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Training

28.04.2020

So halten sich die Bayern in Corona-Zeiten fit

Mancherorts können Hanteln ausgeliehen werden, um in der eigenen Wohnung zu trainieren.
Bild: Britta Pedersen, dpa

Sportstätten haben im Freistaat gerade geschlossen. Einige bieten allerdings Online-Kurse an. Welche Alternativen es sonst noch gibt.

Normalerweise steht Nicole Vogt während ihrer Sportstunden vor einer Gruppe von 15 bis 20 Teilnehmern in einem der Trainingsräume des TSV Aichach. Bei den Übungen kann sie mit den Teilnehmern interagieren – wenn nötig korrigierend eingreifen oder Fragen beantworten. Jetzt ist der Einzige, der ihr bei den Übungen vor Ort zusieht, ein festinstallierter PC mit Kamera. Die Kursteilnehmer können zwar zeitgleich mitmachen, sehen ihre Lehrerin aber nur über Computer, Smartphone oder Tablet von zu Hause aus. So also sporteln die Bayern nun in Corona-Zeiten. Denn Sport- und Fitnessstudios sowie Sportvereine und -plätze sind geschlossen.

Die Trainerin zeigt die Übungen vor der Webcam

"Am Anfang kam ich mir wahnsinnig komisch vor", sagt Vogt, zugleich Geschäftsführerin des TSV Aichach, über ihre erste Fitnessmix-Stunde allein vor dem PC. Doch nicht nur ihr sei es so gegangen. Die anderen vier Übungsleiterinnen, die nun Online-Kurse wie Pilates oder Gymnastik anbieten, hätten dasselbe gesagt. Die Kurse sind für jeden über die TSV-Internetseite umsonst zugänglich. 50 Anmeldungen gab es bereits. Im Vorfeld musste aber noch Einiges getestet werden. "In welchem Bereich der Bodenmatte arbeite ich, damit ich im Blickfeld der Kamera bleibe? Nutze ich ein Headset? Was ist mit Musik?", zählt Vogt auf. Dennoch habe der Auftakt vor einer Woche über Microsoft Teams schon ganz gut geklappt. "Während der Stunde haben die Teilnehmer ihr Mikrofon stumm geschaltet und die Webcam aus. So sehen und hören sie nur mich. Davor und danach reden wir kurz", sagt Vogt. Da sie so nicht mal schnell zu einem Teilnehmer hingehen und korrigieren kann, erklärt sie die Übungen detaillierter. Daneben hat der TSV Aichach auch kurze Trainingsvideos mit je einer Übung für Erwachsene und Kinder zum Nachmachen auf der Website hochgeladen.

Fitnessstudio erlaubt Mitgliedern, Hanteln mit nach Hause zu nehmen

Mit solchen Videos hat auch das Fitness-Center Parkstadt in Donauwörth über Facebook und Instagram vergangene Woche begonnen. "Wir wollen, dass unsere Mitglieder sportlich dabeibleiben", sagt Studioleiterin Corinna Meier. Denn die würden schon anrufen und sagen, dass sie das Fitness-Center vermissen. Zusätzlich bietet das Studio seinen Mitgliedern seit knapp zwei Wochen an, Equipment wie Kurzhanteln, Hantelstangen oder Faszienrollen kostenlos auszuleihen und mit nach Hause zu nehmen. "Hier staubt es nur ein", erklärt Meier. Bereits nach zehn Minuten habe der Erste mit telefonischer Voranmeldung ein Teil abgeholt. Im Zehn-Minuten-Takt sei das so weitergegangen. Mittlerweile ist fast alles ausgeliehen. "Gerade meine Jungs sind ganz dankbar, dass sie so zu Hause weiter trainieren können", sagt Meier.

 

Wer sich keine Fitnessgeräte ausleihen kann, hat immer noch die Möglichkeit, sie online zu kaufen. Ergometer, Laufband oder Rudergerät: alles ist lieferbar. Aber Achtung: Die Nachfrage hat sich wegen Corona stark erhöht. Das bestätigen sowohl Hammer Sport aus Neu-Ulm als einer der größten Heimfitnessgeräte-Hersteller in Europa als auch Sport-Tiedje aus Schleswig als Europas größter Fachmarkt und Online-Versandhändler für Heimfitnessgeräte auf Nachfrage. Deshalb kann es zu Verzögerungen von bis zu 21 Tagen bei den Auslieferungen kommen.

Die Trainer analysieren die Videos per Whatsapp

Wem es schwer fallen sollte, sich zu Hause allein zum Sport zu motivieren, kann bei "Beat the coach! Deine tägliche Fitness Challenge!" über die Internetseite des TC Augsburg mitmachen. Seit Anfang April bieten die beiden Tennistrainer Christian Plöckl und Yannick Paul täglich ein virtuelles Konditionstraining mit Übungen zu Kraft, Ausdauer, Koordination und Schnelligkeit an. "Wir schauen, wie schnell wir sind oder wie viele Wiederholungen wir hinbekommen", erklärt Yannick Paul. Fünf bis zehn Minuten dauert ein Video, das die beiden auf Youtube hochladen. Ziel für die Teilnehmer ist es, schneller und besser zu sein als die Trainer. "Die Leute sammeln so Punkte und können Preise gewinnen", sagt Paul. Und das ist nicht alles. "Die Teilnehmer schicken uns ihre Videos der Übung per Whatsapp. Wir analysieren sie dann und schicken unser Feedback zurück." Auf die Idee dazu kam Paul, als zwei Mütter angefragt hätten, ob er etwas Motivierendes für ihre Kinder hätte. 25 Teilnehmer machen bereits mit. Kostenpunkt pro Person: 39 Euro im Monat.

 

Für acht Euro die Stunde bietet das Yogastudio Wolke 34 in Augsburg über dessen Internetseite seit Mitte März Online-Kurse via Zoom an. Die Yogalehrer geben die Stunden von zu Hause aus, die Teilnehmer machen parallel bei sich daheim mit. "Wir haben sofort damit gestartet, als wir wussten, wir müssen schließen", sagt Studioinhaberin Manuela Maslin. Bisher gibt es eine Stunde am Vormittag und eine am Abend. Doch das Angebot wächst. Ab 1. Mai kommt Yoga für Schwangere dazu. Für Einsteiger seien die Online-Kurse allerdings schwierig, da der Lehrer nicht auf sie eingehen kann. Deshalb bietet das Yogastudio am 1. Mai von 10 bis 11.30 Uhr für zehn Euro extra einen Online-Anfänger-Kurs an. Manuela Maslins Hoffnung ist es, dass zumindest ab Mai wieder "Yoga im Park" stattfinden kann.

Gruppensport ist derzeit wegen der Corona-Krise nicht erlaubt

Doch Gruppensport ist derzeit noch nicht erlaubt. Bis es soweit ist, halten sich die Bayern draußen zumindest alleine oder zu zweit mit Joggen, Radfahren, Inlineskaten und Spazieren gehen fit. Aber: "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier", erklärt Hans Peter Brandl-Bredenbeck, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft an der Universität Augsburg. Deshalb geht er davon aus, dass die Menschen, sobald die Sportstätten und -studios öffnen dürfen, auch wieder dorthin gehen werden. Außerdem sei der Mensch ein soziales Wesen, das den Kontakt mit anderen brauche. Alleine zu Hause vor einem Computer Sport zu machen, scheint also keine dauerhafte Alternative zu sein.

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