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Augsburg: Natur in der Stadt: Beim Waldbaden in Göggingen gibt's ein Pfeifkonzert

Augsburg

Natur in der Stadt: Beim Waldbaden in Göggingen gibt's ein Pfeifkonzert

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    Klaus Blachut vom Landesbund für Vogelschutz hat bei seinen Spaziergängen an der Wertach und im Gögginger Wäldchen immer Fernglas und Kamera dabei.
    Klaus Blachut vom Landesbund für Vogelschutz hat bei seinen Spaziergängen an der Wertach und im Gögginger Wäldchen immer Fernglas und Kamera dabei. Foto: Peter Fastl

    Zwischen Job und Alltag bleibt oft wenig Zeit für Erholung. Dabei wäre eine kleine Auszeit manchmal dringend nötig. Klaus Blachut kennt das und hat einen Tipp: "Raus in die Natur", empfiehlt er. Oft reiche schon eine halbe Stunde oder Stunde, um abzuschalten. Im Gögginger Wäldchen sei dies gut möglich – inklusive besonderer Naturschauspiele und einem nicht ganz leisen Pfeifkonzert. Klaus Blachut zeigt, wie man es am besten angeht.

    Seine Runde startet der Biologie-Lehrer, der Mitglied beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) ist, am Bolzplatz an der Uhlandstraße. Von dort führt ein Weg Richtung B17 und zur Brücke über die Wertach. Hier angekommen erwartet Blachut ein Gemisch an Geräuschen. Von der B17 dröhnt der laute Autoverkehr, vonseiten der Wertach mischt sich wildes Vogelgezwitscher unter den Lärm. "Hier wird der Kontrast zwischen dem lauten Alltag und der Natur wunderbar deutlich", schreit Blachut fast, damit man ihn versteht. Genau hier sehe man aber auch, wie schnell man diesem Alltag entfliehen könne. Er deutet geradeaus auf einen Weg hinunter zur Wertach. Genau dort, so Blachut, befinde sich der Eingang zu Ruhe und Erholung. 

    Im Gögginger Wäldchen leben mehr als 85 Vogelarten

    Hier unten, sagt Blachut, nur wenig später und mit deutlich leiserer Stimme, könne man direkt in die Natur eintauchen und sich von ihrem faszinierenden Angebot einfangen lassen. "Sie können hier Eisvögel beobachten, wie sie ins Wasser tauchen und ihre Beute fangen, oder auch die Wasseramsel oder die Gebirgsstelze kennenlernen." Rund 85 Vogelarten hat Blachut bereits entlang der Wertach und im angrenzenden Gögginger Wäldchen gesehen und fotografiert. Vermutlich seien das aber längst nicht alle. "Das Schöne hier ist, dass Sie jedes Mal etwas Neues entdecken und sich darüber freuen können. Vor allem, wenn sie sich bislang wenig mit Pflanzen oder Vögeln beschäftigt haben, also unvoreingenommen sind."

    Unzählige Grüntöne kann man bei einem Spaziergang im Gögginger Wäldchen bestaunen.
    Unzählige Grüntöne kann man bei einem Spaziergang im Gögginger Wäldchen bestaunen. Foto: Peter Fastl

    Blachut zieht weiter und schert links ins Gögginger Wäldchen ein. Er wählt für seine Tour durch den naturbelassenen Wald gerne kleine Pfade abseits der Hauptwege. Immer wieder bleibt er stehen. "Schauen Sie sich mal die vielen Grüntöne an, die hier im Wald geboten sind, und wie kunstvoll sich der Efeu um die Baumstämme rankt. Das ist faszinierend und schön anzusehen." Vom Lärm der B17 ist längst nichts mehr zu hören, nur noch Vogelstimmen. Buchfink, Zaunkönig, Zilzalp und Co. geben ein Konzert – und das kostenlos. "Wer sein Gehör schult, kann das Gezwitscher irgendwann auch der Vogelart zuordnen", sagt der Experte. Dabei würden kostenlose Apps helfen, die die Stimmen im Wald einfangen und analysieren (z.B. über Merlin Bird ID). Ähnliche Angebote gibt es auch, um Pflanzen zu bestimmen (z.B. Flora incognita). 

    Im Gögginger Wäldchen bietet die Natur zahlreiche Schauspiele

    In gebückter Haltung zieht Klaus Blachut unter tiefhängenden Ästen weiter, das Vogelkonzert weiter im Ohr, vorbei am Aron-Stab, der selbst Wärme produziert, und Gräsern, auf denen nach dem Regen der vergangenen Tage die Tropfen wie Diamanten liegen. Der Weg wird nun unwegsamer, es geht über umgefallene Bäume bis zu einem Baumstumpf. "Hier erkennt man die Bedeutung von Totholz. Dieses ist Lebensgrundlage für Pilze, Insekten und viele weitere Lebewesen im Nahrungsnetz eines Waldes." An manchen Tagen könne man Samen sehen, die Vögel in die Spalten gesteckt und aufgepickt haben. An verschiedenen Nistkästen an umliegenden Bäumen sei zu beobachten, welche Vogelart es sich dort gerade kuschelig macht, um demnächst den Nachwuchs aufzuziehen. Aktuell sei der Kleiber aktiv. 

    Für heute ist die Runde beendet und Blachut schlägt an dieser Stelle den Rückweg ein. "Hierher in den Wald können Sie völlig ohne Erwartungen und Zeitdruck kommen. Sie warten einfach, was Ihnen begegnet, und gehen glücklich wieder nach Hause." Er selbst finde hier Frieden, sagt der 56-Jährige. Mittlerweile ist er wieder an der B17 und der Brücke über die Wertach angekommen. Seine Stimme geht wieder in den dröhnenden Motorengeräuschen unter. Er ist zurück im Alltag. Doch für gut 50 Minuten hat er sich eine Auszeit genommen – zwischendurch und ohne großen Aufwand.

    Tipp: Am 28. Mai 2023 gibt es eine vom LBV geführte Tour durch das Gögginger Wäldchen. Treffpunkt für die Führung "Eisvogel & Co. - an der renaturierten Wertach gibt es viel zu entdecken" ist um 9 Uhr an der Kulperhütte. 

    Klaus Blachut vom LBV erklärt warum der Stumpf eines umgestürzten Baumes im Gögginger Wäldchen für die Natur wichtig ist.
    Klaus Blachut vom LBV erklärt warum der Stumpf eines umgestürzten Baumes im Gögginger Wäldchen für die Natur wichtig ist. Foto: Peter Fastl
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