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Augsburg

23.11.2017

Wie es sich in den Stadtteilen parken lässt

An der Iselerstraße in Hochzoll ist ein Streifen des Gehwegs für parkende Autos freigegeben. 
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An der Iselerstraße in Hochzoll ist ein Streifen des Gehwegs für parkende Autos freigegeben. 
Bild: Annette Zoepf

Die Parkplatznot ist überall ein Thema. Mal müssen Stellplätze einem Radweg weichen, mal kostet eine Baustelle Parkraum. Aber es gibt auch Beispiele wo es klappt.

Beim Thema Parkplätze erhitzen sich schnell die Gemüter. Geschäftsleute können gar nicht genug davon vor ihren Läden haben, Anwohner ärgern sich, wenn sie im ganzen Viertel keinen Platz finden und Umweltschützer sehen Parkplätze als Verschwendung von städtischem Lebensraum. Knapp 133000 Pkw brauchen in Augsburg einen Stellplatz, das sind rechnerisch 450 Autos auf 1000 Einwohner. Viele Familien haben zwei oder mehr Fahrzeuge, die abends geparkt werden müssen. Dass es eng wird, sieht man an der Zahl der Strafzettel, die nach Prognosen des Ordnungsreferates in diesem Jahr bei rund 145000 liegen dürften – 9000 mehr als im Vorjahr. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Stadtvierteln. „Einen besonders starken Parkdruck stellen wir in den Bewohnerparkgebieten und in Teilen von Oberhausen und Lechhausen fest“, sagt Baureferent Gerd Merkle. Dagegen sei die Situation in den Außenbereichen wie Bergheim, Inningen, Bärenkeller und Firnhaberau relativ entspannt.

90 Minuten mit Parkscheibe

Die Lechauser Geschäftswelt ist mit der Parksituation in Lechhausen recht zufrieden, sagt Walter Wölfle von der Aktionsgemeinschaft Lechhausen. „Wir haben die Parkplatzprobleme schon vor Jahren aufgelöst“, sagt er. In der Neuburger und in der Blücherstraße wurden Parkzonen eingerichtet, in denen man mit Parkscheibe 90 Minuten lang kostenlos stehen darf. „Durch die hohe Fluktuation findet man immer einen Parkplatz, gleichzeitig ist die Zeit so großzügig bemessen, das man in Ruhe Einkaufen kann“, sagt der Kürschner-Meister.

Allerdings: Abseits der großen Einkaufsstraßen wird der Parkraum wieder knapp. In den Wohngebieten wird deshalb an einigen Stellen überlegt, ob man die Fahrzeuge nicht auf dem Gehweg parken lassen kann. Das ist allerdings nur unter ganz engen Voraussetzungen möglich. So muss trotz parkender Autos mindestens 1,50 Meter Platz bleiben, damit Fußgänger aber auch Kinderwagen und Rollstühle ungehindert passieren können. Auf der Straße muss eine Durchfahrtsbreite von 3,50 Metern bestehen bleiben. In Lechhausen kommen hierfür nur die Wartenburger Straße, Kolberg-, Katzbach- und Hegelstraße in Frage – für dieses Jahr hat die Stadt 60000 Euro eingestellt, um beispielsweise Bordsteinkanten abzufräsen, damit Autos beim Befahren des Gehwegs nicht beschädigt werden.

Verlust ist verschmerzbar

Ein Jahr lang hat die Diskussion gedauert, bis ein Angebotsstreifen für Radfahrer in der Deutschenbauerstraße entstehen konnte. Der Grund: Anwohner kämpften um 30 Parkplätze, die den Radfahrern geopfert werden müssen. 180 Anwohner unterschrieben auf einer Liste gegen das Vorhaben. Letztlich setzte sich in der Gesamtabwägung die Meinung der Stadt durch, dass die wegfallenden Parkplätze verschmerzbar seien.

Eine ganz andere Diskussion ist am Platz vor St. Michael in Pfersee entbrannt. Der Platz, auf dem derzeit parkende Autos und Taxis stehen, würde sich nach Meinung einiger Pferseer wunderbar als Ortsteilzentrum eignen. Die anliegenden Geschäfte und Praxen sind von dieser Idee allerdings nicht angetan, wie Dietmar Egger von der Bürgeraktion Pfersee berichtet.

„Es sind für das Gebiet mehr als genug Parkplätze vorhanden“, glaubt er. So sei der öffentliche Parkplatz hinter der Polizei fast immer leer. Egger hofft, dass im Viertel bald viel weniger Parkplätze gebraucht werden. Derzeit parkten viele Auswärtige in Pfersee, um in die Straßenbahn umzusteigen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt zu fahren. Weil die Stadtwerke ihr Zonensystem verändern wollen, könnten die Pendler dann genauso gut von der Stadtgrenze aus fahren – was in der Summe weniger Autos im Stadtteil bedeute.

Baustelle bis Ende 2018

In der Innenstadt finden Anwohner trotz Parkausweis keinen Parkplatz. Zuletzt gab es Problem in der Georgenstraße, weil durch die Bauarbeiten zur Wohnanlage „Mozart“ einige der ohnehin Parkplätze nicht zur Verfügung standen. Die Baustelle wird laut Stadt bis Ende 2018 bestehen bleiben. Insgesamt zehn Bewohnerparkgebiete gibt es in der Stadt, mit rund 2300 reine Bewohnerparkplätze und 2900 Plätze, die sich Bewohner und Kurzzeitparker teilen. Mehr sollen es auch nicht werden, sagt Merkle. Es sprächen verschiedene Punkte gegen mehr Bewohnerparkplätze, unter anderem seien die Interessen der Verkehrsteilnehmer beim Bewohnerparken nur schwer zu vereinbaren. Bürger mit Parkausweis ärgerten sich regelmäßig, wenn sie keinen Parkplatz finden.

Wie es in Zukunft mit dem Straßenverkehr und damit den Parkproblemen weitergeht, sei nur schwer zu prognostizieren, sagt Merkle. Eine maßgebliche Rolle werden spielen, wie sehr künftige Fahrzeuge weiterhin im Privatbesitz angeschafft würden und inwieweit sich der „Sharing“-Gedanke verbreitet und solche in der Anschaffung teuren Fahrzeug in Zukunft nur bei Bedarf gemietet würden.

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