Eine große Protestaktion fand am Samstagabend in der Augsburger Innenstadt statt. Der Protest richtete sich gegen die Bundespolitik.Foto: Silvio Wyszengrad
Es war am Samstagabend ein lautstarker Protest, der im Stadtgebiet von Augsburg zudem nicht zu übersehen war. Weit mehr als 1500 Menschen protestierten gegen die Bundespolitik. Es könnten in der Summe knapp 2000 Teilnehmer gewesen sein. In der Dunkelheit fielen Schätzungen schwer. Ungewöhnlich war die Kombination der Demonstration, an der sich auch hunderte Bauern aus ganz Schwaben beteiligten. Sie waren neben Spediteuren in einem Konvoi unterwegs, der sich über einige Kilometer zog. In der Innenstadt stießen am Königsplatz mehr als 1000 Teilnehmer hinzu. Die Polizei sprach von 1100 Passanten. Gemeinsam ging es Richtung Plärrer und zurück zum Kö. "Wir haben die Schnauze voll", war auf Plakaten zu lesen und immer wieder zu hören.
Von der Messe bewegte sich der Demonstrationszug in Richtung Innenstadt. Foto: Silvio Wyszengrad
Aufgerufen zum Protest hatte das Bürgerforum Schwaben, das seit Langem auf der Straße mit Aktionen präsent ist. Ursprünglich richtete sich der Unmut gegen die Politik wegen der Maßnahmen während der Corona-Pandemie. Nun geht es um das grundsätzliche politische Agieren der Regierungen auf Bundes- und Landesebene. Die Vorsitzende Michaela Königsberger griff am Samstag nicht nur die amtierende Ampel-Regierung von SPD, Grünen und FDP an, sondern wetterte zudem gegen die frühere Politik von Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Angeprangert wurde von Michaela Königsberger unter anderem "die unkontrollierte Asyleinwanderung". Für Flüchtlinge sei Geld vorhanden, was an anderen Stellen fehle. In einem Flyer, der bei der Demonstration verteilt wurde, heißt es: "Unser Wohnungsbau wird zu teuer, Wohnraum wird knapp und unbezahlbar."
Motto der Demo: Deutschland wird zum Armenhaus
Die angemeldete Demonstration stand unter dem Motto "Deutschland wird zum Armenhaus". Es ist eine Veranstaltung, die derzeit regelmäßig einmal im Monat in Augsburg stattfindet. Am Samstag gab es eine integrierte Protestaktion von Bauern und Spediteuren samt Fahrern. Sie waren mit Fahrzeugen zum Messegelände gekommen. Von hier aus ging es Richtung Innenstadt.
Die Polizei regelte den Verkehr. Autofahrer mussten warten oder wurden umgeleitet. Auch der öffentliche Nahverkehr wurde ausgebremst. Man wollte aber zumindest erreichen, dass Straßenbahnen regulär verkehren. Auf der Wegstrecke sollten teilnehmende Fahrzeuge der Demonstration kurz stoppen, um Trams Vorrang zu geben.
Polizei zählt 227 Traktoren und 195 Lastwagen bei Demo
Die Polizei zählte an der Messe 227 abfahrende Traktoren und 195 Lastwagen. Unter den Bauern waren Teilnehmer aus ganz Schwaben. Dies dokumentieren Traktoren mit Kennzeichen von Mindelheim, Neuburg an der Donau, Dilligen, Krumbach, Günzburg sowie den Nachbarlandkreisen. Der 19-jährige Julian Hofstetter aus Klingsmoos (bei Neuburg an der Donau) war unter den Demonstanten. Er möchte den elterlichen Betrieb übernehmen, sorgt sich jetzt aber um die Zukunft der Landwirtschaft generell. Bauern sind wütend, weil die Bundesregierung den vergünstigten Agrardiesel nicht mehr zulässt. "Es kann einfach so nicht weitergehen", sagte Hofstetter. Er war fast zweieinhalb Stunden einfach unterwegs, um auf dem Traktor nach Augsburg zu kommen: "Das ist es mir wert."
Bei der Demo wird Kritik am Bauernverband laut
Der Bauernverband hatte sich von der Aktion distanziert. Bei den teilnehmenden Landwirten war dies zumindest kein großes Thema. Michaela Königsberger, die am Messegelände eine längere Rede hielt, griff hingegen die Funktionäre des Bauernverbands an. Diese säßen in Aufsichts- und Verwaltungsräten. Es sei kein Wunder, dass die Funktionäre somit die Politik unterstützen. Insofern sei es zu begrüßen, dass Landwirte jetzt in so großer Zahl auf die Straße gingen.
Julian Hofstetter aus Klingsmoos nahm an der Demo teil. Foto: Silvio Wyszengrad
Aufgrund der hohen Zahl an Teilnehmern hatte sich die Abfahrt am Messegelände zunächst verzögert. Die Fahrzeuge reihten sich auf einem Parkplatz ein, der letztlich sogar überfüllt war.