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Konzert in München

17.06.2018

Der alljährliche Andreas Gabalier: Die One-Man-Wiesn

Andreas Gabalier trat mit viel Selbstbewusstsein in München auf. Die Fans feierten den Sänger und seine Hits.
Bild: Martin Hangen

Zum dritten Mal in Folge ein ausverkauftes Olympiastadion für Gabalier - mit Jogi-Löw-Ständchen, Kopfschmerzen und Kawumm-Dideldum. Kann das so weitergehen?

Es ist noch ziemlich früh an diesem sommerlichen Abend im mit 70.000 Zuschauern ausverkauften Münchner Olympiastadion, da gönnt sich Andreas Gabalier einen kleinen Moment der Nachdenklichkeit. Er hat das Konzert diesmal allein am Piano eröffnet und die ganze Arena mit Stimmungshits wie sein „I sing a Liad für di“ und Haindlings „Bayern des samma mia“ trotzdem schon spielend auf Betriebstemperatur gebracht.

Andreas Gabalier dichtet "Hulapalu" zur Fußball-WM um

Er hat auch den Party-Kracher „Hulapalu“ gleich mal serviert und dann auch noch zu einem Gruß an die deutsche Nationalmannschaft zur Fußball-WM umgedichtet: Statt „hodi-hodi-hodi-hoooodi-he“ heißt es da „Jogi-Jogi-Jogi-Joooogi-Löw!“ Aber dann, vom Moment beseelt, als hätte er als „Steirer Bua“ nicht einfach die Promo-Aktion eines bayerischen Radiosenders mitgemacht, sondern die offizielle deutsche WM-Hymne gesungen, fragt er was.

Und zwar: Was soll da noch kommen? Genauer: Er sei „auf einem Punkt der Karriere, wo man gar nicht weiß, wie's weitergehen soll.“ Weil: Diese Riesenarena ist ja nun bereits im dritten Jahr hintereinander ausverkauft, die Tickets waren bereits im September 2017 vergriffen; das neue Album „Vergiss mein nicht“ hat aus dem Stand die Spitze auch der deutschen Hitparaden eingenommen und auch die Aufmerksamkeit der Medien sei gewaltig.

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Und inzwischen seltener geht es dabei um die Frage, ob dieser Andreas Gabalier mit seinem Volks-Rock'n'Roll irgendwie zu den nationalistischen, volkstümelnden, rechtspopulistischen Trends der Zeit gehöre, sein am Prinzip der repräsentativen Demokratie zweifelndes und die eigene aufrechte Haltung feierndes „A Meinung ham“ jedenfalls hat er sich dadurch nicht anzweifeln lassen, er spielt es auch mitten in diesen Münchner Abend hinein wieder mit betont feierlicher Ernsthaftigkeit. Und eigentlich ist damit auch schon genau die Antwort Gabaliers auf seine Frage formuliert.

Denn die Fans wissen es ja längst: So wie er im Laufe des Konzerts „I sing a Liad für di“ und „Hulapalu“ einfach nochmal spielen wird, so wird es auch mit seiner längst millionenschweren Marke des Volks-Rock'n'Roll weitergehen – mit immer noch mehr vom selben. Denn längst ist ja die große Hallentournee für den Winter terminiert und es sind ja auch schon Karten erhältlich für den Sommer 2019, wenn Gabalier nicht nur ein weiteres Mal einen Triumphzug hier im Olympiastadion, sondern zum zehnten Karrierejubiläum dazu in sieben weiteren Großarenen antreten wird. Und schon jetzt, so wird der 33-Jährige an diesem Samstag noch sagen, sei die Kartennachfrage größer als je zuvor. Aber vielleicht ist der Höhepunkt einer Karriere ja gerade dann erreicht, wenn der Gipfel in Sicht, aber noch nicht erklommen ist?

Gabalier wiederholt sich - begeistert aber die Fans

Mit mehr Selbstbewusstsein jedenfalls kann man eigentlich kaum auf einer Bühne stehen als Andreas Gabalier an diesem Abend. Auf den jeweils vier vertikalen Videoleinwänden links und rechts, sowie auf dem riesig thronenden Bildschirmrund an der Stirn dieser Bühne formen sich zum anfänglichen Auftritt Gabaliers die Hollywood Hills, doch statt „Hollywood“ steht da in den berühmten Großbuchstaben schlicht „Gabalier“.

