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Wallerstein

11.01.2020

Der Fall Sener Sahin: Ein "medialer Tsunami"

Sener Sahins Rücktritt von der Kandidatur für den Bürgermeisterposten in Wallerstein habe einen „medialen Tsunami“ ausgelöst, sagte CSU-Landratsabgeordneter Wolfgang Fackler.
Bild: Walter Brugger

Plus Bei seiner Nominierungsversammlung für den Gemeinderat arbeitet der CSU-Ortsverein Wallerstein den "Fall Sahin" auf. Der Hauptdarsteller sucht woanders Abwechslung.

Georg Kling wirkte erleichtert. Nach nur gut einer Stunde hat er am Donnerstagabend die Nominierungsversammlung für die Gemeinderatswahlen im März hinter sich gebracht. Sie ist gut gelaufen, wenngleich das Thema Sener Sahin, das den CSU-Ortsvorsitzenden in den vergangenen Tagen und Wochen beinahe pausenlos beschäftigt hatte, auch an diesem Abend präsent war – jedoch keineswegs emotional, sondern eher sachlich. Dafür haben vor allem die beiden Abgeordneten Ulrich Lange (Bundestag) und Wolfgang Fackler (Landtag) gesorgt, die gekommen waren, um dem Ortsvorstand ihre Solidarität in schwierigen Zeiten zu bekunden.

Lange: Kandidatur Sahins "gut und spannend"

Lange erzählte von der Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten in Kloster Seeon, bei der ihn unzählige Journalisten auf den Wallersteiner Fast-Bürgermeisterkandidaten angesprochen hätten. Lange wiederholte seine Haltung, dass er eine Kandidatur Sahins "gut und spannend" gefunden hätte. Letztlich sei es aber leider anders gekommen. Auch seitens des gesamten CSU-Kreisverbandes gebe es keinerlei Kritik am Verhalten der Parteifreunde in Wallerstein. "Wir stehen auch in solchen schwierigen Situationen zusammen."

Die CSU Wallerstein hat ihre Gemeinderatskandidaten im Rahmen einer Ortsverbandsversammlung nominiert. Das Bild zeigt einen Teil der Bewerber.
Bild: Bernd Schied

Wolfgang Fackler sprach von einem "medialen Tsunami", der über Wallerstein hereingebrochen sei. Der Landtagsabgeordnete ließ keinen Zweifel daran, dass auch Muslime Platz bei den Christsozialen hätten, wenn sie deren Werte vertreten würden. Eines zeige die Debatte um Sener Sahin dennoch: Innerhalb der CSU gebe es in dieser Frage offenbar noch Klärungsbedarf.

Der Fall Sener Sahin: Ein "medialer Tsunami"

Es sei nicht einfach gewesen, die Liste für den Gemeinderat zusammenzustellen, sagte Georg Kling zum eigentlichen Anlass des Treffens im Sportheim des SC Wallerstein. Rund 70 Leute habe er im zurückliegenden halben Jahr angesprochen. Bei den 16, die sich bereits erklärt hätten, als Kandidaten mitzumachen, handle es sich um "kompetente Personen mit breitgefächerter Kompetenz". Die Altersspanne reiche von 19 bis 59 Jahren. Die Bewerberriege solle laut Kling dazu beitragen, aus der entstandenen "heiklen Lage" wieder herauszukommen, um sich auf die eigentlichen Herausforderungen in der Marktgemeinde konzentrieren zu können.

Von den zwölf stimmberechtigten CSU-Mitgliedern votierten am Ende alle für die Vorschlagsliste, die sich aus zwölf Männern und vier Frauen zusammensetzt. "Wir hätten gerne mehr Frauen präsentiert", sagte der Ortsvorsitzende. "Nur sind diese äußerst schwer zu finden."

Manche hätten mehr Rückgrat erwartet

Nach der Versammlung versicherte Georg Kling im Gespräch mit unserer Redaktion, dass der Ortsverband die Kandidatur Sahins "durchgezogen" hätte, wenn dieser nicht davon zurückgetreten wäre. Hinter vorgehaltener Hand gab es aber auch Stimmen, die sich vom Ortsvorstand trotz der Widerstände aus Teilen der Partei und der Bevölkerung mehr Rückgrat erwartet hätten. Letztlich waren sich alle einig: Das Thema Sahin müsse jetzt abgehakt sein.

Das sieht der Fast-Bürgermeisterkandidat selbst nicht anders. Er kam wie angekündigt nicht zur Versammlung, sondern arbeitete einen Steinwurf weiter beim AH-Kick in der Mehrzweckhalle ein bisschen den Weihnachtsspeck ab. Da wurde viel gelacht, äußerst fair miteinander umgegangen und rote Köpfe hatten am Ende – ähnlich wie im Sportheim – auch alle. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, dass Sener Sahin sich auf dem sportlichen Parkett deutlich wohler fühlt als auf dem politischen. Kein Wunder nach einer Woche wie dieser …

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