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Corona-Impfung

12.02.2021

Fragwürdige Corona-Impfung: Augsburger Bischof gerät unter Druck

Die frühe Impfung für den Augsburger Bischof Bertram Meier und seinen Generalvikar sorgt für viel Kritik.
Foto: Marcus Merk

Plus Klinikseelsorger kritisieren das Verhalten von Bischof Bertram Meier und fordern eine Entschuldigung. Und die Reaktionen anderer deutscher Bischöfe sprechen Bände.

Am Freitag vergangener Woche hat der Augsburger Bischof Bertram Meier einen neuen Beitrag in seinem Video-Blog auf Facebook veröffentlicht. "Wir haben ganz schön Zoff mit dem Stoff", sagt der Oberhirte. Er meint den Streit um den Impfstoff und nennt konkret die Diskussionen um die Impf-Reihenfolge. Er warnt davor, dass die Menschen sich in diesen schwierigen Zeiten entzweien und spinnefeind werden. Und ruft stattdessen zu einem Miteinander auf. Einen Tag später erhält Bischof Meier seine zweite Corona-Impfung.

 

Seit unsere Redaktion dies öffentlich gemacht hat, gibt es kritische Kommentare unter diesem Video-Blog. Einer beglückwünscht den Bischof und seinen Generalvikar Harald Heinrich ironisch, dass sie trotz ihrer vielfältigen Aufgaben die Zeit finden, so intensiv und häufig Seelsorge in Alten- und Pflegeeinrichtungen zu leisten. In seinem Bistum leisteten diesen Dienst speziell ausgebildete Seelsorgerinnen und Seelsorger – und zwar seit Beginn der Pandemie und ohne Impfung.

Die Klinikseelsorger im Bistum Augsburg sind sauer auf Bischof Bertram Meier

Es ist dies einer der Punkte, die dem Augsburger Bischof nicht nur in den sozialen Netzwerken und im Internet harsche Kritik einbringen. Gerade unter den vielen Seelsorgern im Bistum ist die Stimmung angesichts der frühen Impfung des Oberhirten schlecht. Einer, der anonym bleiben will, sagt, es sei schon seit Jahren nicht immer einfach, die Entscheidungen der kirchlichen Würdenträger mitzutragen. Aber die frühzeitige Impfung des Bischofs und seines Stellvertreters habe bei ihm das Fass zum Überlaufen gebracht. Er wisse von etlichen Klinikseelsorgern, die seit Beginn der Corona-Pandemie fast täglich auf Intensivstationen bei Corona-Patienten ihrer Arbeit nachgehen und die nicht geimpft seien. Auf Anfrage habe man den Kollegen mitgeteilt, sie müssten sich normal für eine Impfung registrieren und auf den Termin warten.

Wenn man sich mit mehreren katholischen Klinikseelsorgern aus dem Bistum Augsburg unterhält, bekommt man Reaktionen, die von Unmutsbekundungen bis hin zu Entrüstung reichen. Einigkeit scheint darüber zu herrschen, dass es eine "Dummheit" gewesen sei, dass sich Bischof Bertram Meier, 60, und sein Generalvikar Harald Heinrich, 53, bereits haben impfen lassen. Das Thema könnte durchaus bei der nächsten Sitzung des Priesterrats am 1. März zur Sprache kommen.

Der Augsburger Bischof Bertram Meier (links) und Generalvikar Harald Heinrich (hier im Augsburger Dom) haben sich in einem Seniorenheim gegen das Coronavirus impfen lassen.
Foto: Annette Zoepf (Archivbild)

Auch der Caritas-Diözesandirektor hat schon seine Corona-Impfung

Dann dürfte auch thematisiert werden, dass zumindest ein weiteres Mitglied des Leitungsgremiums Domkapitel, nämlich Caritas-Diözesandirektor Andreas Magg, ebenfalls bereits geimpft ist. Bistumssprecher Ulrich Bobinger bestätigte damit Recherchen unserer Redaktion. Magg sei regulär beim Impfzentrum Augsburg angemeldet gewesen und habe die dann angebotene Impfung in einer Einrichtung der Caritas angenommen. Magg ist als Vorstand des Caritasverbandes verantwortlich für die Caritas-Heime. Er habe sich auch impfen lassen, so der Bistumssprecher, "um Pflegekräfte zu ermutigen, sich ebenfalls impfen zu lassen".

