Newsticker

Macron verkündet zweiten Lockdown für Frankreich
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Er dirigiert den Tillywurm

Rain

14.02.2015

Er dirigiert den Tillywurm

Dominik Wollny ist seit 2011 Umzugsleiter beim Tillywurm in Rain. Wenn bei der Veranstaltung nichts passiert, dann ist er glücklich – und scheint dann auch noch die Sonne dazu, ist das für ihn wie ein Sechser im Lotto, sagt er im Interview.
Bild: Wollny

Dominik Wollny leitet den Faschingsumzug in Rain, einen der traditionsreichsten in der Region. Er verrät, wie die Organisation einer solchen Großveranstaltung abläuft

Der Landkreis Donau-Ries darf sich getrost zu den Faschingshochburgen in Schwaben zählen. Zehntausende Besucher kommen jährlich zu den Veranstaltungen während der fünften Jahreszeit. Einen besonderen Stellenwert haben dabei die Umzüge, von denen am Wochenende wieder drei über die Bühne gehen: am Samstag in Genderkingen und Donaumünster-Erlingshofen und am Sonntag in Rain. Der dortige Tillywurm gehört zu den ältesten Umzügen in der Region. Seit 2011 ist Dominik Wollny vom Faschingsclub Rain (FCR) für den Ablauf des Tillywurms verantwortlich. Im DZ-Interview gewährt er – stellvertretend für alle Umzugsleiter im Verbreitungsgebiet – einen Einblick hinter die Kulissen einer solchen Großveranstaltung.

Am Sonntag ist es wieder so weit, der Tillywurm schlängelt sich durch Rain. Welches Gefühl überwiegt so kurz vorher: Anspannung oder Vorfreude?

Wollny: Angespannt ist man wenige Tage vor dem Umzug immer. Man hofft natürlich auf gutes Wetter, dass alles gut funktioniert und dass es keine Unfälle gibt. Die Freude setzt ein, wenn es losgegangen ist und man zufriedene Zuschauer sieht.

Wann beginnen Sie mit den Planungen für den Umzug?

Wollny: Die Planungen starten Anfang September. Dann erstelle ich das neue Anmeldeformular und schreibe ans Landratsamt wegen der Genehmigung. Ungefähr Ende November gehen die Einladungen raus, ab Dezember habe ich dann eigentlich täglich mit dem Umzug zu tun.

Wie viele Anmeldungen für den Tillywurm liegen bislang vor?

Wollny: Stand jetzt sind es 80 Teilnehmer – 49 Fußgruppen, 27 Wagen und vier Kapellen. Damit liegen wir im Schnitt der vergangenen Jahre. Erfahrungsgemäß melden sich einige Gruppe aber erst nach Weiberfasching an. Anmeldeschluss ist am Sonntag um 14 Uhr, elf Minuten vor Umzugsbeginn. Mitmachen kann jeder, die Teilnahme ist umsonst. Die Anzahl der Personen ist übrigens egal. Wir haben heuer eine Fußgruppe mit rund 100 Leuten, aber auch einen Einzelkämpfer.

Ein regelmäßiges Streitthema bei solchen Veranstaltungen sind die Auflagen. Wie stehen Sie dazu?

Wollny: Heuer ist vom Landratsamt wieder eine neue Auflage dazugekommen – die erste Änderung seit einigen Jahren. Nun dürfen auf den Wagen keine Glasflaschen mehr mitgenommen werden (DZ berichtete). Man muss dabei den richtigen Spagat finden: Was ist sinnvoll für die Sicherheit von Teilnehmern und Besuchern und wo kann man auch mal ein Auge zudrücken? Meiner Meinung nach darf es nicht mehr viel strenger werden, sonst lohnt es sich für einige Wagen nicht mehr.

Wie läuft die Kontrolle ab?

Wollny: Wir kontrollieren so gut wie möglich. Bei dieser Umzugsgröße kann man aber vorher nicht auf jeden Wagen steigen. Wir schauen also viel während des Umzugs. Wenn unsere Helfer oder die Polizei grobe Verstöße sehen, dann schreiten wir ein. Im Extremfall kommt es zum Ausschluss vom Umzug, auch eine Anzeige ist möglich. Bisher gab es da aber keine Probleme. Jeder Wagen muss ja einen Verantwortlichen benennen. Diese Person muss vor dem Umzug per Unterschrift bestätigen, dass er Kenntnis von dem Merkblatt mit den Auflagen hat.

