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Telefonberatung

22.01.2015

Ein Draht zu den besorgten Eltern

Rund 20 Minuten telefonieren die Berater, oft auch viel länger.
Bild: Sartor

Die Nummer gegen Kummer gibt Ratschläge. Viele Frauen eint ein Problem

Dillingen Nur eine SMS. Das war das einzige Lebenszeichen, das eine Mutter von ihrer 15-jährigen Tochter bekam, die sie seit fünf Tagen nicht mehr gesehen hatte. Sie brauche eine Auszeit, stand in der Kurznachricht. Weil die Mutter nicht mehr weiter wusste, wählte sie die Nummer des Elterntelefons, der sogenannten Nummer gegen Kummer des Kinderschutzbunds. Eine Mitarbeiterin in Dillingen war am anderen Ende der Leitung, versuchte, die Frau zu beruhigen, ihr zuzuhören und sie zu überzeigen, sie solle es noch einmal bei allen Freunden der Tochter versuchen – und dann die Polizei anrufen.

Es sind Fälle wie dieser, um den sich die Mitarbeiter des Elterntelefons in Dillingen kümmern. Die Nummer gegen Kummer ist ein bundesweites, telefonisches Beratungs- und Gesprächsangebot für Eltern. In Bayern gibt es fünf Standorte, einen davon in Dillingen. Wer aus Franken, Schwaben, der Bodenseeregion oder dem Allgäu vom Festnetz aus anruft, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Dillinger Kinderschutzbund. 16 Mitarbeiter arbeiten dort – sie alle wollen und müssen anonym bleiben. „Wir wollen niemanden abschrecken. Und Anonymität ist ein Schutz“, sagt eine Mitarbeiterin. Wenn der Anrufer wüsste, wer der Berater ist, dass er vielleicht sogar aus demselben Ort kommt, könnte er aus Angst, dass seine Stimme erkannt wird, vielleicht nicht anrufen. Alle Berater arbeiten ehrenamtlich beim Elterntelefon. „Man muss gut zuhören können, sollte nicht sofort Ratschläge geben und sollte gerne in die Lebensgeschichten anderer Menschen eintauchen“, sagt die Koordinatorin der Mitarbeiter, die selbst Heilpädagogin ist. „Moralisten, die auf andere runterblicken, können wir nicht gebrauchen“, fügt ein anderer Mitarbeiter hinzu.

Die Lebensgeschichten, in die die Berater am Telefon eintauchen, sind vielfältig: Manchmal geht es darum, dass die Kinder morgens zu sehr trödeln, dass sie ihr Zimmer zu selten aufräumen oder zu oft am Computer sitzen. Aber es gibt auch Anrufe verzweifelter Mütter, die sich dem Stress mit drei Kindern nicht gewachsen fühlen und sich vom Ehemann mehr Unterstützung wünschen. „Es ist immer noch so, dass sich viele Frauen von ihren Männern alleingelassen fühlen. Ich dachte, dass das heutzutage nicht mehr so ist, dass die Väter bei der Erziehung aktiv mitmachen“, sagt ein Berater. „Diesen Frauen sagen wir dann, dass es ganz normal ist, sich mit drei Kindern überfordert zu fühlen und dass es toll ist, was sie alles leisten. Wir geben den Anruferinnen Mitgefühl und Verständnis.“ Obwohl die Mehrheit der Anrufer weiblich ist, gibt es auch immer wieder Männer, die nicht weiter wissen, die klagen, dass sie sich mit den Kindern überlastet fühlen. Erst vor Kurzem rief ein Mann an, der nicht wusste, was er seinem Sohn sagen solle, der noch an den Weihnachtsmann glaubt. Schließlich wolle er sein Kind nicht anlügen. „Es ist toll zu sehen, wie viele Gedanken sich manche Eltern machen“, sagt eine der Beraterinnen.

Im Schnitt dauert ein Telefonat 20 Minuten, manchmal dauern die Gespräche mit verzweifelten Eltern aber auch bis zu eineinhalb Stunden. Und manchmal kommt das Gespräch dann doch nicht zustande. „Es gibt viele, die sich dann doch nicht trauen, und einfach wieder auflegen.“

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