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Landkreis Dillingen

10.09.2020

Fasching abgesagt: Das sagen die Vereine im Landkreis Dillingen

Gruselige Masken beim Dillinger Nachtumzug wie hier 2019 wird es in der kommenden Faschingssaison nicht zu sehen geben. Denn die zehn Faschingsgesellschaften im Landkreis Dillingen haben alle Veranstaltungen abgesagt.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Plus Die Narren im Landkreis Dillingen müssen auf die fünfte Jahreszeit verzichten. Für die Vereine bedeutet das große Einschnitte. Nur für eine Veranstaltung in Wertingen gibt es noch Hoffnung.

Eine Katastrophe sei das. „Ich bin, seit ich denken kann, bei der Laudonia und war jedes Jahr dabei“, sagt Manfred Joekel. Nur ein Mal in seinen mehr als 30 Jahren aktiver Mitgliedschaft habe der Fasching nicht stattfinden können, wegen des Golfkriegs 1990/91. Heuer wiederholt sich das. Wegen der Corona-Pandemie fällt der Fasching im Landkreis Dillingen kommende Saison flach. Hofbälle, Umzüge, Faschingspartys. Das alles wird es nicht geben. Das haben die zehn Faschingsgesellschaften im Landkreis beschlossen und am Donnerstag in einer gemeinsamen Pressemitteilung verkündet.

Alle Bälle, Sitzungen, Narrensprünge und Umzüge in der Saison 2020/2021 werden demnach abgesagt. Nach einer Absprache Anfang September haben sich sämtliche Vorstände in den vergangenen Wochen zu diesem Schritt entschlossen.

Die Absage des Faschings im Landkreis Dillingen trifft die Vereine sehr

Die Entwicklungen des vergangenen halben Jahres hätten gezeigt, dass ein freudiger und ausgelassener Fasching aller Voraussicht nach nicht möglich sein wird, heißt es in der Pressemitteilung. Selbst bei Beibehaltung oder moderaten Lockerungen der Hygieneregeln sei ein buntes Faschingstreiben mit Abstandsregelungen, Maskenpflicht und nur sehr begrenzten Zuschauerzahlen für die Gesellschaften nicht denkbar.

Die Gesundheit der Gäste, Mitglieder und der aktiven Mannschaften waren der Anlass zu dieser sehr weitreichenden Entscheidung. Auch wirtschaftliche Erwägungen waren für die Vereine wichtig, da spätestens Ende September Ausgaben zur Durchführung der Saison angefallen wären. Die Faschingsgesellschaften des Landkreises Dillingen wollen die lange Zeit nun aber nutzen, um in der Saison 2021/2022 wieder voll durchstarten zu können.

Für Joekel, Vorstand des Organisationsteams der Laudonia, war der endgültige Entschluss, den Fasching abzusagen, ein einschneidendes Erlebnis. Bis vor zwei Wochen sei er selbst noch der Überzeugung gewesen: „Wir schaffen das.“ Doch die Aussichten sind schlecht. Corona macht den Vereinen einen Strich durch die Rechnung. Für die Laudonia ist das besonders hart. Mehr Partys, Bälle und andere Veranstaltungen bietet sonst niemand im Landkreis. Zwölf hätten es kommende Saison sein sollen. „Wir sind alle sehr traurig deswegen.“ Aber auch aus wirtschaftlicher Sicht sei die Entscheidung richtig gewesen. „Wenn man bedenkt, was allein die Kostüme des Prinzenpaars kosten. Wenn das dann nur zwei Mal auftreten kann, lohnt sich das nicht“, sagt Joekel. Weitertrainiert wird aber trotzdem, allein schon wegen der sozialen Kontakte. Und über Alternativveranstaltungen denke man ebenfalls noch nach. „Dann aber nur Partys, keine Bälle. Und auch nur, wenn es die Corona-Situation zulässt.“

Faschingsabsage im Landkreis Dillingen: Gibt es Alternativveranstaltungen?

