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Bissingen

30.07.2019

Neuwahlen: Wer will ins Bissinger Rathaus einziehen?

Am 13. Oktober sind in Bissingen Neuwahlen. Am Abend dieses Sonntages steht dann fest, wer der neue Bürgermeister der Marktgemeinde ist und künftig die Geschicke im Rathaus leiten wird. Ab jetzt können Wahlvorschläge bei der Verwaltung eingereicht werden.
Bild: Brigitta Ernst

Am 13. Oktober sind Neuwahlen im Kesseltal. Noch ist Michael Holzinger amtierender Bürgermeister der Marktgemeinde. Wie es ihm gesundheitlich geht und ob es schon Bewerber für sein Amt gibt.

Es ist jetzt gut ein Jahr her. Langsam geht es aufwärts. Der Gesundheitszustand von Michael Holzinger hat sich stabilisiert. Im September steht die nächste wichtige Untersuchung an. „Aber momentan bin ich zufrieden“, sagt Bissingens Bürgermeister. Trotzdem: Sein Amt kann er nicht mehr ausüben. Seit rund einer Woche ist dies nun auch ganz offiziell bestätigt. Sein Gemeinderat hat wie berichtet in einer nicht öffentlichen Sitzung die Dienstunfähigkeit einstimmig festgestellt. Den entsprechenden Antrag inklusive amtsärztlichem Gutachten hat Bürgermeister Holzinger selbst vor einigen Wochen eingereicht. „Es ist jetzt schon einige Zeit seit meiner Entscheidung vergangen. Aber dieser offizielle Termin ist nun doch nochmal was anderes. Das arbeitet“, sagt Holzinger. Denn mit dem Beschluss seines Gremiums steht auch fest, dass der Rathauschef am 31. Oktober dieses Jahres aus seinem Amt ausscheidet.

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Holzinger ist schwer am Herzen erkrankt

Zu diesem Zeitpunkt wird bereits sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin feststehen. Das Landratsamt Dillingen hat den Sonntag, 13. Oktober, als Wahltag für den neuen Bürgermeister in Bissingen bestätigt. „Jetzt ist es endgültig. Meine lange Amtszeit ist damit beendet“, sagt Michael Holzinger. 29 Jahre hat er die Geschicke der Marktgemeinde Bissingen geleitet, das Rathaus ist eine zweite Heimat. Vor einem Jahr war dann von einem auf den anderen Tag alles anders. Michael Holzinger ist schwer am Herzen erkrankt. Trotz Reha-Aufenthalt, Therapien, Arztbesuchen und einer Wiedereingliederungsphase musste der 62-Jährige im März die schwere Entscheidung treffen, dass er die Aufgaben als Bürgermeisters nicht mehr hundertprozentig erfüllen kann – auch nicht bis zur Kommunalwahl im März 2020. Dann hätte Holzinger die drei Jahrzehnte vollgemacht. Aber die Kraft fehlt. „Ich bin momentan stabil, aber es reicht nicht aus“, sagt er. Gerade die hohen Temperaturen würden ihm sehr zu schaffen machen. (Lesen Sie auch: Bissinger Gemeinderat macht Weg für Neuwahlen frei )

Trotzdem ist Holzinger so aktiv, wie es eben geht. Er ist in ständigem Kontakt mit seinen Stellvertretern, bei wichtigen Terminen und Besprechungen ist er im Rathaus und eine Kreistagssitzung ist auch schon wieder möglich. „Aber wenn ich dann nach Hause komme, bin ich geschafft. Ich bin nicht mehr so belastbar. Es geht recht schnell, auf einen Schlag bin ich kaputt“, erläutert Holzinger. Zwar sei er offiziell krank geschrieben, aber natürlich wolle und könne er die Gemeinde und ihre Anliegen nicht hängen lassen. Er sei seinen Vertretern sehr dankbar und zollt ihnen hohen Respekt, was sie in den vergangenen Monaten geleistet haben. „Aber es ist wichtig, dass jetzt ein neuer Bürgermeister gewählt wird. Auf Dauer ist das Amt nicht mit Vertretungen zu leisten. Das war auch mein Bestreben, dass das so schnell wie möglich alles geregelt wird.“