Für einen weiteren hohen Geistlichen räumt das Bistum ebenfalls eine bereits erfolgte Impfung ein. Es geht um einen Domvikar, der am selben Tag wie der Bischof im selben Seniorenheim geimpft wurde. Der Mann leitet laut Bistum den Fachbereich "emeritierte Priester" und betreue in großem Umfang im Ruhestand befindliche Priester in unterschiedlichen stationären Einrichtungen. "Er ist daher laut der bayerischen Impfverordnung ungeachtet seines Alters impfberechtigt gewesen", sagt Bistumssprecher Bobinger. Auf die Frage, ob weitere Mitglieder des Domkapitels, die Weihbischöfe und Hauptamtsleiter geimpft seien, antwortet das Bistum: "Es werden darüber keine zentralen Listen geführt."

Die Kritik konzentriert sich ohnehin auf den Oberhirten. Ein Klinikseelsorger, der von einer Klinikleitung ein Impfangebot bekam und es wegen einer Vorerkrankung annahm, findet, dass der Bischof und sein Generalvikar nicht mit einer Impfung vorangehen hätten sollen. Wenn, dann hätte man "allen Pfarrern" ein Impfangebot machen müssen. Oft sind es die Klinikseelsorger, die – ähnlich wie das Pflegepersonal – regelmäßig, mitunter täglich mit Corona-Patienten Kontakt haben. Sie fürchten teilweise um ihre Gesundheit, trotz Ganzkörperschutzanzügen oder Schnelltests. Denn geimpft ist noch lange nicht jeder von ihnen.

Ein anderer Klinikseelsorger – ungeimpft – sagt, er sei "irritiert" über die Impfung des Bischofs und seines Generalvikars. Er betont, dass er sich nicht vordrängen werde. Wieder ein anderer meint, Bischof und Generalvikar seien gewiss unregelmäßiger in Kontakt mit Risikogruppen oder Covid-19-Erkrankten als er. Er fordert eine glaubhafte Entschuldigung von Meier und Heinrich. Bertram Meier hatte am Mittwoch erklärt: "Dass meine Impfung in der Öffentlichkeit für Missverständnisse gesorgt hat, tut mir leid." Dem Klinikseelsorger reicht das nicht aus. Hier gehe es nicht um Missverständnisse, sondern um ein Verhalten, das ihn – und andere Priester – entsetzt habe.

Die Erklärung des Bistums für die frühe Impfung überzeugt ebenfalls längst nicht alle: "Wenn der Bischof laut Impfverordnung offiziell als Heimpersonal anzusehen ist, dann hätte er nicht mit kurzfristig übrigem Impfstoff geimpft werden müssen. Dann wäre für ihn einer bestellt worden", sagt ein Seelsorger.

Augsburger Oberbürgermeisterin kritisiert Impfvordrängler

Auf Kritik stößt auch, dass Bischof Meier und Generalvikar Heinrich sich quasi in einem "eigenen" Heim der Kirche impfen haben lassen. Und auch unter Betreibern und Leitern anderer Heime in Augsburg herrscht größtenteils Unverständnis. Beim "Runden Tisch Heime" am Dienstagabend war jedenfalls nach Recherchen unserer Redaktion fast einhellig die Meinung, dass die frühe Impfung ein Fehler gewesen sei. Die Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) äußerte sich ebenfalls kritisch zu den fragwürdigen Impfungen für den Bischof und bei der schwäbischen AWO: "Ich halte es – vor allem angesichts des derzeit noch knappen Impfstoffbestands – für moralisch höchst bedenklich, wenn sich Menschen Zugang zu Impfungen verschaffen, die gemäß der Impfpriorisierung der StiKo (Ständige Impfkommission, d. Red.) noch nicht an der Reihe sind."

Bischof von Augsburg ist der einzige geimpfte deutsche Diözesanbischof

Der Druck auf den Augsburger Bischof wächst auch dadurch, dass seine Kollegen sich anders verhalten. In Deutschland gibt es 27 katholische (Erz-)Bistümer – und nach Recherchen unserer Redaktion neben Meier keinen weiteren amtierenden Diözesanbischof, der sich bislang hat impfen lassen. Das ergab eine Umfrage unter den anderen 26 (Erz-)Bistümern. Schon geimpft ist demnach aus dem Kreis der Weihbischöfe nur Johannes Wübbe aus dem Bistum Osnabrück. Er habe eine erste Impfung erhalten, erklärt ein Sprecher, "allerdings nicht weil er Weihbischof ist, sondern weil er ehrenamtlich aktiv mit den mobilen Impfteams in Osnabrück im Einsatz ist". Wübbe wurde darum vom Roten Kreuz gebeten.

 

Viele der angefragten Bistumssprecher betonten, dass sich ihre jeweiligen Bischöfe, Weihbischöfe und Generalvikare erst impfen ließen, wenn sie "an der Reihe" seien. Das Bistum Erfurt schrieb zum Beispiel, die Bischöfe und der Generalvikar "warten geduldig und lassen sich impfen, wenn sie an der Reihe sind". Und: "Außerordentliche Impfungen werden nicht stattfinden."

