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Konzert

16.11.2018

Was für ein Sängerfest!

Solisten aus aller Welt gaben sich ein Stelldichein in der Gemeinde Mertingen. Formiert als Opernstudio brachten sie Perlen der Klassik zu Gehör.
Bild: Ulrike Hampp-Weigand

Das Opernstudio brachte einmal mehr internationales Flair – von China über Finnland bis Israel – nach Mertingen. Bemerkenswert, wie er der Kulturkreis schafft, die musikalische Welt in die Provinz zu holen

Wieder einmal war die (vokale) Welt zu Gast in Mertingen: der chinesische Tenor Long Long, der britische Tenor Freddie De Tommaso, der finnische Bass Markus Suihkonen, Sopranistinnen aus Russland (Anna El-Kashem), Puerto Rico (Anaïs Mejías) und Estland (Mirjam Mesak), Mezzosopranistinnen aus Georgien (Natalia Kutateladze) und Israel (Noa Beinart), der türkische Bassbariton (Oğulcan Yilmaz), die Pianistin Ewa Danilewska aus Polen, der Pianist Alessandro Stefanelli aus Italien, und ein Schweizer Moderator – der Leiter des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper in München –, Tobias Truniger. Seine Einführungen sind jeweils zauberhafte, kenntnisreiche, amüsante und gleichzeitig leidenschaftliche Plädoyers für die Oper.

Alle Interpreten brachten begeisternden stimmlichen Wohlklang mit, verwandelten die ausverkaufte Schulaula wieder in ein Opernhaus en miniature, verzückten das hingerissene Publikum, das diese „Einführungsgala“ daher auch mit nicht enden wollenden, stehendem Beifall goutierte.

Preziosen der Opernliteratur standen auf dem Programm – eingängige Melodien. Etwa Wolfgang Amadeus Mozarts Märchenoper „Die Zauberflöte“. Sie erfüllt die Bedingungen, die an eine Oper früher gestellt wurden, damit diese nicht durchfiel: Es gibt zwei musikalisch gleichwertige Hauptdarsteller, die „sich kriegen sollten“, ein Buffopaar und einen interessanten „Plot“. Die Handlung der „Zauberflöte“ ist ein wenig krude: Eine böse Mutter (Königin der Nacht) hat eine Tochter (Pamina), die vom „guten“ Hohepriester Sarastro entführt wird. Ein schöner Prinz (Tamino) fällt beim Anblick eines Ungeheuers in Ohnmacht. Ein aufschneiderischer Taugenichts (Papageno) hat nur eine Frau im Sinn (Papagena). Ein Böser (Monostatos), ein paar Prüfungen und ein paar Versuchungen runden die Handlung ab, an deren Ende das Gute über das Böse siegt. So klar, so gut?

Aber wie das sängerisch zu erleben war, geriet zu einem einzigen Hochgenuss: Long Long brillierte als Tamino mit tenoralem Schmelz, reichem Klang und großartiger Höhe. Die die drei Damen (Noa Beinart, Natalia Kutateladze, Mirjam Mesak) – hinreißend anzuschauen – bekriegten sich über dem ohnmächtigen Prinzen, und Oğulcan Yilmaz (für den erkranken Boris Prgl) und Anaïs Mejías sangen schelmisch und stimmlich hochkarätig von ihrer Zukunft und ihren vielen Wunschkindern.

Im Rossini-Jahr – sein Todestag jährt sich zum 150. Mal – durfte Giacomo Rossini natürlich nicht fehlen. In seiner Oper „L’Italiana in Algeri“ gaben Natalia Kutateladze und Oğulcan Yilmaz die Hörer verzückende Darstellungen ihres überragenden Könnens – und das stimmlich wie darstellerisch: zum einen in der von tiefem Schmerz zur mutig-kühnen Entschlossenheit, ihr Leben selbst zu meistern, reifenden „Italienerin“ Isabella, die sich aufgemacht hat, ihren Liebsten Lindoro aus Gefangenschaft des Beys Mustafa zu befreien. Zum anderen in dem sehr komischen Duett mit ihrem treuen Anbeter Taddeo – immer wieder kam Kichern im Publikum auf.

Nach der Pause gab es Auszüge aus der ersten Oper Giuseppe Verdis, „Luisa Miller“. Das Libretto ist einer der Klassiker der deutschen Literatur, nämlich Friedrich von Schillers „Kabale und Liebe“. Ein bürgerliches Trauerspiel voller bissiger Gesellschaftskritik um die Liebe zwischen (Bürgertochter) Luisa und (Grafensohn) Rudolfo. Zugleich eine musikalische Charakterstudien von großer poetischer Kraft. Als Anaïs Mejías kraftvoll-zart flehentlich „Tu puniscimi“ sang, als sich Rudolfo und die von ihm zurückgewiesenen Federica (Noa Beinart) auseinandersetzen, als Freddie De Tommaso mit seinem metallen leuchtenden Tenor die Arie des Rudolfo „Oh! fede … Quando le sere“ anstimmte, hätte man eine Stecknadel fallen hören, so still war es im Publikum.

Letzter Programmteil war die vom französischen Komponisten Georges Bizet stammende „spanische Volksoper“ „Carmen“, mit großartigem, das Volk darstellenden Solistenchor und einer verführerischen Carmen. In dieser Rolle begeisterte Natalia Kutateladze mit ihrem Auftrittslied „L’amour est un oiseau“. Ebenso brillant interpretierte Long Long als Don Jose „La fleur que tu m’avais“. Hinreißend erklang Ogulcan Yilmaz als Escamillo mit dem „Auf in den Kampf, Torero“, und berührend war Mirjam Mesak als vergeblich hoffender Micaela.

Das entzückte Publikum erhielt für begeisternden Beifall und Bravi eine Zugabe: aus dem dritten Akt von Giuseppe Verdis Meisterwerk „Rigoletto“. Long Long war zu hören als gewissenloser herzoglicher Verführer, der vor der verführten und verlassenen Gilda (Anaïs Mejías) und Vater Rigoletto (Markus Suihkonen) die Hure Maddalena umwirbt „La donna è mobile“. Ein Abschluss vom Allerfeinsten! Und leider wirklich das Ende.

Das Opernstudio kommt nach derzeitigem Stand voraussichtlich am Sonntag, 30. Juni, 18 Uhr, wieder.

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