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Dillingen

15.04.2019

Ein christlicher Feuerwehreinsatz in der Studienkirche

Der Bühnenaltar in der Studienkirche ist aufgebaut. Das Foto zeigt die fleißigen Helfer (von links= Mesner Josef Gerstmeier, Karl Wiedemann, Herbert Behringer, Sebastian Rieder, Max Eitler und Hans Miller.
Bild: Manfred Forscht

Plus Helfer der Freiwilligen Feuerwehr haben in der Dillinger Studienkirche den wiederentdeckten Kulissenaltar aufgebaut. Was das Schmuckstück ausmacht.

Jedes Jahr haben einige Mitglieder der Frewilligien Feuerwehr Dillingen einen ungewöhnlichen christlichen Einsatz. Sie bauen in der Jesuitenkirche, auch Studienkirche genannt, den Kulissenaltar auf, der sich hinter dem Bild des Hauptaltars verbirgt. Er wird dem Lauinger Maler Johann Anwander zugeschrieben, der ihn um 1760 geschaffen hat. Der Kulissenaltar ist ein besonderes Schmuckstück mit drei Metern Tiefe und sechs Meter Höhe, ähnliche Bühnenaltäre gibt es im bayerischen Raum nur noch in Dasing und in Landsberg. Von der Vollständigkeit und der künstlerischen Qualität zählt der Dillinger zu den Besten in Süddeutschland.

1750 wurde die Kirche umgestaltet

Die Jesuitenkirche wurde in den Jahren 1610 bis 1617 von Hans Alberthal aus Graubünden erbaut und 1750 nach dem Geschmack des Rokoko umgestaltet. Den Hauptaltar schuf der Augsburger Akademiedirektor Johanns Georg Bergmüller, der auch das große Altarbild malte. Die Plastiken, sowie die herrliche Kanzel fertigte Johann Michael Fischer. Dieser stammte aus Veitshöchheim, in Dillingen wollte er sein Können in der Bildhauerwerkstatt Stefan Luidl vervollständigen um später in Rom zu wirken. Der Liebe wegen blieb er in Dillingen, heiratete die Tochter von Luidl und übernahm später dessen Werkstatt. Die Schreinerarbeiten des Hauptaltars fertigte Joseph Hartmuth, dessen Firma heute noch in Dillingen von seinem Nachkommen weitergeführt wird.

Das Altarbild der Studienkirche wird heruntergelassen.
Bild: Manfred Forscht

Kostbarkeit aus der Barock-Zeit

Das „theatrum sacrum“ beziehungsweise die Wandelbühne ist eine Kostbarkeit aus der Barockzeit und sollte den Gläubigen den Leidensweg Christi vermitteln. Dieses Schmuckstück war in Vergessenheit geraten, ehe es von österreichischen Kirchenmalern bei der Restaurierung in den Jahren 1991 bis 1993 wiederentdeckt wurde. Die Initiative für die Wiederherstellung ging vom damaligen Stadtpfarrer Monsignore Gottfried Fellner aus, finanziert wurde diese Arbeit vom bayerischen Staat. Er stellte die Bedingung, dass dieses Juwel jedes Jahr der Bevölkerung präsentiert werden muss. Seit 1993 wird nun zu Beginn der Fastenzeit das Altarbild verhüllt, kurz vor Palmsonntag wird es entfernt und mittels einer Seilwinde in den Schacht hinter dem Altar herabgelassen. Zwischen den Kulissen werden Brettfiguren aufgestellt, die noch vollständig vorhanden waren, als sie gefunden wurden. Zuerst werden die Geißelung und Dornenkrönung Christi dargestellt, dann die Kreuzigung und am Karsamstag wird statt dem Allerheiligsten der Auferstehungs-Christus aufgebaut, der einen Monat stehen bleibt.

Im Nebenraum der Studienkirche schlummern die Kulissen.
Bild: Manfred

Die Kirchenglocken läuten die Brotzeit ein

Wenn abends die Sonne in das Kircheninnere scheint, kommt der Bühnenaltar besonders zur Geltung. Den jährlichen Aufbau bewerkstelligen Mesner Josef Gerstmeier, Schlossermeister Hans Miller und Karl Wiedemann sowie Herbert Behringer, der die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr als Dekorateure dirigiert. Nach dem Aufbau und nach dem Abbau setzt Hans Miller traditionelle die Kirchenglocken in Gang. Dies hat keinen liturgischen Hintergrund, sondern einen sehr weltlichen: Er deutet damit an, dass jetzt die verdiente Brotzeit für die fleißigen Helfer angerichtet werden kann.

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