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Augsburg

12.03.2020

Was junge Augsburger von OB Kurt Gribl wissen wollen

Oberbürgermeister Kurt Gribl stellte sich auf Einladung der Augsburger Allgemeinen, vertreten durch Redakteurin Miriam Zissler, den Fragen von Augsburger Erstwählern. Treffpunkt war im Jugendhaus Villa des Stadtjugendrings.
Bild: Brigitte Mellert

Plus Schulsanierungen, Nahverkehr und die Fahrradstadt sind Themen, die Jugendlichen wichtig sind. Auf Einladung unserer Redaktion spricht Gribl über Projekte und Persönliches.

Jungen Menschen wird oft Desinteresse vorgeworfen. Das dem nicht so ist, hat die Fridays für Future-Bewegung ebenso bewiesen wie unsere Gesprächsrunde mit jungen Augsburgern im Jugendhaus „Villa“ des Stadtjugendrings SJR (ehemals Jugendhaus K15). Dort konnten sie Oberbürgermeister Kurt Gribl Fragen rund um das Amt eines Politikers stellen und deutlich machen, bei welchen Themen sie Handlungsbedarf sehen. Gemeinsam mit Jonas Riegel, Vorsitzender des Stadtjugendrings (SJR) und AZ-Redakteurin Miriam Zissler blickte der OB auf die vergangenen Jahre zurück und sprach mit jungen Menschen über ihre Forderungen und Wünsche für ihr Leben in Augsburg.

Gribl: Es wird klare Kante erwartet

Um Augsburg ging es auch Kurt Gribl, als er 2006 als Oberbürgermeisterkandidat der CSU vorgestellt wurde. „Ich bin zur Wahl angetreten, weil ich immer wieder gehört habe, man muss hier etwas tun und dort etwas verändern. Aber wenn man das will, dann muss man auch dafür eintreten.“ Das habe er getan. Auch wenn es für ihn ein Wagnis gewesen sei, weil er einen sicheren Job hatte und nicht wusste, was auf ihn zukomme, sagt der studierte Baujurist. „Es war etwas anderes, in der Politik zu sein, als das, was ich zuvor gemacht habe. In der Politik ticken die Uhren anders.“ Er, Gribl, habe schnell gelernt, dass es in der Politik nicht darum gehe, Dinge sachlich auszudiskutieren, um dann einen Kompromiss zu finden. „Kompromisse werden in der Politik als etwas Ungutes empfunden. Es wird erwartet, dass man klare Kante zeigt und konkret Position bezieht. Es geht auch ein Stück weit um Kampf und Macht.“

Die jungen Frauen und Männer, die ins Jugendhaus gekommen waren, hatten selbst konkrete Vorstellungen zu Themen, bei denen sie Position bezogen. Michelle Kaiser, 22, wollte wissen, wie es im Schulzentrum FOS/BOS weitergehe. Die Zustände, unter denen Schüler lernen und Lehrer lehren, seien unerträglich. „Mir ist klar, dass die Situation vor Ort kaum tragbar ist. Soweit ich im Projekt stecke, kann ich sagen: Wir werden sanieren und erneuern. Erste Maßnahmen laufen. Aber es wird eine Zeit dauern, bis alles umgesetzt ist“, so Gribl. Solch eine große Baumaßnahme könne nicht über Nacht bewältigt werden.

Am 15. März wird ein neuer Oberbürgermeister und ein neuer Stadtrat von den Augsburgern gewählt. Warum junge Menschen diese Bürgerpflicht gerne wahrnehmen.
Video: Andrea Wenzel/Miriam Zissler

Augsburgs OB Gribl fährt heute mehr mit dem Rad als früher

Der OB stellte aber klar, dass in den vergangenen Jahren so viel Geld in die Schulen gesteckt wurde „wie zu keiner Zeit nach dem Krieg“. Sarah Bauer, 15, fragte: „Schon 2012 kam das Ziel auf, sich zur Fahrradstadt zu wandeln. Warum ist das bis heute nicht gelungen?“ Es sei richtig, dass nicht alles, was sich die Stadt vorgenommen hat, auch erreicht wurde. „Die nötigen Maßnahmen sind aber getroffen. Jetzt heißt es dranzubleiben“, sagt Gribl. Das Thema Fahrradstadt habe seiner Ansicht nach auch etwas mit der sich verändernden Grundhaltung zu tun: Vor einigen Jahren sei es für viele noch kein Thema gewesen. „Da kann man nicht einfach den Schalter umlegen, und plötzlich sind alle pro Rad. Junge Menschen wachsen mit dieser Grundhaltung auf. Ältere müssen erst zu ihr finden.“ Gribl selbst habe sein Verhalten zuletzt verändert und fahre heute viel mehr mit dem Rad, berichtete er den Jugendlichen. Warum? „Weil es mir Spaß macht.“

Neben weiteren Themen wie dem ÖPNV und der City-Zone wurde auch über die Zukunft des Haunstetter Jugendhauses Südstern gesprochen. „Uns ärgert, dass sich die Nachbarn gegen einen Container für den Südstern ausgesprochen haben. Jugendliche sind doch keine randalierenden Gruppen, die nur Ärger und Krach machen. Wir wollen uns einfach nur irgendwo treffen“, betonten Besucher aus Haunstetten. Die jungen Augsburger mahnten an, dass Aufenthaltsorte für Jugendliche in der Stadt fehlten.

Stadtjugendring Augsburg befürwortet Wählen mit 16

Kontrovers wurde auch über das Wahlalter diskutiert. SJR-Vorsitzender Jonas Riegel fragte: „Warum dürfen wir in Bayern nicht ab 16 wählen?“ Der Jugend werde durch das Wahlalter ab 18 Mündigkeit abgesprochen. Der SJR Augsburg setzt sich für ein Wahlalter ab 16 ein, der Bayerische Jugendring geht sogar einen Schritt weiter und würde die Senkung auf 14 Jahre begrüßen. „Jugendliche haben berechtigte Anliegen, die auch gehört werden sollten. Ich finde aber auch, dass Wähler auch Themen beurteilen können müssen, die nicht direkt ihre persönlichen Lebensumstände betreffen“, sagte Gribl. Hierfür brauche es Lebenserfahrung, um beispielsweise die Tragweite von Themen oder Entscheidungen beurteilen zu können. Das sahen die engagieren Jugendlichen anders. Sie wollen ihre Zukunft mitbestimmen.

Letztlich stellte Riegel eine SJR-Umfrage aus dem Jahr 2014 vor. Damals waren 1000 Augsburger zwischen 14 und 27 Jahren nach Themen befragt worden, die sie bewegen. Die Forderungen, die vom Basketballkorb über WLAN bis zum Schülerticket reichten, wurden damals in einem 80-Punkte-Plan gesammelt und den Stadträten überreicht. Einiges wurde seither realisiert, manches nicht. Gribl: „Es gibt Projekte, die klappen, obwohl man noch gar nicht damit gerechnet hätte. Dann haben sich Dinge gefügt, die nicht vorhersehbar waren. Das ist schön. Aber es gibt auch Vorhaben, die man schnell umsetzen wollte, die dann aber ausgebremst werden, weil unvorhersehbare Hürden entstehen oder plötzlich andere Dinge dringlicher werden.“

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