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Bissingen

16.08.2019

Die "Drei Steine" im Kesseltal: Vom Sagenland zum Ausflugsziel

Einst galten die Drei Steine als verrufener Ort. Hier stießen die Herrschaftsbereiche des Herzogtums Pfalz-Neuburg, der Grafschaft Oettingen und des Fürstentums Thurn und Taxis zusammen. Heute sind die Drei Steine ein beliebter Ort für Wanderer, Radfahrer und im Winter für Skilangläufer.
Bild: Helmut Herreiner

Um die „Drei Steine“ ranken sich viele düstere Geschichten. Wer dort hingeht, weiß, warum.

Viele Sagen und Geschichten ranken sich um den Rennweg, der von den Drei Steinen südlich von Amerdingen den südlichen Höhenzug des Kesseltales entlang einst bis hinunter nach Brachstadt und Donaumünster reichte. Noch heute ist er in großen Teilen als breite Waldschneise erhalten. Der Rennweg bildet zum Teil bis heute eine Territorialgrenze, die ziemlich genau entlang der Wasserscheide zwischen dem Kesseltal und dem Donautal verläuft.

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Einst war er die Grenzmarkierung zwischen der Grafschaft Oettingen im Norden und dem Herzogtum Pfalz-Neuburg im Süden. Den wohl markantesten Punkt bildeten dabei die Drei Steine. Etwa zwei Kilometer Luftlinie südlich von Amerdingen und drei Kilometer südwestlich von Zoltingen in der Gräflich-Stauffenbergischen Waldabteilung „Am Rennweg“ im Wald gelegen, wurden sie an der Stelle aufgestellt, an der die Grafschaft Oettingen und das bayerische Herzogtum Pfalz-Neuburg mit dem Fürstentum Thurn und Taxis zusammenstießen.

Grenzstein mit dem bayerischen Rautenwappen.
Bild: Helmut Herreiner

Heute treffen an dieser Stelle die beiden Landkreise Dillingen und Donau-Ries zusammen, die Landesgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg verläuft nur wenige Schritte weiter. Die Grenzsteine zeigen, wie noch immer gut zu erkennen ist, auf der einen Seite den großen Buchstaben „P“ (Pfalz) mit dem bayerischen Rautenmuster und auf der anderen Seite ein „O“ (Oettingen) mit dem Andreaskreuz, welches das Wappen der Grafschaft Oettingen-Wallerstein ziert.

Die Grenze wurde bereits vor mehr als 600 Jahren erwähnt

Die Landesgrenze, die von den Drei Steinen weg in Richtung Osten verläuft, ist erstmalig in einer Urkunde vom 8. September 1403 als jagdhoheitliche Grenzlinie zwischen Oettingen und Hochstetten (Höchstädt) erwähnt. Nach mehrfachen Streitigkeiten, wem der Rennweg denn nun gehöre, wurden im Mai des Jahres 1591 insgesamt 30 große Grenzsteine gesetzt, von denen heute noch zwei Drittel erhalten sind.

Diese markieren im Abstand von einem knappen halben Kilometer meist die Wegmitte und sind im Wald noch immer relativ leicht zu finden. Errichtet und gebaut wurde der durchschnittlich etwa acht Meter breite Weg vermutlich von der bäuerlichen Bevölkerung des Umlandes im Frondienst.

Nachdem der Rennweg überwiegend inmitten tiefer, dunkler Wälder verläuft, verwundert es nicht, dass um ihn im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl von Sagen und unheimlichen Erzählungen entstanden, die zum Teil bis in die Gegenwart überliefert sind. Bei den Drei Steinen soll einst der Wilde Reiter, ein kaiserlicher Kurier, seine Seele dem Teufel verschrieben haben und seitdem umhergeistern. Die Wilde Jagd, ein bekanntes Sagenmotiv in Deutschland und im Alpenraum, spuke natürlich ebenfalls auf dem Rennweg entlang, heißt es im Volksmund.

Der Heimatdichter Michel Eberhardt berichtete von einem Hausierer, der hier seine Seele um Geld verkaufen wollte, dies dann bitter bereute und eines furchtbaren Todes sterben musste.

Grenzstein mit dem oettingischen Andreaskreuz.
Bild: Helmut Herreiner

Die "Drei Steine" sind ein beliebtes Ausflugsziel

Heute sind die Wege entlang des Höhenzuges, auf dem der Rennweg verläuft, eher ein beliebtes Ziel für Wanderer, Nordic Walker, Biker und Reiter als Refugien für düstere Sagengestalten. Wenn man allerdings dort oben bei Wind und Sturm oder im alles umhüllenden nordschwäbischen Nebel unterwegs ist, vermag man schon noch ein wenig von dem Geist zu verspüren, der diese sagenhaften und unheimlichen Geschichten einstmals hervorbrachte.

Eine gewisse Rolle mag auch spielen, dass der Rennweg juristisch als sogenannte „Freiung“ galt. Das bedeutete, dass straffällig gewordene Personen nicht festgenommen werden durften, solange sie sich auf dem Weg befanden. Es handelte sich hier quasi um „Niemandsland“.

Die Landesgrenze war lange auch eine kulturelle Grenze

Wenn allerdings das Gesindel überhandnahm, so steht zu lesen, wurden im Grenzgebiet südlich von Amerdingen schon einmal mehrere Hundert Mann aufgeboten, um diese unliebsamen Gestalten aus der Region zu vertreiben. Interessant ist auch, dass der Rennweg über viele Generationen hinweg nicht nur eine Landesgrenze, sondern auch eine sprachliche Grenze und eine Volkstumsgrenze bildete, die erst im ausgehenden 20. Jahrhundert ein Stück weit verwischt wurde. War bis ins obere Kesseltal in kultureller Hinsicht der Einfluss des nahen Rieses sehr deutlich, waren die Dörfer südlich des Rennweges unverkennbar von den Donaustädten herauf geprägt.

Dies galt beispielsweise für die Kleidung und die Trachten, ebenso aber für die Sprache. Während in Warnhofen im Kesseltal der „Näbel“ wabert, heißt er drei Kilometer weiter in Unterliezheim bei den Einheimischen „Neabl“. Und während die alten Warnhofener oder Diemantsteiner Bauersfrauen einst beim Ankleiden sagten: „I ziag mi a“ oder „I dua mi a“, hieß es jenseits der Grenze früher: „I schläf mi ei.“

Wer die Drei Steine sucht, findet sie übrigens am leichtesten, wenn er Amerdingen in Richtung Süden verlässt und an der Straße nach Eglingen unmittelbar am Ortsende an der großen Wandertafel links abbiegt. Wenn man dann in südlicher Richtung dem zunächst geteerten Weg mit der Markierung „Radweg Richtung Finningen“ etwa zwei Kilometer durch die Hügellandschaft folgt, sind es vom Waldrand in Richtung Süden noch knapp 200 Meter bis zu der Wegkreuzung mit den Drei Steinen, einer Infotafel und einem vor einigen Jahren von „Donautal-Aktiv“ aufgestellten „Grenzhäusle“. (HER)

Die GPS-Koordinaten: 48°42'24.15"N und 10°29'1.1"E.

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