Um eine Stellungnahme gebeten, wie der Augsburger Bischof dazu stehe, dass er der einzige geimpfte Oberhirte sei, hieß die Antwort: "Das Bistum Augsburg hat weder Kenntnis über die Terminkalender anderer Diözesanbischöfe noch über die Impfverordnungen der anderen Bundesländer."

Lesen Sie dazu auch:

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Die Diskussion ist geschlossen.

12.02.2021

Pfui Teufel, Hr. Bischof

Wenn noch etwas Charakter vorhanden ist, treten Sie zurück.

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12.02.2021

Wie würde "Mutti" sagen? Jetzt ist er nun mal geimpft...

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12.02.2021

Dem hat's ja damals auch so pressiert !!
"Trotz Coronavirus: Bischofsweihe von Bertram Meier findet statt".
https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Trotz-Coronavirus-Bischofsweihe-von-Bertram-Meier-findet-statt-id56981836.html

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12.02.2021

So wichtig, wie er vorgibt, scheinen dem Oberhirten seine "Schäflein" nicht zu sein! Nächstenliebe ist das ganz sicher nicht! Das ist erbärmlich! Mit Missverständnis in der Öffentlichkeit hat das ebenfalls nichts zu tun. Alle Drängler sollten sich schämen und es sollte ernsthaft erwägt werden, dies unter Strafe zu stellen! Eine halbherzig Entschuldigung nützt in diesem Fall garnicht. Es bringt Unruhe in die Bevölkerung, zu Recht.

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12.02.2021

Ich konnte gar keine Entschuldigung feststellen, da kein Missverständnis vorliegt:-)

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12.02.2021

Ich halte viel von Bischof Bertram. Aber das Vordrängeln bei der Impfung = Ausnützen einer privilegierten Stellung zu Lasten anderer geht gar nicht. Vor allem wegen des Zeichens, das hier gegeben wird. Wieder ein Thema, das von kirchlicher Seite ohne jedes Gefühl für die Menschen platziert wurde!

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12.02.2021

(edit/mod/Ausdrucksweise/Bitte sachlich argumentieren/NUB 7.3)

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12.02.2021

Mit Unbehagen lese ich die Ergebnisse der Recherchen der Mitarbeiter/innen der Augsburger Allgemeinen zum 'Impfverhalten' einiger (hoffentlich bleibt es bei den wenigen!) Menschen, die meinen, anderen gegenüber bevorzugt werden zu müssen.
Ich sehe die sozialen Verwerfungen, die durch die Folgen durch Covid 19 und Co entstehen bzw. vertieft werden mit großer Sorge.
Menschen, die sich jetzt Vorteile verschaffen - egal welcher Art -tragen wesentlich dazu bei, soziale Unruhen, Unfrieden, Neid und auch Gewalt zu wecken bzw. zu vertiefen.
Sie legen Lunten an einen sozialen Sprengstoff, der uns um die Ohren fliegen wird.
Menschen, die sich in dieser weltweit tiefen Krise egoistisch verhalten - egal ob bedacht oder aus Dummheit oder Gewohnheit - zündeln.
Die Antworten aus dem Bistum Augsburg auf die Fragen der Mitarbeiter/innen der Augsburger Allgemeinen klingen in meinen Ohren nicht nur arrogant, sondern auch - angesichts der besonderen Situation, in der wir uns alle befinden - dumpf.
Der Augsburger Bischof hat mit seinem Verhalten einen Stein ins Rollen gebracht, der jetzt schon beträchtlichen Schaden anrichtet.

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12.02.2021

Austreten aus der katholischen Kirche!!
Das hat nichts mit Gott, Nächsteliebe und Demut zu tun, wie immer gepredigt wird!!

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12.02.2021

Das Gehalt der Bischöfe und weiterer Kirchleute zahlt trotzdem der Steuerzahler.

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12.02.2021

Fredi Fesl hat schon vor über 40 Jahren im Glockensong gesungen: „im Staat sind alle gleich, doch Kirch gehört zum Himmelreich“ . Was könnte ein Bischoff machen:
- sich entschuldigen
- 6 Monatsgehälter an das SOS Kinderdorft spenden
- Verständnis zeigen, wenn Kirchenmitglieder aus der Kirche austreten.

Das wäre die Reue, bei denen dann eine Sünde vergeben werden kann. Die beiden ersten
Punkte stehen auch dem Landrat vom Donau-Ries und dem Bürgermeister aus Donauwörth sowie
allen, die sich zu Unrecht impfen ließen, gut an. Dies auch in Gedenken an die Menschen, die ungeimpft an Corona
gestorben oder an schweren Folgen der Coronaerkrankung leiden.

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