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Rettungshubschrauber

15.07.2010

Reaktion: "Das ist einfach nicht nachvollziehbar"

"Die Entscheidung ist nicht nachvollziehbar": Georg Schmid, Horst Seehofer und Stefan Rößle. Archivfoto: Widemann

Eine Umfrage unserer Zeitung zeigt, wie der Donau-Ries-Kreis auf die Entscheidung von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer reagiert hat, den Rettungshelikopter in Augsburg zu stationieren. Von Carl Völkl

Auch am Tag danach kann es Landrat

Stefan Rößle

noch immer nicht fassen, dass sein Ministerpräsident und CSU-Parteifreund

Horst Seehofer

am Mittwochabend

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Augsburg

den Zuschlag für den Rettungshubschrauber-Standort gegeben hat (wir berichteten. "Ich kann's nicht nachvollziehen", sagte er gestern gegenüber der DZ, "zumal sich ja der Innenminister bei dem Gespräch in

München

ganz klar für den Standort

Donauwörth

/

Genderkingen

ausgesprochen hatte".

Rößle hatte vorzeitig, aber mit dem Gefühl, es könnte vielleicht doch auf Donauwörth hinauslaufen, die Gesprächsrunde im Maximilianeum wegen eines anderen Termins verlassen. Als ihm dann Donauwörths Oberbürgermeister Armin Neudert spätabends die Hiobsbotschaft überbrachte, konnte der Landrat nur verärgert den Kopf schütteln: "Das ist eine reine politische Entscheidung von Seehofer."

Das Argument der Augsburg-Befürworter, die "komplett aufmunitioniert" (Rößle) waren und ihre gesamte schwäbische Abgeordneten-Riege von Strehle über Miller bis Sauter mitgebracht hatten - das Argument also, künftig werde der Rettungshubschrauber nicht mehr vor dem Krankenhaus niedergehen sondern bekomme einen teuren Landeplatz auf dem Dach, was eine Einsparzeit von fünf Minuten bringe, will Rößle nicht gelten lassen:

Tag und Nacht in Bereitschaft

"Das ist doch keine schlüssige Erklärung für den Standort Augsburg, da geht es doch nur um den Landeplatz. Im Übrigen komme auch das Fachgutachten, das bekanntlich Donauwörth favorisiert, zu dem Ergebnis, dass es heutzutage nicht notwendig sei, einen Rettungshubschrauber unbedingt an einem Klinikum zu stationieren.

Der Landrat: "Die Luftrettung benötigt ein eigenes Hubschrauber-Team, das Tag und Nacht in Bereitschaft ist. Diese Ärzte sind so stark gefordert, dass sie nicht nebenbei noch am Krankenhaus operieren können. Also ist es völlig egal, ob ein solches Team an einem Klinikum stationiert ist oder beispielsweise in Genderkingen."

Zwar ist in München vereinbart worden, Innenminister Joachim Herrmann müsse mehrere Alternativen prüfen, um das Nordries und Teile Mittelfrankens trotz der Entscheidung für Augsburg rettungsdienstlich nicht unversorgt zu lassen; wie die aber aussehen sollen, kann sich Rößle derzeit nicht recht vorstellen.

Der CSU-Politiker versteht das alles nicht mehr und so hat er sich gestern Früh an seinen Schreibtisch gesetzt, um Seehofer und Herrmann folgende Zeilen zu schreiben: "Ich möchte vorsorglich darauf hinweisen, dass ich als Landrat ... die ... Entscheidung für den Hubschrauberstandort Augsburg gegenwärtig nicht nachvollziehen kann. Ich kann es nicht akzeptieren, wenn ein Patient aus unserem Landkreis aufgrund dieser Standortentscheidung auch nur eine Minute später in eine geeignete Klinik kommt. Ich sehe es auch sehr kritisch, dass voraussichtlich erhebliche Mehrkosten für das Gesundheitswesen entstehen, wenn die Lücken in Nordschwaben und Mittelfranken durch eine weitere notwendige Standortverlegung oder einen weiteren zusätzlichen Standort geschlossen werden müssen."

Georg Schmid, der CSU-Kreisvorsitzende im Donau-Ries und Fraktionschef im Landtag, hält sich in der Bewertung der Entscheidung Seehofers zwar komplett zurück, sieht aber den Standort Donauwörth noch lange nicht aus dem Rennen: "Es ist bisher nichts entschieden, Augsburg hat nur Priorität bekommen." Deshalb sei der Innenminister am Mittwochabend beauftragt worden, drei Alternativen zu entwickeln, um dafür zu sorgen, dass es keine weißen Flecken mehr in der rettungsdienstlichen Versorgung des Rieses und Teilen Mittelfrankens gebe.

