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Osterurlaub
18.03.2021

Hotelier: "Regierung fährt Wirtschaftszweig an die Wand"

Finanziell sind wegen Corona tausende Hotel- und Gastronomiebetriebe schwer angeschlagen. Hoteliers im Allgäu sind frustriert und enttäuscht von der Politik.
Foto: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Auf Mallorca gehen die Buchungen ein, in Deutschland bleiben die Gästebücher leer. Hotel-Betreiber im Allgäu sind sauer, dass sie im Corona-Lockdown verharren.

Ostern soll der Rettungsanker sein für die heimische Wirtschaft, Hubert Aiwanger sprach hingegen von einem "letzten Strohhalm". Der Wirtschaftsminister Bayerns forderte vor der Bund-Länder-Schalte zur Corona-Pandemie am kommenden Montag "ein klares Signal für Osterurlaub in Deutschland." Finanziell sind tausende Betriebe schwer angeschlagen, die Politik dürfe da nicht länger zusehen, sagte der Freie Wähler-Chef der Funke Mediengruppe. Während der Urlaub auf Mallorca wieder erlaubt ist, dort ein Besucheransturm bevorsteht, bleiben Hoteliers in Deutschland bislang ohne Perspektive. Seit sechs Monaten quält sich die Branche im Lockdown.

Hotelbetreiber im Allgäu finden zu dem Thema klare Worte gegenüber der Politik – oder gar keine: "Also zu der Sache mit Mallorca: Dazu braucht man nun wirklich nichts sagen", ärgert sich Martin Hanauer, Inhaber des Hotels Sonne in Füssen. Für den Normal-Bürger sei der Widerspruch aus Urlaub auf der Insel und Lockdown für die Hotels in der Bundesrepublik schlicht nicht zu verstehen.

Martin Hanauer vom Hotel Sonne in Füssen: Ein Hotel ist "keine Fabrik"

Für Hanauer beginnt die Debatte um Osterurlaub in Deutschland zu spät. Die dritte Corona-Welle rollt bereits, Öffnungen würden da bald wieder in noch weitere Ferne rücken, schlimmstenfalls bis über die Hochsaison in hinaus (das Ostallgäu befindet wegen zu hoher Inzidenzwerte seit Mittwoch wieder im Lockdown). Und: "Wir sind keine Fabrik, die man einfach so wieder hochfahren kann", sagt er. Etwa drei Wochen seien nötig, um vorzukochen, Zimmer zu putzen und Mitarbeiter zurückzuholen – Ostern steht aber bereits in 14 Tagen an. Das sei auch der Politik bewusst. Hanauer hält den Vorstoß Aiwangers deshalb für eine Scheindebatte: "Die ist dazu da, um uns zu beruhigen."

 

Ludwig Gehring beruhigt das nicht. Er betreibt den Bayerischen Hof in Lindenberg und vertritt als Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes in Lindau dutzende Betriebe der Branche. "Die Stimmung bei uns ist auf dem Tiefpunkt", sagt Gehring. "Die Regierung fährt gerade einen kompletten Wirtschaftszweig an die Wand." Der Hotelier beschuldigt die Politik, Hygienekonzepte in den Gastronomie- und Hotelbetrieben zu ignorieren. Nahezu jedes Gebäude der Branche habe beispielsweise Geräte für den Luftaustausch im Raum stehen, anders als Wohnungen im Privaten.

Im Mallorca-Urlaub gehen die Menschen womöglich lockerer mit den Regeln um

Im Urlaub auf Mallorca hielten sich die Menschen zudem weniger an die Regeln, die in einem anderen Land, scheinbar weit weg vom Pandemie-Alltag gelten. "Weisen wir die Menschen hier auf die Maskenpflicht zum Beispiel hin, dann wird das befolgt. Wirte sind Respektspersonen." Dass das auch auf Mallorca der Fall ist, wo zum Teil der Alkohol im Mittelpunkt steht, bezweifelt der Hotelier.

 

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder stellte Öffnungen für die heimische Gastronomie und Hotellerie für "Pfingsten und Sommer" in Aussicht. "Herr Söder weiß schon, wann Pfingsten ist?", fragt Gehring. Ostern sei der letzte Rettungsring für die Branche, nicht die Ferien sieben Wochen später.

Hygiene gegen Corona: Im Klosterbräu-Hotel "wären die Menschen gut aufgehoben"

David Frick glaubt, die Menschen wären schon jetzt in den Hotels im Allgäu gut aufgehoben. Er ist stellvertretender Geschäftsführer des Klosterbräu-Hotels in Irsee. Zum Betrieb gehören neben Gästezimmern auch ein großes Restaurant und eine Brauerei, die als einzige der drei Bereiche fast wie gewohnt betrieben wird. Wirtschaftlich ist das ein Desaster für Frick und seine Kolleginnen und Kollegen. "Im Gesamten schwindet das Verständnis", sagt er. Dass auf Mallorca Urlaube möglich sind, sei nicht verhältnismäßig. "Wir betreiben einen extremen Aufwand für die Hygiene", sagt Frick. "Mit immer neuen Lockdowns bringt der uns wenig."

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20.03.2021

Dass so etwas immer noch gesagt wird.
Nein, nicht die Regierung fährt die Wirtschaft an die Wand. Es gibt da eine Pandemie, die wir nicht wegdiskutieren können. Wenn wir Menschen unachtsam sind, dann gefährden wir andere. Dann muss die Regierung diesem Schutzauftrag (den die klare Mehrheit übrigens so sieht, so viel zum Narrativ „wir wollen Lockerungen“) gerecht werden. Es sind nicht immer die anderen. Wir wollen es nicht anders, wir, die Menschen fahren die Wirtschaft an die Wand, und lassen nebenbei noch Menschen an Corona sterben.

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18.03.2021

... und trotzdem wird sie, die Regierung, aller Voraussicht nach, wieder gewählt werden. Was für ein Zwiespalt.

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