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45 Jahre Mondlandung

21.07.2014

Wo man dem Weltraum in der Region nahe kommt

Ein Blick ins Weltall ist immer spannend, für Kinder genauso wie für Erwachsene. Gelegenheit dazu gibt es in verschiedenen Sternwarten in der Region.
Bild: Alexander Kaya

Der Blick in die Tiefen des Weltalls offenbart sich nahe der Haustür. Man muss nur wissen, wo.

Heinz Reisser weiß, wo er dem Weltraum ganz nahe kommt. Der Gymnasiallehrer biegt mit seinen Schülern dazu nachts gleich nach dem Bahnübergang in Schwabmünchen halb links auf einen geteerten Feldweg ab. Hier, so sagt er, überstrahlen die Lichter von Augsburg nicht mehr den Himmel. Dabei ist die Stadt, in der heute Raumfahrt in Industrie und Forschung eine beachtliche Rolle spielt, seit dem 16. Jahrhundert selbst ein Standort der Astronomie. Doch Reisser fand zwischen den Äckern im Süden des Landkreises wahre Sternentore für den klaren Blick in die Tiefe des Weltalls.

Dieses fasziniert auch 45 Jahre nach der ersten Mondlandung noch immer die Menschen. Gerade erst machten 21 Zwölftklässler bei Reisser am Leonhard-Wagner-Gymnasium ihren Abschluss mit Astronomie als Abiturfach. Auch in der sechsten und zehnten Jahrgangsstufe bietet er den Blick in die Sterne als Unterrichtsfach an. Jeweils gut 20 Jugendliche machen mit. Mit einfachen Himmelsbeobachtungen geht es los, später spricht man über dunkle Energie und die andauernde Strahlung des Urknalls.

Die Faszination der Sternenwelt könne jeder leicht erleben, sagt Reisser. Am richtigen Ort reiche dafür das bloße Auge. Wer gar die Jupitermonde sehen wolle, sollte allerdings einen Feldstecher mitnehmen und eine stabile Auflage, zum Beispiel ein altes Kamerastativ mit einer passender Halterung.

In der Region hat die Himmelserkundung Tradition

So kann man bereits über den Rand der Milchstraße hinausgucken zu einer Nachbargalaxie. Das Licht vom Andromeda-Nebel war zum eigenen Auge dann 2,5 Millionen Jahre unterwegs. Astronomen sehen somit ein Bild der Vergangenheit, wenn sie die Zukunft des Alls erkunden. Und das tun sie im Raum Augsburg schon lange.

Hier können Sternengucker Weltraumforschung sogar tagsüber kennenlernen. Denn in der Region hat die Himmelserkundung eine Tradition von 444 Jahren und einige Zeugnisse davon sind öffentlich ausgestellt. Schon vor der Erfindung des Fernrohrs hat der dänische Astronom Tycho Brahe im Jahr 1570 vor den Toren der Augsburgs die Position von Sternen und nahen Planeten erfasst. Seine Daten waren 300 Jahre lang nicht an Genauigkeit zu überbieten. Kopernikus nutzte sie, um das moderne Weltbild zu entwickeln. Ein Modell von Brahes hölzernen Konstruktion zur Himmelsvermessung steht im Römerturm in Göggingen. Weiteres astronomisches Gerät vergangener Epochen stellt das Maximilianmuseum aus.

Heute entstehen in Augsburg bei MT Aerospace unter anderem große Booster-Teile für die Weltraumrakete Ariane und ein Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt in Augsburg Leichtbaumaterialien, um beim Flug Richtung Orbit leichter die Schwerkraft zu überwinden. Im Umland unterstützen dies Firmen der Faserindustrie. Doch das wahre Weltraumerlebnis hat man als Laie im Naturpark Westliche Wälder. Auf seinen Anhöhen stören nachts die Lichter Augsburgs nur am nordöstlichen Horizont.

Auch Handy-Apps und Internetseiten können hilfreich sein

Heinz Reisser beispielsweise fand seinen Lieblingsplatz zwischen Hiltenfingen und Siebnach. Doch es bietet sich beispielsweise auch der Christoph-Scheiner-Turm bei Markt Wald als Sternentor an. Reisser empfiehlt, vor allem auf freie Sicht in südliche Richtungen zu achten: „Dort ist am Himmel am meisten geboten.“

Wer hingegen nur einen Fensterplatz mit Blick auf Augsburg hat, kann selbst dort öfters ein Licht entdecken, das selbst die Leuchtkraft der Stadt und auch den Polarstern deutlich überstrahlt. Es hat keine Lichtjahre überwunden, sondern nur 400 Kilometer und rast dennoch in 90 Minuten einmal um die ganze Erde.

Es ist die Internationale Weltraumstation ISS, die durch die Größe ihrer Sonnensegel inzwischen mit bloßem Auge bis zu sechs Minuten lang auf dem Weg von Westen nach Osten deutlich zu sehen ist. Wann genau, das berechnen vielerlei Handy-Apps oder Internetseiten.

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