„Es geht leider nicht anders“, sagt Gerhard Kleiber, Vorsitzender der Glinken in Gundelfingen, zur Absage. Einen Faschingsumzug oder einen Hofball mit 1,5 Metern Sicherheitsabstand auszurichten, sei nicht vorstellbar. Da geht es zum einen um die Stimmung, so Kleiber, aber auch um Wirtschaftliches. Dürften nur noch 200 Menschen in eine Halle, könne man die Kosten für Hallenmiete, Band und Gema nicht mehr schultern. „Das wäre nicht machbar.“ Trotz der Absage werden der Trainingsbetrieb und das Vereinsleben weiterlaufen. „Etwas anderes kann man den Aktiven nicht zumuten.“ Und so ganz ohne Fasching will man dann doch nicht auskommen. Es gehe nun darum, Ideen für kleine, kreative Aktionen im Freien zu sammeln – auch wenn dies angesichts der wohl niedrigen Außentemperaturen in der Faschingszeit nicht so einfach sei. „Wir müssen uns Gedanken machen“, so Kleiber.

Auch bei den Faschingsfreunden Steinheim bedauert man die Entscheidung. „Es ist klar, dass uns das sehr, sehr trifft. Aber unter den Umständen können wir das nicht machen“, sagt Aktiven-Vorstand Anton Stadtrecher. Für die rund 120 Aktiven sei es eine traurige Nachricht gewesen. „Es freuen sich natürlich immer alle auf die Saison. Da blutet einem schon das Herz. Aber wenn wir jetzt nicht absagen, bleiben wir am Ende auf den Kosten sitzen.“ Trotzdem gilt auch in Steinheim: Es wird weitertrainiert. „Wir müssen schauen, dass wir unsere Mitglieder bei Laune halten.“ Das Training sei für die Kameradschaft und das soziale Miteinander von großer Bedeutung. Auch die Steinheimer überlegen, ob und wie kleinere Alternativveranstaltungen möglich sein werden. „Das wird sich Ende des Jahres zeigen, dann wissen wir mehr.“

Ausgelassen gefeiert wurde am Freitagabend beim Nachtumzug in Dillingen.
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Tausende feiern beim Dillinger Nachtumzug
Bild: Marcus Merk

Bei der Bachtalia sieht man die Lage ähnlich. Man stehe voll und ganz hinter der Entscheidung, sagt Michaela Kinzler, Medien-Vorsitzende beim Faschingsverein. Natürlich sorge die Absage für große Enttäuschung bei den Mitgliedern, doch sie hätten alle eingesehen, dass unter diesen Bedingungen der Fasching einfach nicht gefeiert werden kann. „Wir, die Bachtalia, haben zwar im Vorfeld bereits ein Hygienekonzept erstellt, doch auch damit wäre eine komplette Faschingssaison mit Bällen und Umzügen einfach nicht faschingsgerecht möglich gewesen“, sagt sie. Dennoch, die Aktiven werden jetzt erst recht an ihrem Programm weiterarbeiten, um dann mit großem Schwung in die Saison 2021/22 zu starten.

Hoffnung für "Under oiner Kapp" in Wertingen?

Neben der Gesundheit von Gästen und Aktiven trieb die Vereine auch die Planungsunsicherheit um – und somit auch große finanzielle Risiken. Das sagt Rainer Egger, Präsident der Epponia. Die Mitglieder des Vereins wurden alle im Vorfeld der Entscheidung kontaktiert und ihre Meinung eingeholt. Alle waren der Meinung, dass Fasching eine Zeit des engen Kontaktes unter den Menschen darstelle, weshalb die zehn Gesellschaften mit der Absage auch einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten wollen.

In Wertingen schließlich will man die Hoffnung auf einen fröhlichen Fasching noch nicht ganz begraben. Das Faschingstreiben der Zusamstadt besteht normalerweise aus dem Ball „Under oiner Kapp“, bei dem fünf Faschingsgarden aus Augsburg in der Wertinger Stadthalle auftreten. Das geht in dieser Form wahrscheinlich nicht, sagt UoK-Vorsitzender Holger Franz, doch außer der „Narrneusia“ wollten die beteiligten Vereine weiterhin den Fasching feiern. „Wir müssen wohl neue Wege gehen und kreativ werden“, sagt Franz. Er sieht eine Faschingsfeier eher auf einem öffentlichen Platz im Freien in Wertingen möglich, um den dann geltenden Schutzstandards gerecht zu werden. Denn auch Franz betont: „Das Wichtigste ist, dass kein Faschingsgast Angst haben muss, krank zu werden. Sondern unbeschwert feiern kann.“ Dafür würden er und seine Kollegen alles ihnen Mögliche tun. (mit pm)

Lesen Sie dazu den Kommentar: Fasching im Landkreis Dillingen: Diese Absage sollte uns wachrütteln

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