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Bis zum 22. August kann man sich bewerben

Daran arbeiten auch Bissingens Geschäftsstellenleiter Arne Spahr und die Mitarbeiter in der Verwaltung. Jetzt, mit Feststehen des Wahltermins, müssen Fristen und Vorgaben eingehalten und alles rund um die Wahl organisiert werden. Spahr: „Wir brauchen jede Manpower, das stimmt.“ Es braucht aber auch Bewerber um das Amt des Ersten Bürgermeisters in der Marktgemeinde. Stand Dienstag gibt es noch keine offizielle Bewerbung, die im Rathaus eingegangen ist, wie Spahr bestätigt. Die entsprechenden Wahlvorschläge können ab sofort bis inklusive 22. August, 18 Uhr, eingereicht werden – exakt 52 Tage vor der Wahl.

Wenn alle Vorschläge eingegangen sind, müssen diese vom Wahlausschuss geprüft werden. Der Ausschuss, der noch gebildet werden muss, setzt sich unter anderem aus Mitgliedern der stärksten Parteien im Gemeinderat zusammen. „Die Prüfung erfolgt zügig, wir müssen schnell entscheiden, wer zur Wahl zugelassen wird. Da wird nichts liegen gelassen“, erklärt Spahr. Große Unterstützung bekomme die Verwaltung dabei vom Landratsamt, man werde nicht alleine gelassen.

Dieses Bild hat Michael Holzinger von seinen Mitarbeitern zum 60. Geburtstag vor zwei Jahren bekommen. Es zeigt eine Collage mit dem Titel „Das Leben des Michael Holzinger“. Seit 29 Jahren ist er Bürgermeister der Gemeinde. Nun will er sein Amt aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig niederlegen.
Bild: Bronnhuber

Nicht gewählt werden darf übrigens ein Kandidat, der am Tag des Beginns der Amtszeit das 65. Lebensjahr vollendet hat. Bei den regulären Kommunalwahlen im März 2020 schaut es dagegen anders aus: Dann dürfen die Bewerber bis 67 Jahre antreten. Das ist eine neue Gesetzesregelung, die für die Bürgermeisterwahl im Oktober dieses Jahres noch nicht zutrifft. Aber: „Unser neuer Bürgermeister wird für sechseinhalb Jahre gewählt, sodass wir 2026 wieder im normalen Wahlturnus sind“, sagt Arne Spahr. Wer das ist, das wissen die Kesseltaler am Abend des 13. Oktobers. Die Verwaltung will im Sitzungssaal eine Präsentation laufen lassen und so die Ergebnisse den interessierten Bürgern live mitteilen.

Wie der Bürgermeister mit der Situation umgeht

Michael Holzinger wird die Wahl ebenfalls verfolgen. „Aber ich halte mich aus dem Wahlkampf komplett raus“, betont er. Auch, weil er offiziell noch der Erste Bürgermeister ist. „Die Umstellung ist nicht so einfach. Meine Arbeit fehlt mir. Aber der Prozess, dass man sich ohne daran gewöhnt, wächst“, schildert Holzinger.

Trotzdem gebe es noch genügend Tage, an denen er morgens aufstehe und eigentlich routinemäßig ins Rathaus fahren wolle. „Der Punkt kommt immer wieder.“ Er habe nun einen ganz anderen Alltag, daran müsse er sich noch gewöhnen. Zwar wäre diese Umstellung spätestens im nächsten Jahr so weit gewesen – Holzinger wollte nicht mehr antreten –, aber dann wäre es freiwillig gewesen. „Was mir guttut, ist der Abstand zum Stimmungs- und Stressumfeld. Die psychischen Belastungen sind in den Hintergrund getreten“, so Holzinger.

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