „Denkzettel“ um?

Erben: Ich bin nicht nachtragend. Für mich ist das Wichtigste, dass das neue Regierungsbündnis von CSU und Grünen steht und dass ich alle Stimmen der Koalition hinter mir habe. In den kommenden Jahren will ich mit allen demokratischen Kräften im Stadtrat zusammenarbeiten, um bei meinen Themen weiterzukommen. Die einzige Ausnahme ist für mich, wenn jemand im Stadtrat den Klimawandel leugnet.

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