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Augsburg

03.08.2020

Weniger Randale: Regelwerk für Augsburger Nachtleben zeigt Wirkung

Am Herkulesbrunnen war die Polizei am Wochenende vor allem mit ihrem Kommunikationsteam vertreten. Zum größten Teil wurden Abstände freiwillig eingehalten.
Bild: Annette Zoepf

Plus Weniger Müll, weniger Lärm und kaum Randale. Am Wochenende blieb es in der Augsburger Maximilianstraße weitgehend ruhig. Dafür erobern die Nachtschwärmer die Straße.

Am Wochenende blieb es trotz warmer Temperaturen auf der Maximilianstraße weitgehend ruhig. Bei einem Besuch am Herkulesbrunnen Samstagnacht zeigte sich die Stadtspitze vorsichtig optimistisch, dass die neuen Regeln fürs Nachtleben Wirkung zeigen. Und selbst Anwohner in den Nebenstraßen berichten von einer deutlichen Verbesserung.

Der nächtliche „Sound“ der Maximilianstraße hat sich auffallend geändert. Statt des Dauerdröhnens der durchfahrenden Autos hört man auf einmal andere Geräusche – Unterhaltungen, Lachen und auch mal einen Geburtstagsgesang. Kaum sind die Autos ausgesperrt, erobern sich die Menschen die Straße zurück und laufen in Gruppen mitten auf der Fahrbahn. Nur die Taxen, die um diese Zeit in größerer Zahl auf der Straße unterwegs sind, und ab und zu ein Linienbus scheuchen die Menschen bisweilen an den Straßenrand.

Nachtschwärmer in Augsburg halten von alleine Abstand

Wohl weil es plötzlich räumlich möglich ist, halten die Nachtschwärmer ganz von alleine Abstand und müssen nur hin und wieder von Polizei und Ordnungsdienst daran erinnert werden, dass das nötig ist. Auch das Publikum hat sich geändert. Neben den üblichen jungen Leuten sieht man etliche Nachtschwärmer im gesetzteren Alter, die vermutlich nach einem Besuch in einem der vielen Lokale noch einen Bummel über die Maxstraße machen.

So sah es noch vor wenigen Wochen Sonntagfrüh um 2.10 Uhr aus: Dicht gedrängt standen Partygänger am Herkulesbrunnen, Autos kurvten umher. Kurz zuvor war hier ein Polizeieinsatz.
Bild: Michael Hörmann

Am Herkulesbrunnen geht es etwas enger zu – doch immer noch im Rahmen, wovon sich Oberbürgermeisterin Eva Weber ( CSU), Ordnungsreferent Frank Pintsch und Stadtrat Leo Dietz (CSU) persönlich überzeugen. Die Polizei ist in größerer Mannschaftsstärke unterwegs, dafür sieht man um diese Uhrzeit vom Ordnungsdienst weniger als an anderen Wochenenden.

So sah es am Wochenende auf der Maximilianstraße in Augsburg aus

„Ich habe von der Polizei heute Abend nichts gehört, das uns alarmiert“, sagt Oberbürgermeisterin Weber. Ohne die Autos vermittle die Maximilianstraße ein fast mediterranes Flair – ein Zustand, an den sie sich gewöhnen könnte. Seit drei Wochen ist sie mit dem Ordnungsreferenten jedes Wochenende im Nachtleben unterwegs, um sich ein persönliches Bild von den Zuständen zu machen. „Ich glaube, die Maßnahmen zeigen Wirkung“, sagt sie. Nach wie vor gehe es darum, die Waage zu halten zwischen dem Infektionsschutz auf der einen Seite und der Freiheit der Menschen auf der anderen. „Wenn alle mitmachten, die Gastronomen, aber auch die Besucher, könnte sich das Konzept auszahlen. „Aber wir werden die Situation ganz genau im Auge behalten“, verspricht Weber.

