1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Mann will Hund retten und stirbt - nicht das erste Unglück an der Stelle

Kreis Donau-Ries

21.07.2019

Mann will Hund retten und stirbt - nicht das erste Unglück an der Stelle

Seit Samstag stehen Warnschilder an der Unglücksstelle: Dort wo ein Altwasserarm des Lechs bei Münster unter diese Brücke durchfließt, geriet eine Familie am Freitagabend in Not.
Bild: Barbara Würmseher

Plus Der Ausflug einer fünfköpfigen Familie mit ihren beiden Hunden endete im Kreis Donau-Ries in einer Tragödie. Es war nicht das erste an der Stelle.

Ein Familienspaziergang endete am Freitag in einer furchtbaren Tragödie: Ein Ehepaar aus Münster im Kreis Donau-Ries nutzte mit drei seiner vier Kinder und den beiden Hunden den lauen Sommerabend zu einem gemeinsamen Abstecher in die nahe gelegenen Lech-Auen. Dort kam es dann an einem Altwasserarm zu verzweifelten Szenen und dramatischen Rettungsversuchen, die letztlich erfolglos blieben: Der 42-jährige Familienvater ertrank und auch der Hund, den er retten wollte, wurde später verendet aufgefunden.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Unglück in Münster im Kreis Donau-Ries: 42-Jähriger stirbt

Wie die Polizei mitteilt, ging die Familie zu fünft gegen 19.45 Uhr mit den beiden Tieren zwischen Münster und dem Lech spazieren. An einer Brücke über einem Altwasserarm der sogenannten "Münsterer Alte" sprang ihr Berner Sennenhund ins Wasser. An dieser vermeintlich harmlosen und zunächst flachen Stelle aber gibt es eine tückische Strömung und eine Untiefe, aus der sich der Hund augenscheinlich nicht mehr befreien konnte. Immer wieder wurde das kräftige Tier unter Wasser gezogen, so die Polizei.

Um es zu retten, sprang zunächst die 39-jährige Mutter in den Fluss, geriet aber ebenfalls in den Sog der Strömung und in eine hilflose Situation. Daraufhin eilte ihr der 42-jährige Ehemann zur Hilfe. Zusammen mit der 14-jährigen Tochter gelang es ihm, seine Frau an einem Ast aus dem Wasser zu retten. Die beiden anderen Kinder liefen in der Zwischenzeit davon, um weitere Hilfe zu holen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Am Unglücksort kämpfte der Vater derweilen um sein Leben. Es gelang ihm nicht, sich aus der Wasserwalze zu befreien. Er war bereits bewusstlos, als ihn Ehefrau und Tochter schließlich nach einigen Bemühungen ans Ufer ziehen konnten. Sie begannen sofort mit ihren Versuchen, ihn wiederzubeleben.

Die beiden Kinder, die losgelaufen waren, um Unterstützung zu holen, kamen mit zwei Spaziergängern zurück. Alle zusammen unternahmen Rettungsversuche und verständigten die Rettungskräfte. Ein Hubschrauber der später nahe dem Unfallort landete, musste unverrichteter Dinge wieder weggeschickt werden, da der Verunglückte nicht stabil genug für diesen Transport war. Er kam mit dem Krankenwagen in die Uniklinik Augsburg, wo er später starb. Der Berner Sennenhund war von der Strömung abgetrieben worden und wurde später tot geborgen. Die Kripo hat die Ermittlungen zu dem tragischen Unglücksfall aufgenommen.

An der Stelle gab es bereits ein Unglück

„Das Ganze ist unvorstellbar schlimm“, sagt Münsters Bürgermeister Gerhard Pfitzmaier, der sich den Unglücksort angeschaut und mit den Angehörigen des Verstorbenen gesprochen hat. „Der ganze Ort steht unter Schock.“ Betroffen ist auch die Freiwillige Feuerwehr Münster, die zum Einsatz gerufen wurde und feststellen musste, dass der Verunglückte einer ihrer Kameraden ist. Sie trauert auf Facebook um den Verstorbenen, der sich besonders um den Nachwuchs und den Aufbau einer Kinderfeuerwehr verdient gemacht habe.

Die Gefährlichkeit der Stelle im Altwasser war bislang den Bewohnern der Gemeinde nicht bewusst. „Viele Menschen gehen zum Baden dorthin“, schildert Gerhard Pfitzmaier, „denn das Altwasser ist klar und viel frischer als oft die Baggerseen.“ Flussaufwärts staut eine kleine Barriere das Lechwasser, das von dort aus als ein kleiner Wasserfall etwa 40 Zentimeter tief abfällt. „Es sieht alles völlig harmlos aus“, so der Bürgermeister, „ist aber relativ reißend.“ Nach dem Unglück vom Freitag hat er sofort drei Warnschilder aufstellen lassen, die auf die Lebensgefahr hinweisen.

Exakt an derselben Stelle ist es vor gut zwei Jahren zu einem ganz ähnlich gelagerten Unglück gekommen. Auch damals starb ein Mann. Der 33-Jährige war Ende März 2017 ebenfalls mit seinem Hund dort unterwegs gewesen. Als er ein Hundespielzeug aus dem Wasser fischen wollte, stürzte er in den damals zehn Grad kalten Lech und starb. Die Ermittler gingen von einem Kälteschock aus. Unter Umständen könnte aber – so die jetzige Vermutung – auch bei ihm der Strudel eine Rolle gespielt haben. Eine Bestätigung für diese Annahme gibt es allerdings nicht.

Teils tragische Rettungseinsätze sind auch Thema unserer Podcast-Folge mit Wasserretter Marco Greiner. Hier können Sie reinhören.

 

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren