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Kreis Dillingen

16.01.2021

FFP2-Maskenpflicht in Zug und Bus - welche Folgen hat das im Kreis Dillingen?

Eine Frau steht mit FFP2-Maske am Bahnhof in Dillingen. Ab Montag müssen Menschen, die zum Einkaufen gehen oder Zug, Bus oder Straßenbahn nutzen, eine FFP2-Maske tragen. Der Bedarf an diesen Masken ist auch im Landkreis Dillingen groß.
Foto: Homann

Plus Ab Montag reicht kein Schal mehr, wenn man zum Einkaufen geht oder in den Zug steigt. Die Nachfrage nach FFP-2-Masken zum Schutz vor dem Coronavirus ist riesig, auch im Landkreis Dillingen. Ein Aislinger hat eine besondere Aktion gestartet.

Bei Geschäften stehen die Telefone nicht mehr, still, in den Apotheken im Landkreis geht es rund. Wieder mal geht es um FFP2-Masken.

Vor zehn Monaten noch war es egal, womit man sich und andere vor dem Coronavirus im Gesicht schützte; ob mit Schal, Tuch, Einweg-Mund-Nase-Schutz oder Selbstgenähtem. Schon damals spürten Händler und Apotheken eine große Nachfrage nach Masken. Drei Wochen ist es nun her, da übertraf die Nachfrage plötzlich alle Erwartungen: Die Bundesregierung beschloss, dass Senioren über 60 Jahre und Hochrisikopatienten FFP2-Masken umsonst bekommen. Daraufhin bildeten sich vor Apotheken im Landkreis lange Schlangen (FFP2-Masken umsonst: Ansturm auf die Apotheken im Kreis Dillingen). Seit dieser Woche ist die Nachfrage nach den Masken noch größer – denn nach einem Beschluss des Freistaats müssen jetzt alle genau diese Masken zum Einkaufen, in Bus und Zug tragen. Nur Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre sind von dieser Regel ausgenommen.

Bei Geschäften, die FFP2-Masken anbieten, gibt es seitdem einen regelrechten Ansturm. „Ob Unternehmen oder Privatkunden, die Nachfrage geht querdurch“, sagt Sandra Mücke. Sie leitet bei der Firma Duo Warenvertrieb in Höchstädt, die zum Unternehmen Hermann Schuh Mode gehört, das Marketing. Man lege sehr viel Wert auf die Qualität der Masken, die Einhaltung der Norm, die richtige Zertifizierung und den Tragekomfort. Am Donnerstag begann dort der Verkauf. Die bestellten Masken holten die Kunden am Freitag ab – im Fünf-Minuten-Takt.

Die Kunden fragen in einer Dillinger Apotheke nicht nur nach FFP2-Masken

Neben vielen Firmen gibt es die Masken auch weiterhin in den Apotheken. Dr. Matthias Schneider erzählt: „Sieben von zehn Kunden, die anrufen, wollen wissen, ob wir noch Masken haben, andere fragen nach ihren Bezugscheinen.“ Letztere bekommen Menschen über 60 und Hochrisikopatienten von ihren Krankenkassen zugeschickt. Es sind zwei Coupons für jeweils sechs Masken. Diese können sie in der Apotheke einlösen, wobei pro eingelöstem Coupon noch ein Eigenanteil von zwei Euro fällig wird. „Wir haben sehr viele Nachfragen nach den FFP2-Masken, weil jetzt praktisch jeder eine braucht“, sagt der Dillinger Apothekensprecher. Er ergänzt, dass alle seine Kollegen im Landkreis ausreichende Vorräte haben, um auch diesen Ansturm zu verkraften und die Kunden zu versorgen (Wichtiges rund um FFP2-Masken: Wo gilt die neue Maskenpflicht?)

Wie lange darf man FFP2-Masken tragen? Der Dillinger Apothekensprecher gibt die Antwort

Schneider betont, dass auch FFP2-Masken Einwegmasken sind. Wer damit kurz zum Einkaufen geht, könne sie durchaus noch mal tragen. Doch wenn sie feucht wird, spätestens nach acht Stunden im Dauereinsatz, muss sie entsorgt werden. Manche Kunden seien irritiert, wenn „non-medical use“ auf der Verpackung steht. „Masken für den medizinischen Bereich sind außen zusätzlich beschichtet, um das Eindringen von Blut, Urin oder anderen Flüssigkeiten zu verhindern. Das braucht der Normalbürger nicht.“

Auch im Kreis Dillingen leben Menschen, für die die Masken zu teuer sind

Eine Preisbindung für FFP2-Masken gibt es übrigens nicht, das regele der Markt. Umso mehr hofft Schneider, dass auch für einkommensschwache Menschen eine Lösung gefunden wird, damit sie an die Masken kommen.