Ordnungsreferent Frank Pintsch und OB Eva Weber informierten sich gegen Mitternacht selbst vor Ort.
Bild: Annette Zoepf

Auch Ordnungsreferent Frank Pintsch ist mit dem Geschehen vor Ort zufrieden. Obwohl die Stadt voller Menschen ist, verteilten sich diese jetzt besser. Auffällig sei, wie wenig Müll noch herumliege. Die Zustände am Brunnen nennt er „tolerabel“. „Wir wollen ja, dass das Leben hier weiterhin stattfinden kann“, so Pintsch.

Leo Dietz ist zufrieden mit dem Konzept für die Maxstraße

Zufrieden mit dem Erreichten ist auch Stadtrat Leo Dietz, der als Gastronom maßgeblich an dem neuen Regelwerk mitgearbeitet hat. „Was wir hier geschaffen haben, ist von der Idee her ein Volltreffer“, findet er. Auch Dietz betont, der Erfolg sei nur möglich, weil alle mitmachten. „Gastronomie, Ordnungsamt, Polizei und sogar die Abfallentsorgung ziehen gemeinsam an einem Strang“, freut er sich. Mit dem Konzept könne sich die Stadt Augsburg sehen lassen. „Es ist 24 Uhr – und schauen Sie sich die hohe Aufenthaltsqualität auf der Maximilianstraße an“, so der Stadtrat. „Wir haben das Nachtleben ohne Verbote reglementiert“, betont er.

Nach einer lauen Sommernacht trieben nicht selten Hinterlassenschaften des Partyvolks im Herkulesbrunnen in der Maximilianstraße. Corona hatte das Müllproblem noch verschlimmert.
Bild: privat

Seit einer Woche gilt das neue Regelwerk für die Innenstadt unter dem Titel „Sommer teilen – nicht Corona“. Darin setzt die Stadt vor allem auf eine Entzerrung der Situation. So dürfen die Außengastronomien länger, nämlich bis 1 Uhr morgens, geöffnet bleiben; der To-go-Verkauf von Getränken endet dafür bereits um 24 Uhr. Ein Rückgabepfand soll helfen, den zuletzt enormen Müll auf der Straße zu reduzieren. Bis zum 27. September werden zudem bestimmte Straßen, darunter auch die Maximilianstraße, für den Verkehr gesperrt. Teilweise dürfen die Gastronomen ihre Tische in den frei werdenden Raum erweitern.

Beschwerden von Anwohnern lassen nach

Nachdem es zuletzt viele Beschwerden von Anwohnern vor allem der Maximilianstraße und der Nachbarstraßen gegeben hatte, scheint es auch in diesem Bereich ruhiger geworden zu sein. So berichtet beispielsweise Christian Laubmeier, der in seiner Wohnung im Apothekergässchen das Nachtleben aus nächster Nähe miterleben kann, von ungewohnter Ruhe. „Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal im Sommer bei geöffnetem Fenster schlafen konnte“, freut er sich. Ohne den Verkehrslärm reduziere sich das Nachtleben auf der Maxstraße auf ein diffuses Stimmengewirr. „Das ist wie im Italien-Urlaub“, findet Laubmeier. Selbst die „Wildbiesler“, die zuletzt ein großes Problem waren, seien nahezu verschwunden. Dass die Besucher der Maxstraße ihre Notdurft nicht mehr in Hauseingängen verrichten müssen, könnte daran liegen, dass mittlerweile der größte Teil der Gastronomen seine Toiletten für die Nachtschwärmer geöffnet hat, wie Leo Dietz lobt.

Auch an anderer Stelle scheint sich die Situation zu entspannen. So berichtet Anwohner Bernd Hagstotz vom Mauerberg, dass auch dort die Störungen abgenommen hätten. Nachdem er sich vor rund zehn Tagen wegen Randale sowie diverser Hinterlassenschaften von feiernden Jugendlichen beim Ordnungsdienst beschwert hatte, habe die Stadt schnell reagiert und Mitarbeiter geschickt. Ordnungsreferent Frank Pintsch sagte dazu auf Anfrage, man werde die Örtlichkeit auch die kommenden Wochenenden über im Blick haben, und er habe das Thema an die Straßenreinigung weitergegeben.

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