Was passiert, wenn einmal etwas passiert?

Wollny: Toi, toi, toi – in Rain hat es bisher noch keinen größeren Unfall gegeben. Die Teilnehmer sind zum größten Teil vernünftig. Wenn aber wirklich etwas Gravierendes passieren sollte, kommt man in Sachen Haftung auf den Verein zu. Als Umzugsleiter übernehme ich für den FCR dann die Verantwortung, bin aber über den Verein versichert.

Sicherheit ist also das oberste Gebot.

Wollny: So ist es. Wir haben eigens für den Umzug auch einen Sicherheitsdienst, der gerade an engen Stellen aufpasst, dass nichts passiert. Außerdem haben wir auf der Strecke am Boden Trassierbänder, hinter denen die Besucher stehen müssen. Auch das klappt gut. Zudem muss jeder Wagen vier Begleitpersonen mit Warnwesten stellen, die den Wagen zu Fuß absichern. Auch das ist eine Auflage vom Landratsamt.

Wie viele Personen vom FCR sind am Sonntag beim „Drumherum“ im Einsatz?

Wollny: Rund 35 Leute. Es ist schon ein großer Aufwand. Dazu kommen aber auch noch der Bauhof, die Feuerwehr und die Polizei, die uns tatkräftig mehrere Stunden unterstützen. Das sind die Leute, die man als Besucher eigentlich gar nicht wahrnimmt. Aber ohne die geht es nicht. Das ist aber nicht nur in Rain so – jeder, der einen Umzug macht, ist auf diese Helfer angewiesen.

Nahezu jede Gruppe hat ein anderes Motto. Muss das vorher bei Ihnen angemeldet werden?

Wollny: Wenn uns das Motto vorab genannt wird, können wir bei der Begrüßung besser auf die Gruppe eingehen. Das muss man aber nicht. Die Teilnehmer sind komplett frei in der Themenwahl. Von uns gibt es da keine Zensur.

Würden Sie sich wieder mehr lokale Themen wünschen?

Wollny: Es wäre schön, wenn sich wieder mehr Teilnehmer etwas dazu einfallen lassen. Themen gäbe es genug, in Rain und Umgebung wird es ja nie langweilig. Im Großen und Ganzen bin ich aber mit der Mottoauswahl schon zufrieden.

Monatelange Vorbereitung – und nach wenigen Stunden ist das Ganze dann schon wieder vorbei. Wer muss dann eigentlich den Müll beseitigen?

Wollny: Glücklicherweise müssen wir vom FCR nicht aufräumen. Das übernimmt in Rain die Stadt über den Bauhof, dem dafür ein großer Dank gebührt. Dessen Mitarbeiter reinigen die komplette Umzugsstrecke. Wir vom FCR hängen an mehreren Stellen Müllsäcke auf, dass möglichst wenig liegen bleibt. Bei anderen Umzügen muss der Veranstalter aber alleine aufräumen. Das ist wirklich enorm viel Arbeit.

1898 wird erstmals ein Umzug in Rain schriftlich erwähnt

Rechnet sich das Ganze überhaupt?

Wollny: Das darf man nicht von der finanziellen Seite sehen. Wenn man die Reinigungskosten miteinbezieht, kostet der Tillywurm um die 10000 Euro. Wir sammeln am Umzug selbst immer Spenden, auch bei der Party danach haben wir Einnahmen. Da kommt man dann schon mit einem blauen Auge raus. Wichtiger als das Geld ist aber, dass es den Leuten gefällt und die Veranstaltung gut angenommen wird. Der Umzug in Rain hat eine lange Tradition. Wir haben in unserem Archiv ein Schriftstück von 1898, in dem erstmals ein Faschingsumzug erwähnt wird. Seit 1953 gibt es regelmäßig einen. Der Umzug ist hier eine feste Größe, er gehört einfach zu Rain. Da sieht man dann schon einmal über die Kosten hinweg.

Wann sind Sie am Sonntag glücklich?

Wollny: Solange vor, beim und nach dem Umzug nichts passiert, bin ich zufrieden. Schönes Wetter dazu – und es wäre wie ein Sechser im Lotto. Interview: Manuel Wenzel

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren