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Wemding/Donauwörth
06.10.2021

Was Betroffene des Wemdinger Arztes wissen müssen

Landrat Stefan Rößle (rechts) und der Dillinger Kripo-Chef Michael Lechner informierten am Dienstag über bisherige Erkenntnisse im Fall des Wemdinger Hausarztes Dr. Gerhard Holst.
Foto: Szilvia Izso

Das Landratsamt informiert, wie es für die Betroffenen weitergeht, die möglicherweise eine nicht wirksame Corona-Impfung erhalten haben.

Es deutet alles darauf hin, dass der mutmaßliche Impfbetrug in der Praxis des Wemdinger Hausarztes Dr. Gerhard Holst die befürchteten Ausmaße hat. Bei einer Pressekonferenz im Donauwörther Landratsamt äußerten sich Landrat Stefan Rößle, Vertreter der Kripo Dillingen und der Staatsanwaltschaft Augsburg zu dem Verfahren. „Es ist ein Fall, der uns alle sehr betroffen macht“, sagte Rößle.

Die Behörden bestätigten die beiden wesentlichen Sachverhalte, denen der Allgemeinmediziner verdächtigt wird. Er soll zum einen Personen, die offenbar aus einem weiten Umkreis nach Wemding kamen, eine Impfung bescheinigt haben, ohne dass diese erfolgte. Zum anderen mehren sich die Hinweise, dass Holst impfwilligen Patienten einen anderen, unwirksamen Stoff spritzte, möglicherweise eine Art Placebo.

Verdacht auf Impfbetrug in Wemding: Warum der Landrat den Namen des Verdächtigen nannte

Dies war Rößle zufolge am Freitag auch der Grund, warum er in seiner Funktion als Landrat, dem auch das Gesundheitsamt unterstellt ist, in Absprache mit Kripo und Staatsanwaltschaft handelte. Er machte den Namen des Arztes öffentlich und schloss per Bescheid bis auf Weiteres die Praxis in Wemding.

Viele Menschen haben sich in dieser Praxis in Wemding gegen das Coronavirus immunisieren lassen. Nun steht der Arzt im Verdacht, die Impfungen auf verschiedene Weise vorgetäuscht zu haben.
Foto: Wolfgang Wideman

Rößle berichtete nun, dass das Verfahren „immense Ausmaße annimmt“. Es gebe wohl Hunderte von Betroffenen, die wissend oder unwissend ohne Impfschutz seien. Gerade bei den Patienten, die fälschlicherweise glauben, gegen Corona immunisiert worden zu sein, sei eine Gefahr vorhanden, so der Landrat. Die Betroffenen könnten sich anstecken und schwer erkranken.

Dem Aufruf der Behörde, dass sich Patienten, die von Holst eine Corona-Impfung erhielten, in Nördlingen auf Antikörper testen lassen sollen, folgten bereits beim ersten Termin am Montag 132 Frauen und Männer. Weitere Termine stehen am Mittwoch von 9 bis 17 Uhr und am Freitag von 9 bis 12.30 Uhr an. Manche mussten am Montag im ehemaligen Impfzentrum in Nördlingen an der Nürnberger Straße lange warten, bis sie Blut abgezapft bekamen. Rößle bat um Verständnis. Die Teststation sei in Zusammenarbeit mit der Polizei eilends über das Wochenende organisiert worden.

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Dr. Raffaella Hesse, Leiterin des Gesundheitsamts Donau-Ries, erklärte, nach momentanem Stand gebe es für die betroffenen Patienten von Holst keine generelle Impfempfehlung. Jeder Fall müsse erst untersucht und je nach Vorerkrankungen einzeln betrachtet werden. Bei Patienten, die nicht selbst nach Nördlingen kommen können, setze man auf die Unterstützung durch Hausärzte. Wichtig sei, alle Blutproben zentral untersuchen zu lassen. Das Labor habe zugesichert, bei den Antikörper-Tests eine differenzierte Untersuchungsmethode anzuwenden. Hesse: „Wir versuchen die Betroffenen dann schnellstmöglich zu informieren.“

Großer Presserummel bei der Pressekonferenz im Landratsamt zum möglichen Impfbetrug bei einem Wemdinger Hausarzt.
Foto: Szilvia Izsó

Während das Gesundheitsamt bemüht ist, gesundheitlichen Schaden zu verhindern, führt die Kripo Dillingen die strafrechtlichen Ermittlungen. Dafür hat die Dienststelle in Dillingen eine Ermittlungsgruppe „Impfen“ eingerichtet. Für sachdienliche Hinweise richtete die Kripo einen Telefonkontakt ein über 09071/56-442.

