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ÖPNV

22.01.2020

Fahrkarten bei der Bahn werden nicht unbedingt günstiger

Das Bayern-Ticket ist ab Januar teurer geworden. Und viele Pendler müssen für ihre Abo-Karten ebenfalls mehr Geld auf den Tisch legen.
Bild: dpa

Plus Eigentlich sollten die Preise für Bahntickets durch den niedrigeren Mehrwertsteuersatz sinken. In Teilen des Regionalverkehrs kommt das aber nicht an.

Da kann man selbst als überzeugter Nutzer der Schiene sauer werden: Der Gesetzgeber hatte bekanntlich beschlossen, dass das Bahnfahren ab dem 1. Januar 2020 durch Senkung der Mehrwertsteuer billiger werden soll, die Bahn sagte denn auch zu, das umzusetzen – und trotzdem werden die Tickets teurer. Beispiel Jahresabo von Kaufbeuren nach Augsburg. Es kostete bis Dezember 2019 noch 217 Euro pro Monat. Jetzt ist der Nutzer mit 228 Euro monatlich an Bord. Wie kann das sein?

Nun muss man sagen: Die beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent bezieht sich nur auf Strecken ab 50 Kilometern Entfernung. Unter 50 Kilometern gilt ohnehin schon nur ein Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Bleiben wir aber beim Beispiel Kaufbeuren–Augsburg. Die schwäbischen Städte sind erheblich mehr als 50 Kilometer voneinander entfernt. Ergo: Das Abo müsste günstiger werden. Dazu schreibt die Pressestelle der Deutschen Bahn in München etwas sperrig: „Im Regionalverkehr kann eine Preissenkung für Angebote des Gemeinschaftstarifs der Eisenbahnen voraussichtlich frühestens sechs Monate nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung erfolgen. Grund dafür ist, dass die Nahverkehrsunternehmen nicht allein über die Weitergabe der Mehrwertsteuerabsenkung an die Kunden entscheiden, sondern sich mit verschiedenen Partnern abstimmen und eine Vielzahl von Vertragskonstellationen berücksichtigen müssen.“ Das heißt verkürzt, dass die Mehrwertsteuersenkung im Regionalverkehr schlicht und ergreifend noch nicht umgesetzt wurde.

Kurios: Manche Fahrten mit IC billiger als mit Regionalzug

Was zu seltsamen Phänomenen führt, wie etwa auch der Bayerische Rundfunk vermeldet. Nämlich zu jenen, dass das Fahren mit Intercitys (IC) derzeit teils sogar billiger ist als mit Regionalzügen. Wer zum Beispiel aus Leipheim (Kreis Günzburg) oder Donauwörth nach München pendelt, fährt günstiger mit dem IC. Beispiel Leipheim: Bahnfahrer sind, je nach Verbindung, mit dem IC zehn Minuten schneller und zahlen 2,60 Euro weniger, obwohl sie in Augsburg vom Regionalzug in den IC umsteigen müssen. Von Donauwörth aus spart man sich bis zu 37 Minuten und 3,30 Euro.

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Und es geht munter durcheinander weiter: Wer etwa ein Bayern-Ticket kauft, muss seit Jahresbeginn 2020 tiefer in Tasche greifen, obwohl es ja auch leicht über 50 Kilometer Distanz hinausragen kann. Bis Ende 2019 kostete es für eine Person 25 Euro, nun zahlt man einen Euro mehr. Bei den Bahncards wurde die Preissenkung wiederum umgesetzt: Bei der Bahncard 25 statt 62 Euro nur noch 55,70 Euro, bei der Bahncard 50 statt 255 nur noch 229 Euro.

Tickets immer noch teuer: Pro Bahn spricht von Organisationsversagen

Der Würzburger Lukas Iffländer vom Bundesvorstand der Interessensvertretung Fahrgastverband Pro Bahn, spricht von einem Organisationsversagen aufseiten der Eisenbahngesellschaften, die beispielsweise in Bayern unterwegs sind. Man habe noch kurz vor Jahreswechsel die eigentlichen Preise erhöht im Nahverkehr – und dann gebe man nun zusätzlich die Mehrwertsteuersenkung nur mit Verzögerung (also, wie weiter vorne in diesem Text zitiert, um etwa sechs Monate) weiter. Der Kunde müsse damit eine Zeit lang eine doppelte Preiserhöhung aushalten.

Iffländer spricht gar von einer „Sauerei“, denn der Nahverkehr fahre in Bayern mit Subventionen des Freistaates. Iffländer glaubt nicht, dass den Kunden die zuviel bezahlte Mehrwertsteuer zurückerstattet werde.

Genau das fordert aber Ludwig Hartmann, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag: „Der Betrag muss den Fahrgästen später gut geschrieben werden. Das würde Fairness beweisen.“ Sonst könne man die Menschen nicht dazu bewegen, vom Auto auf die Bahn umzusteigen. Den Pendlern werde ohnehin viel zugemutet. „Die Benzinkosten sind seit 2015 nur um drei Prozent, die Preise für Regionalzüge seit 2015 aber um 14 Prozent gestiegen“, sagte Hartmann. Hier müsse dringend nachjustiert werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Tickets müssen günstiger werden

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