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Bildung

11.02.2015

Gespräch statt Zeugnis zum Halbjahr

Der Grundschüler Simon und seine Eltern Karla und Ralf Stoll im Lernentwicklungsgespräch mit Konrektorin Marianne Ernst in Oettingen (rechts).
Bild: Grundschule

Warum nicht mehr alle Grundschüler im Kreis am Freitag eine Beurteilung bekommen

Wenn am Freitag die Zwischenzeugnisse verteilt werden, dann ist nicht mehr für jeden Grundschüler im Landkreis eines dabei. Der Grund: Einige Lehrer setzen auf ein neues Modell, das seit diesem Schuljahr in den ersten bis dritten Klassen in Bayern umgesetzt werden kann. Es nennt sich Lernentwicklungsgespräch – und ersetzt das Halbjahreszeugnis. An den fünf Grundschulen in Mertingen, Fünfstetten-Gosheim, Oettingen, Kleinerdlingen-Ederheim und Alerheim werden solche Gespräche seit Januar geführt. „Die Rückmeldungen sind sehr gut“, sagt Renate Heinrich, Leiterin des Schulamts Donau-Ries.

Bei einem Lernentwicklungsgespräch setzen sich Lehrer, Eltern und das Kind eine halbe Stunde zusammen und besprechen die Fortschritte des Kindes im Unterricht und sein soziales Verhalten in der Schule. Vorab füllt sowohl die Lehrkraft als auch das Kind mit seinen Eltern einen Fragebogen aus, der die Grundlage des Gesprächs bildet. Dort stehen Sätze wie „Ich höre gut zu und lerne gerne etwas Neues“ oder „Ich lasse mich nicht ablenken“. Die Kinder können sich dann selbst einschätzen und mit „prima“, „überwiegend ja“, „teilweise“ oder „noch zu wenig“ antworten. Auch fachspezifische Fragen werden angesprochen. „Ich weiß, wie die Buchstaben klingen“ oder „Ich rechne Minus- und Plusaufgaben richtig“ heißt es da.

„Ein Gespräch kann mehr aussagen als eine einzelne Note“, sagt Heinrich, die vom Modell überzeugt ist. Denn so kann individuell auf die Situation des jeweiligen Schülers eingegangen werden, der Lehrer gibt ihr zufolge auch gleich konkrete Tipps und erklärt, wie er zu seiner Einschätzung gekommen ist. Außerdem formuliert das Kind am Ende des Gesprächs zusammen mit seinem Lehrer Ziele und Vorsätze für sich: dass es zum Beispiel täglich das Kopfrechnen übt oder sich im Unterricht mehr meldet. Jede Schule kann selbst entscheiden, ob sie das Modell einführen möchte oder lieber beim schriftlichen Halbjahreszeugnis bleibt. Einverstanden sein muss die Lehrerkonferenz – und auch der Elternbeirat sollte mit im Boot sein.

Stefanie Fuß, Schulleiterin in Fünfstetten, hat gute Erfahrungen mit dem Konzept gemacht: „Wichtig ist, dass nun mit dem Kind und nicht mehr nur über das Kind gesprochen wird.“ In allen drei Jahrgangsstufen finden an ihrer Schule die Gespräche statt. Und die Eltern nehmen sie auch ausnahmslos in Anspruch – denn sie könnten sich weiterhin für die klassische Zeugnisvariante entscheiden, sagt Fuß. Dabei hat sich die Schule – auch auf Wunsch der Eltern – auf einen Mittelweg in den dritten Klassen geeinigt: Es finden zwar Gespräche statt, ihr Zeugnis bekommen die Schüler aber doch am Freitag – denn darin stehen erstmals Noten. „Die sind dann aber keine Überraschung mehr“, sagt die Rektorin.

Die Grundschule Oettingen arbeitet nun schon im dritten Jahr mit den Lerngesprächen. Sie nimmt am Modellversuch „Flexible Grundschule“ teil – und dazu gehören auch die Gespräche in den ersten beiden Klassen. Für die Lehrer seien sie eine Herausforderung, sagt Konrektorin Marianne Ernst. Sie müssen sich so ausdrücken, dass es auch die Jüngsten verstehen. Und sie sollen auch Probleme ansprechen: „Dabei aber ist eine positive Grundstimmung ganz wichtig.“ Weil die Gespräche ausführlicher sind als ein Zeugnis, werden sie den Schülern gerechter, glaubt sie. Deshalb auch kämen sie sehr gut an in Oettingen, sagt Ernst: „Wir haben nur positive Erfahrungen damit gemacht.“

Karla Stoll kann das bestätigen: Ihre beiden Kinder besuchen die Grundschule in Oettingen und saßen schon in den Gesprächen. „Sie fühlen sich auf die Art besser miteinbezogen und können die Ergebnisse leichter annehmen“, sagt die Mutter. Zunächst war sie skeptisch, ob die Selbsteinschätzung die Kinder nicht überfordere – das Gegenteil aber ist der Fall: „Sie sehen sich kritischer, als ich dachte.“ Als positiv hat die Mutter zudem erlebt, gleich nachhaken zu können, während ein Zeugnis schon mal Fragen aufwerfe. Und auch, das Kind im Umgang mit der Lehrerin erleben zu können: „Die Gelegenheit habe ich ja sonst nicht.“

Andere Grundschulen im Landkreis warten solche Erfahrungsberichte noch ab. „Wir überlegen, das Modell im kommenden Schuljahr auch bei uns einzuführen“, sagt etwa die Marxheimer Schulleiterin Barbara Simon. Schulamtsleiterin Renate Heinrich jedenfalls glaubt, dass sich die Lernentwicklungsgespräche weiter verbreiten werden. Gleichzeitig aber betont sie: „Sie sind kein Muss.“ (mit jah)

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