Und diese Alternativen sehen so aus:

Prüfung einer Privatlösung (gemeint ist das Wallersteiner Flugunternehmen Heli Aviation unter der Regie von Marco Ohnhäuser);

Verlegung eines Rettungshubschraubers von Nürnberg nach Gunzenhausen, was dem Nordries am nächsten käme;

Sondierungsgespräche, ob Baden-Württemberg bereit sei, auf Standortsuche, etwa im Bereich Ellwangen, zu gehen, zumal die württembergische Region nur einen Standort in Ulm habe. Ein zusätzlicher Landeplatz könnte somit auch das bayerische Ries abdecken.

Schmid: "Wenn keine dieser Alternativen zum Tragen kommt, muss die Standortfrage Augsburg oder Donauwörth erneut diskutiert werden, denn eines ist für alle Beteiligten klar: Es darf keine rettungsdienstliche Unterversorgung im Landkreis Donau-Ries geben."

Der CSU-Spitzenpolitiker hatte sich in dem Gespräch im Maximilianeum mit Hinweis auf das Fachgutachten für Donauwörth ausgesprochen, blieb aber ebenso wie der Innenminister auf der Strecke.

Die Frage ist nur - wie soll die optimale Versorgung erreicht werden? So ist es kaum vorstellbar, dass Nürnberg sang- und klanglos auf einen seiner beiden Hubschrauber-Standorte zugunsten Gunzenhausen verzichtet, der Protest wäre also vorprogrammiert. Und ob sich Baden-Württemberg auf die Schnelle zum Bau eines weiteren Landeplatzes überreden lässt, sei auch dahingestellt. Bliebe Wallerstein, aber wer finanziert zwei Landeplätze in Augsburg und im Ries? Laut dem Rettungsdienstgesetz ist zwar das Innenministerium Entscheidungsträger - bezahlen aber müssen die Krankenkassen.

Und die jammern ohnehin. Laut dem Donauwörther AOK-Chef Johannes Hiller würden nun die Kassen auf Landesebene befragt, doch schon die ersten Reaktionen hätten gezeigt: keine Doppelstruktur, die Vorhaltekosten seien zu hoch. Ein klares Nein auch von der AOK Bayern. Hiller: "Wir können das Geld nur einmal ausgeben, wenn ein weiterer Hubschrauber-Standort finanziert werden muss, weil das Innenministerium so entscheidet, fehlt das Geld woanders." Ob sich das die Politiker angesichts der eben erst verordneten Kassenbeitragserhöhungen leisten können?

Auch für Johannes Hiller ist die Seehofer-Entscheidung nicht nachvollziehbar: "Es wäre betriebswirtschaftlich sinnvoll gewesen, einen Flächen deckenden Standort wie Donauwörth zu präferieren und nicht Augsburg, das durch die Hubschrauber-Standorte München, Nürnberg, Ulm und Kempten bis auf seinen nördlichsten Zipfel voll abgedeckt ist. Und dieser kleine Teil hätte von Donauwörth versorgt werden können."

Jetzt für Gunzenhausen

Der Donauwörther AOK-Chef setzt nun auf Gunzenhausen: "Nachdem die politische Situation schon so verfahren ist, wäre es sinnvoll, einen Landeplatz von Nürnberg nach Gunzenhausen zu verlegen. Damit entstünden nicht doppelte Kosten, und das Ries wäre versorgt."

Und was sagt der Donauwörther Oberbürgermeister Armin Neudert dazu? "Ungut" nennt der CSU-Politiker die Entscheidung Seehofers, die allen fachlichen Argumenten widerspreche. Auch der von Augsburg vorgebrachte Einwand gegen Donauwörth, dort herrsche angesichts der Donau viel zu viel Nebel, habe er, Neudert, in der Runde widerlegen können: "Erstens stellt der Wetterdienst kaum Unterschiede zu Augsburg fest, und zweitens gibt es den Instrumentenflug. Eurocopter fliegt doch auch ständig." Der OB ("das Thema muss in den Kreistag") ist jetzt gespannt, wie realistisch es denn tatsächlich sei, wenn es nun heiße, man werde die weißen Flecken der Unterversorgung im Landkreis Donau-Ries durch Alternativen beheben. Von Carl Völkl

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