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Höchstädt

18.09.2019

Wie lange muss ein Rathaus geöffnet sein?

Braucht das Höchstädter Rathaus längere Öffnungszeiten? Und macht eine zentrale Behördennummer für die Donaustadt Sinn? Das entscheidet nun die Verwaltungsgemeinschaft.
Bild: Simone Bronnhuber

Die Höchstädter CSU hat Vorschläge für mehr Bürgerfreundlichkeit. Auch eine zentrale Behördennummer wird diskutiert. Was Mitarbeiter und Stadträte dazu sagen.

Von Montag bis Freitag ist das Höchstädter Rathaus jeweils von 8.15 bis 12 Uhr geöffnet. Montag und Dienstag ist die Behörde nachmittags zusätzlich von 14 bis 16 Uhr für die Bürger auf, am Donnerstag sogar bis 18 Uhr. Mittwoch und Freitag ist mittags Schluss. Reichen diese Öffnungszeiten aus? Genau diese Frage diskutiert der Stadtrat bei seiner Sitzung am Montag. Vorausgegangen war ein Antrag der CSU mit dem Wunsch auf flexiblere Zeiten. Aus einem bestimmten Grund, wie Fraktionssprecher Ludwig Kraus mehrfach betont: „Wir wollen damit keinesfalls die Mitarbeiter ärgern. Ganz im Gegenteil. Uns geht es ausschließlich um mehr Bürgerfreundlichkeit.“ Deshalb habe seine Partei überlegt, im ersten Schritt das Rathaus „wenigstens einmal die Woche über die Mittagszeit und einmal im Monat bis 20 Uhr“ zu öffnen, wie es im offiziellen Antrag heißt.

Was, wenn der zuständige Mitarbeiter trotzdem nicht da ist

Achim Oelkuch, Geschäftsstellenleiter in Höchstädt, sagt, dass dieser Vorschlag bei den Mitarbeitern „natürlich nicht so gut ankam“. Er sehe zudem Probleme bei der Abwicklung. „Wir sind ein großes Team mit Spezialisten. Nicht jeder, kann jedes Thema abdecken. Wir können also nicht durchgehend immer den richtigen Ansprechpartner da haben.“ Das erfordere mehr Einarbeitung der Mitarbeiter in andere Themen, auch über Schichtzeiten habe man deshalb diskutiert. Bürgermeister Gerrit Maneth steht den veränderten Öffnungszeiten ebenfalls skeptisch gegenüber. Er sagt: „Ich sehe einfach die Gefahr, dass ein Bürger mit seinem Anliegen kommt und dann ausgerechnet der zuständige Mitarbeiter nicht da ist.“ Zudem müsse er auf die Arbeitszeiten seiner Angestellten achten. Wer mittags durcharbeite, der fange entweder später an oder höre früher auf. „Damit verlagern wird das Problem nur auf eine andere Uhrzeit.“

Wer in Augsburg arbeitet, schafft es nicht rechtzeitig ins Rathaus

Trotz seiner Bedenken ist sich das Gremium einig, dass man eine Änderung der Öffnungszeiten zumindest versuchen könnte. Ludwig Kraus argumentiert weiter: „Wer in Augsburg arbeitet, der schafft es nicht rechtzeitig nach Feierabend im Rathaus noch Dinge zu erledigen. Wir sollten bürgerfreundlicher sein und auch an junge Familien denken. Und nicht jeder hat die Möglichkeit, eine Vollmacht an Vater oder Mutter zu übergeben.“ Auch Wolfgang Konle findet den CSU-Antrag gut, wie er sagt. Aus seinem privaten Umfeld wisse er, dass vor allem in der Mittagszeit das Hauptgeschäft gemacht werde. „Ich finde, wenn die Mitarbeiter versetzt Mittag machen würden, dann wäre das sehr bürgerfreundlich“, so Konle. Eva Graf-Friedel (FW) ergänzt, dass es bei ihr in der Kanzlei längst die Regel sei, dass ihre Mitarbeiter sich mit der Mittagspause abwechseln. „So ist immer ein Ansprechpartner da. Ich finde auch, wir könnten einen Versuch starten“, sagt sie. Parteikollege Hans Mesch hat den passenden Vorschlag: Jeden ersten Donnerstag im Monat soll das Rathaus über Mittag geöffnet sein und zusätzlich am Abend bis 19 Uhr. Wenn der Donnerstag auf einen Feiertag fällt, gilt die Regelung nicht mehr. Zudem, so ergänzt es Ludwig Kraus, soll den Bürgern kommuniziert werden, dass es an diesen Tagen ein ganz spezielles, reduziertes Service-Angebot gebe. Kraus: „Die Standardsachen, die man vor Ort machen will, sollten möglich sein. Zum Beispiel einen Personalausweis beantragen.“ Nach einer Testphase von sechs Monaten solle das neue Konzept auf den Prüfstand kommen. „Und wenn rauskommt, dass es nicht angenommen wird, dann ist es auch in Ordnung“, so Kraus.