Denn auch Bedürftige leben im Landkreis, betont Edeltraud Dallmaier. Die Sozialrechtsberaterin arbeitet in der Kreisgeschäftsstelle des Sozialverbands VdK Dillingen-Wertingen in Lauingen. „Wegen Masken ruft uns bislang niemand an. Doch die Corona-Pandemie hat die Probleme von Geringverdienern verschärft.“

So habe sich die Verfahrensdauer insbesondere für Erwerbsminderungsrenten, Altersrenten oder Leistungen zu medizinischen Rehabilitationen bei der Deutschen Rentenversicherung verlängert. Verfahren für Schwerbehinderte, insbesondere Anträge, dauern deutlich länger, da entweder mehr Personal fehlt oder viele Mitarbeiter ins Gesundsamt zur Unterstützung abgerufen werden. Begutachtungen von Pflegebedürftigen verschieben sich, weil wegen Covid-19 Besuche ausfallen. Beratungen finden vorrangig telefonisch statt. Das wiederum führe oft zu Missverständnissen, weil manche Ältere oder Kranke damit überfordert sind oder etwas Wichtiges vergessen. Deswegen schlagen beim VdK wiederum mehr Widersprüche auf.

Eine Masken-Hilfe für Geringverdienende gibt es bereits: Der Aislinger Unternehmer Manuel Schuster hat nun neben seiner Werbeagentur noch einen Maskenhandel laufen – aber einen besonderen: „Ich verkaufe die 20 FFP2-Masken zum Selbstkostenpreis für 20 Euro.“ Fünf Euro davon gehen an die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung. Schuster hatte nach dem Beschluss von Ministerpräsident Markus Söder die Idee, sozial schwache Menschen zu unterstützen. 1000 FFP-Masken hatte er zu diesem Zweck bei einem Augsburger Großhändler abgeholt und seine Idee in den sozialen Netzwerken geteilt.

Manuel Schuster in Aislingen verkauft FFP2-Masken zum Selbstkostenpreis. Damit unterstützt er Geringverdiener direkt. Und auch die Kartei der Not gewinnt bei der Aktion.
Foto: Schuster

„Mein Telefon stand ab da nicht mehr still. Plötzlich hatten wir den Bedarf von 1800 Masken auf der Warteliste“, schildert der Aislinger. Weil seine Familie mit anpackt, hat er seinen Bestand auf 4000 Masken erhöht. Nicht nur die Agentur muss weiterlaufen – Schusters haben erst kürzlich Nachwuchs bekommen, um den sich die Familie ebenfalls kümmert. Mit dem Maskenlager kann der Unternehmer nun auch größere Nachfragen erledigen.

Manche Anrufe bescheren dem Aislinger eine Gänsehaut

Bei manchen Telefonaten habe er Gänsehaut. „Eine Frau hat bei uns 100 Masken bestellt und sich dauernd entschuldigt. Zu ihrer Großfamilie gehören Ältere, Eltern und Schwiegereltern, sagte sie mit zittriger Stimme. Drei oder vier Euro pro Maske bei der Menge seien viel Geld“, berichtet Schuster von dem Telefonat. Er will nicht nur Menschen mit kleinem Einkommen helfen, sondern auch den Einzelhändlern vor Ort. Schuster erklärt sich bereit, den Kontakt zu seinem Großhändler herzustellen. Hauptsache, es werde kein Internetriese unterstützt. Die Übergabe in Aislingen erfolge coronakonform, also kontaktlos.

Was Geringverdiener jetzt wissen sollten - Antworten vom VdK im Kreis Dillingen

Edeltraud Dallmaier vom VdK weist im Übrigen daraufhin, dass es für Geringverdiener wegen Corona nun auch Erleichterungen gibt – von denen aber zu wenige Menschen wüssten: Die Bundesregierung hat den erleichterten Zugang zu Grundsicherung und Sozialhilfe bis 31. März 2021 verlängert. Das bedeutet: Vermögensprüfungen werden nur eingeschränkt durchgeführt, die tatsächlichen Aufwendungen für Unterkunft und Heizung werden übernommen. Vorläufige Leistungen werden vereinfacht bewilligt.

Tipps für Frührenter vom VDK-Kreisverband Dillingen

Und Rentner könnte interessieren: Durch das „Sozialschutzpaket“, mit dem die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus gemindert werden sollen, können Frührentner deutlich mehr hinzuverdienen, bevor ihnen die Rente gekürzt wird. Das erleichtert den Wiedereinstieg für Menschen in Bereichen, die dringend Personal suchen, etwa im Gesundheits- und Pflegebereich. Die Regelung ist jedoch nicht an Berufsfelder geknüpft und kann von allen Frührentnern genutzt werden. Sie gilt auch 2021. Es bleiben 46060 Euro anrechnungsfrei.

Der VdK Bayern erinnert an Corona-Probleme, die längst behoben sein sollten

Der VdK Bayern fordert weiterhin eine schnelle und unbürokratische Lösung für die Beschaffung solcher Masken für Menschen mit geringem Einkommen. Wer die Grundsicherung im Alter oder Hartz IV bezieht, bei dem sind monatlich 17,02 Euro für Gesundheitskosten vorgesehen.

Die VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher weist auch darauf hin, dass bezüglich der FFP2-Masken einige Baustellen aus dem vergangenen Jahr noch offen sind: „Die Gutscheine der Krankenkassen für den Bezug verbilligter FFP2-Masken für Ältere und Risikopatienten sind bei den Betroffenen noch nicht eingetroffen. Und pflegende Angehörige warten bis heute vergeblich auf die ebenfalls für Anfang Januar angekündigte Verteilung von einer Million kostenlosen FFP2-Masken für ihre tägliche Arbeit. Diese Lücken hätten erst geschlossen werden müssen, bevor die Ressourcen wegen einer bayernweiten Maskenpflicht wieder knapp werden und die Preise in die Höhe schießen.“ (mit pm)

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