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Donau-Ries

25.02.2015

Fracking im Landkreis?

So könnte es aussehen. Mit solchen Bohrtürmen wie auf diesem Foto wird Öl oder Gas aus tiefen Gesteinsschichten gefördert.
Bild: Jim Lo Scalzo/dpa (Symbolfoto)

Die umstrittene Fördermethode ist in Bayern quasi verboten. Der Vorsitzende von Rieswasser ist besorgt, dass sich das ändern könnte. Ölvorkommen gäbe es in der Region.

Das Wasser brennt, zumindest sieht es so aus. Der Mann in dem Video dreht den Wasserhahn in seiner Wohnung auf und hält ein Feuerzeug an den Strahl, als plötzlich Flammen um sich schlagen, die das halbe Waschbecken ausfüllen. Doch es ist nicht das Wasser, das brennt. Es ist leicht entzündbares Gas, das ebenfalls aus dem Hahn strömt. Die Szene aus dem US-Film „Gasland“ soll die Gefahren der Tiefbohrtechnik Fracking dokumentieren. Kritiker des Films sagen, das Feuer habe nichts damit zu tun. Doch aus Sicht der Filmemacher zeigt die Szene exemplarisch, was in Gegenden passieren kann, in denen Fracking betrieben wird. Feuer aus dem Wasserhahn.

Wolfgang Kilian kennt die Szene, und er sagt, ihm bereite Sorgen, dass Fracking möglicherweise auch in der Region ein Thema werden könnte. Kilian ist nicht nur Bürgermeister von Harburg, sondern auch Verbandsvorsitzender der Bayerischen Rieswasserversorgung (BRW), die 132000 Einwohner in den Landkreisen Donau-Ries, Dillingen und Weißenburg-Gunzenhausen mit Trinkwasser versorgt. Auf einer Versammlung des kommunalen Zweckverbandes hielt Kilian jüngst eine Rede, in der er prognostizierte, das „Thema Fracking werde die Wasserversorger in Deutschland sicherlich in Zukunft noch beschäftigen“.

Eine Forschungsbohrung ergab in den 1970er Jahren Erstaunliches

Durch Fracking wird Gas und Öl gefördert werden, das in Gesteinsschichten gebunden ist. Wasser, Sand und Chemikalien werden ins Erdreich gepumpt, um das Schiefergestein zu sprengen und so neue Quellen zu erschließen. Kritiker befürchten, das Grundwasser könnte durch die Methode mit giftigen Stoffen verseucht werden. In den USA ist Fracking weit verbreitet, das Land wurde durch die Technik zum größten Ölförderland der Welt. In Deutschland geht Fracking nur unter strengen Auflagen. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vom November 2014 sieht vor, dass es bis 2019 ausschließlich zu Forschungszwecken erlaubt ist. Erst danach können Konzerne darauf hoffen, die Methode kommerziell zu nutzen. In Bayern hat Umweltminister Marcel Huber (CSU) alle Wasserämter angewiesen, im Zweifelsfall keine Fracking-Bohrungen zuzulassen. Über den Umweg des Wasserrechtes hat der Freistaat Fracking-Bohrungen damit quasi verboten. Das ist der Stand.

Für Rieswasser-Vorsitzenden Kilian ist das Thema dennoch nicht vom Tisch. Schließlich wisse niemand, was die Zukunft bringe, und die Position des Bundes sei problematisch. „Wir sitzen mit Rieswasser zum Glück auf einem Wasserreservoir, das eine gute Qualität hat“, sagt er. „Es wäre ein Frevel, wenn man in Zukunft sehenden Auges etwas zuließe, das schädlich sein könnte.“ Das Thema betreffe generell jeden Wasserversorger.

Das Ries aber betrifft Fracking in besonderem Maße, sollte es in Bayern jemals erlaubt werden. Denn 1973 gab es im Rieskrater eine wissenschaftliche Bohrung, die 1206 Meter in die Tiefe ging. Sie war für die Erforschung des Kraters von immenser Bedeutung. Doch auch darüber hinaus ergab sie Erstaunliches. Die Forscher entdeckten, dass der Meteoriten-Einschlag einst große Mengen Ölschiefer hatte entstehen lassen. Das rief das Erdöl-Unternehmen BEB auf den Plan, das eine Konzession erwarb und 1976 in die Region kam. BEB suchte nach Ölschiefer und schätzte, wie groß das Vorkommen im Ries wohl sei. „Erste Schwelanalysen lieferten Schwelöl-Ausbeuten zwischen 3,7 und 22,3 Prozent“, so steht es in einem BEB-Bericht von 1977. „Das klingt nicht übel.“ Eine Abbaumethode für eine wirtschaftliche Gewinnung, hieß es 1977, müsse freilich erst entwickelt werden.

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