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Wertingen

13.05.2019

Die Fair-Trade-Stadt Wertingen gefällt Gerd Müller

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) bekam von den Schülern in Wertingen eine solarbetriebene Schreibtischlampe im Glas geschenkt. Bei seinem kurzen Besuch in der Zusamstadt traf er Schüler aus allen „fairen“ Schulen: Der Mittelschule, der Realschule, des gymnasiums und der Montessori-Schule.
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Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) bekam von den Schülern in Wertingen eine solarbetriebene Schreibtischlampe im Glas geschenkt. Bei seinem kurzen Besuch in der Zusamstadt traf er Schüler aus allen „fairen“ Schulen: Der Mittelschule, der Realschule, des gymnasiums und der Montessori-Schule.
Bild: Benjamin Reif

Der Entwicklungshilfeminister stellt sich im Rathaus den Fragen von Schülern. Dabei spart er nicht mit klaren Worten, was unser Wohlstand die Welt kostet. Was er seinen „Mitstreitern“ im Weltladen mit auf den Weg gibt.

Mitglieder der Bundesregierung sind in Wertingen doch eher selten zu sehen. Um so größer war die Freude bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Wertinger Weltladens, als Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) ihnen am Montag einen Besuch abstattete. Seine Worte waren herzlich – schließlich handle es sich bei den Weltläden um seine „ältesten Mitstreiter“.

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Müller ehrt mit seinem Besuch das Engagement Wertingens als „Faire Stadt“. Denn Müller, der aus Kempten kommt, ist derzeit an vielen Fronten dabei, für eine bessere Welt zu kämpfen. So initiiert er derzeit ein deutschlandweites „Textilbündnis“, dem sich seinen Angaben zufolge rund 50 Prozent der Kleidungs-Einzelhändler angeschlossen haben. Der „Grüne Knopf“ soll ab Sommer Kleidung kennzeichnen, die die Prinzipien des fairen Handelns sowie ökologische Standards berücksichtigen. „Jeder von uns beschäftigt weltweit 60 Lohnsklaven, die für unseren Wohlstand sorgen“, sagt Müller. Gerade in der Kleidung seien ausbeuterische Bedingungen in der Produktion noch weit verbreitet, etwa in Bangladesch.

Gerd Müller erklärt in Wertingen, wie er die Welt besser machen will

Plastiktüten will der Minister verbieten, um den „Wohlstandsmüll“ zu reduzieren, der die Weltmeere belastet. Und schließlich ist sein Ministerium in Gefahr, das Budget von Finanzminister Olaf Scholz gekürzt zu bekommen und damit viele Projekte zu gefährden, die lange Zeit geplant und aufgebaut wurden.

Die Fair-Trade-Stadt Wertingen gefällt Gerd Müller

Zeit hat er bei seinem Kurzbesuch nicht viel, weshalb seine Nachfragen auf den Punkt kommen. Umsatz des Weltladens? Steigt, sagen die Geschäftsführer. Was wird am meisten nachgefragt? Kaffee und Schokolade.

Im Eiltempo geht es nach der Stippvisite im Weltladen noch ins Rathaus, denn Müller will sich dort noch mit Schülern unterhalten. Schließlich sind Wertingens Schulen ebenfalls „fair“ – die Mittelschule, Realschule, das Gymnasium und Montessori haben alle „Fairhandelsgruppen“ gegründet. Dafür dürfen sie nun dem Minister auf den Zahn fühlen.

Die Schüler kennen auch keine Scheu und legen direkt los: Ist er zufrieden mit seiner Arbeit? Ist er, sagt der Minister. Die Besuche in Ländern auf der ganzen Welt sind für ihn jedes Mal aufs Neue spannend und lehrreich, sagt er. Doch manche Anekdote lässt seine jungen Zuhörer betreten dreinschauen. Er erzählt von einem Mädchen im Niger, das er kürzlich getroffen hat. Das war 14 Jahre alt, und war Monate zuvor Mutter geworden. Zum zweiten Mal. Im Niger ist es dann ganz normal, dass die Mädchen aus der Schule genommen werden und weiter Kinder bekommen.

Der Entwicklungshilfeminister stellt sich deutlich hinter "Fridays for future"

Beim Thema Klimaschutz stellt sich der Minister dann mit deutlichen Worten hinter das Engagement der Protestbewegung „Fridays for future“, die auch in Wertingen einigen Zulauf hat und schon mehrere Demonstrationen organisierte. „Es ist gut, wenn sich junge Leute dieser Sache anschließen“, sagte Müller. Der Klimaschutz sei auch ein wichtiger Teil seiner Arbeit. „Das Überleben der Menschheit wird von den Entwicklungsländern abhängen“, sagt Müller. Wenn jeder Inder, jeder Afrikaner einen eigenen Zugang zu Strom haben will, dann ist entscheidend, wie dieser Strom produziert wird. Wenn er aus Kohle gewonnen werde, dann werde es zur Klimakatastrophe kommen. Europa müsse den Schwellenländern mit Technologie beistehen, um dort Kraftwerke für Erneuerbare Energien entstehen zu lassen.

Und schließlich die Frage: Beherzigt der Minister seine eigenen Wünsche an seine Mitbürger? Schließlich fährt und fliegt er ja selbst viel durch die Gegend. Müller entgegnet offen: „Manche Dinge kann man eben nicht ändern, das bringt der Beruf mit sich.“ Doch im Privatleben kauft er bewusst ein und ist Fördermitglied etwa diverser Weltläden. Für den macht er dann noch bei den Schülern Werbung. „Redet doch mal mit euren Eltern darüber, ob sie nicht einmal da einkaufen wollen.“

Lesen Sie den Kommentar des Redakteurs: Gerd Müller in Wertingen: Der Grüne von der CSU

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