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Höchstädts Bürgermeister Gerrit Maneth stimmt gegen die Empfehlung

Genau so entscheidet sich der Stadtrat mehrheitlich – zumindest gibt das Höchstädter Gremium diese Empfehlung ab. Denn eine endgültige Entscheidung kann nur die Verwaltungsgemeinschaft fällen. Bürgermeister Maneth und Stadtrat Günter Ballis (FDP) sind die einzigen am Montag, die gegen diese Empfehlung stimmen. Maneth begründet: „Ich sehe die Gefahr von enttäuschten Bürgern. Außerdem haben wir im Rathaus bisher immer alle Anliegen gelöst – auch außerhalb der Öffnungszeiten.“

Einig ist sich das Höchstädter Gremium dafür bei einem weiteren CSU-Antrag. Dieser lautet: Anschluss an die Behördennummer 115 – eine erste Anlaufstelle für Verwaltungsfragen aller Art. Damit, so die CSU-Fraktion, würde ein direkter Draht für die Bürger ins Rathaus entstehen, der Kundenservice könne auf eine ganz neue Ebene gestellt werden. Diese Nummer, so erläutert es Achim Oelkuch, nutzen bislang die Stadt München und die Stadt Kempten. Unter Umständen, so erklärt er der Geschäftsstellenleiter, könne München die komplette Höchstädter Verwaltungsgemeinschaft aufnehmen. „So etwas gab es noch nie, deshalb kann man auch nichts zu Kosten sagen“, so Oelkuch. Heißt: Alle Ortschaften mit der Vorwahl 09074 könnten über die Nummer 115 ihre Anliegen anbringen – was bedeute, dass möglicherweise auch Steinheimer, Kicklinger oder Fristinger in der zentralen Servicenummer rauskommen. Johannes Gorhau (CSU) glaubt, dass Höchstädt mit dem Anschluss an die Behördennummer eine Vorreiterrolle übernehmen könne. Auch die Mitarbeiter in der Verwaltung hätten dadurch eine Entlastung. Günter Ballis (FDP) findet dagegen, dass sich die Stadt „solche Extra-Tänzchen nicht leisten kann“.

Eine Nummer soll umgeleitet werden

Es wird eine Weile diskutiert, bis Bürgermeister Maneth zusammenfasst: „Ich höre raus, dass die Zeit für uns noch nicht reif ist. Aber wie wäre es, wenn wir prüfen, ob man die 115 auf unsere zentrale Nummer 440 umleiten kann? Dann hätten wir zwei Nummern, mit denen der Bürger direkt bei uns rauskommt.“ Ein Vorschlag, den das Gremium unterstützt und so der Verwaltungsgemeinschaft einstimmig empfiehlt. Ein dritter CSU-Antrag ist bereits umgesetzt worden. Das Bayernportal, ein Infoportal für Bürger, ist auf der Internetseite der Stadt Höchstädt hinterlegt worden.

In der Sitzung gab es einen recht ungewöhnlichen Vorfall: Höchstädter Stadtrat Johann Jall verlässt die Sitzung

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