Aber der Verkauf des Konzerts zeigt dann ja auch tatsächlich, dass diesem Helden in Lederhosen und rot-weiß-karierten Hemd, ob an E-Gitarre, Quetschn oder schlicht am Geweih-Mirko, die Massen bei allem inbrünstig folgen, egal, was er so macht. Der neue Partykracher „Hallihallo“ mag noch so durchsichtig als Da capo von „Hulapalu“ konzipiert sein – es kommt an und geht in Trubel auf.

Mag der „Kaiserjodler“ auch mit Irrsinnsreimen wie „Kawumm-Dideldum“ daherkommen – das bringt doch alles Spaß mit diesem Andreas, der von sich selbst ja sagt, ihm seien „Freude und Geselligkeit ins Gesicht geschrieben“. Und mögen die meisten Sätze, die er an so einem Abend sagt, wörtlich dieselben sein, wie er sie in jedem Jahr spricht – es sind eben die Gedanken eines „einfachen Steirer Buam“, der selbst kaum fasst, was er in diesen wenigen Jahren erreicht hat und darum halt alles für „Wahnsinn“ hält.

Schließlich: Wer ärgert sich schon über Wiederholungen beim Oktoberfest? Macht nicht auch bei diesem größten Volksfest der Welt die ritualhafte Wiederholung gerade den Reiz aus, und damit eben auch hier, bei der „größten Volks-Rock'nRoll-Show der Welt“? Von den nun alljährlich im Sommer München in Beschlag nehmenden Zehntausenden in Tracht und Landhausmode angefangen: Andreas Gabalier ist eben eine One-Man-Wiesn.

Und auch bei dieser gibt es nicht nur Achterbahn und Bierzelt. Die gefühligen, persönlichen, romantischen Momente braucht es genauso. Auf einem Steg ins Publikum gibt's akustisch heruntergedimmt „So liab hob i di“. Und eine Erinnerung an die vor eineinhalb Jahren gestorbene Oma, der das Stadtkind Gabalier ja seine ländliche Verwurzelung verdankt, bringt „Horizonte“.

Bloß Gabalier lässt bei Konzert in München einen Zweifel zurück

Die Zugaben schließlich mit dem Familiendramen verarbeitenden „Amoi segn ma uns wieder“ (samt rührend leisem Zuschauerchor) und „Ewig“ treiben nicht wenige im weiten Oval zu Gänsehaut und Tränen. Und so ginge wirklich womöglich wirklich alles auf und selbst Richtung ewig: einfach immer weiter, immer mehr vom selben.

Bloß der Held selbst lässt einen Zweifel zurück. Erzählt an diesem Abend, wie er vor vier Wochen bei einem Werbetermin eine Platzwunde wohl samt Gehirnerschütterung erlitten hat, jedenfalls zu Boden ging und damit dieser Abends in München bis zuletzt auf der Kippe stand; wie er sich gegen starke Kopfschmerzen die vermeintliche Seligkeit dieses Abends auch erkämpfen musste; wie er überhaupt schon überlegt habe, nicht mal zumindest ein Jahr Pause einzulegen...

Aktuell scheint das frühestens 2020 möglich. Die Sommer-Wiesn 2019 samt komplett kopfstehenden Arenen wie auch diesmal in München wieder mit „Volks-Rock'n'Roller“, „I sing a Liad für di“ und „Hulapalu“ im Finale hintereinander weg – die steht ja schon. Steht aber Andreas Gabalier selbst womöglich vor den Fragen von Gipfel und Höhepunkt? Denn – siehe Hollywood Hills: Die ganze Offenbarung ist doch letztlich unweigerlich auch die Karriere eines Unterhaltungsunternehmers mit starker Marke.

Schon in den vergangenen beiden Jahren berichteten wir von den Gabalier-Konzerten in München. Hier können Sie die damaligen Artikel noch einmal lesen:

Der ganze Gabalier-Wahnsinn

Andreas Gabalier scheitert im größten Triumph nur an sich selbst  

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