Bei dieser Nummer könnten sich auch Leute melden, die auf das Angebot des Mediziners eingingen, die Impfung nur vorzutäuschen, sagte Kripo-Chef Michael Lechner vor über einem Dutzend Journalisten und mehr als einem halben Dutzend Kamerateams. Lechner appellierte: Würden sich solche Menschen offenbaren, könnten sie damit die Behörden deutlich entlasten. Die haben nämlich die Herkulesaufgabe, alle Impfpatienten des Arztes zu kontaktieren. Nach Informationen unserer Zeitung sollen dies rund 1200 Personen sein.

Welche Straftat steht im Raum?

Unklar ist noch, welche Straftatbestände gegen Gerhard Holst im Raum stehen. Hier müsse man erst einmal den Sachverhalt klären, erläuterte Andreas Dobler, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg. In Betracht kämen Urkundenfälschungs- und Körperverletzungsdelikte.

Keine Angaben machten die Behördenvertreter zu der Frage, ob sie schon mit dem in Verdacht geratenen Arzt gesprochen haben, beziehungsweise, ob dieser sich bereits dazu geäußert hat. Nach Informationen unserer Zeitung soll sich Holst inzwischen in eine psychiatrische Klinik begeben haben.

Pressekonferenz i.S. Praxis Dr. Holst im Landratsamt Donau-Ries.
17 Bilder
Der Impfskandal in Wemding: Bilder der Ereignisse
Foto: Szilvia Izsó

Landrat Rößle sprach ein weiteres Problem an, das – wie schon gemeldet – die Menschen in Wemding und Umgebung trifft: Mit der Schließung der Praxis Holst fällt ein Hausarzt weg. Die Region „Donauwörth-Nord“ sei ohnehin eher unterversorgt. Das Landratsamt hat deshalb Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung aufgenommen und diese um Unterstützung gebeten. Ziel sei es, bald einen Mediziner in die Wallfahrtsstadt zu bekommen.

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06.10.2021

In der Bananen-Republik-Deutschland scheint mittlerweile alles möglich zu sein.

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06.10.2021

Approbation entziehen, und ab in den Knast mit Herrn Dr., da geht man zum Arzt um sich Impfen zu lassen und der macht da ein auf ich mach was ich will. Sicher heißt es dann am Schluss er hatte Moralische Bedenken, und war dadurch von der Psyche schwer belastet, und ist deswegen nicht Schuldfähig..

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06.10.2021

"Die Betroffenen könnten sich anstecken und schwer erkranken."
Infizieren können sich im Übrigen auch "wirklich" Geimpfte - Impfdurchbrüche mehren sich, trotz etwas eigenwilliger RKI-Definition von Impfdurchbruch. In selteneren Fällen können dabei auch Geimpfte schwer erkranken.

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06.10.2021

Impfdurchbrüche gibt es. Aber das liegt an mehreren Faktoren.
Zu einem lässt mit der Zeit die Wirkung nach. Besonders beid er DELTA-Variante ist dieser scheinbar etwas gemindert. Zum anderen entwickelt der Impfschutz sich nicht sofort. Viele der erkrankten Geimpften hatten oft noch nicht den vollen Impfschutz.
Die Wirkung ist beispielsweise bei Krebspatienten stark vermindert oder gar nicht vorhanden. Oder bei einigen ist das Immunsystem so geschwächt, dass ein Impfung auch nichts mehr bringt.
Aber wenn man sich die Impfdurchbrücke anschaut, stellt man fässt, dass die Erkrankung im Schnitt deutlich milder verläuft. Bei den Covid19 erkrankten, macht der Anteil mit Syntomen erkrankt, Hospitalisiert, intensivmedizinisch versorgt oder gar gestorben deutlich weniger aus, wie der Anteil an der Geimpften Bevölerung entspricht.
Beispielswiese sind Ü 60 über 83 % geimpft, machen Geimpfte machen in der Alterklasse rund 44 % der erkrankten mit Syntomen (wie Husten, Fieber, ...) aber nicht mal 20 % der Intensivpatienten aus.
Also entweder schotten sich die geimpften Ü60 oder die ungeimpften Ü60 schlecken jede Türklinke ab oder der Impfstoff zeigt eben Wirkung, und mildert die Schwere der Erkrankung.

Und wie Sie im letzten Satz sagen. In SELTENEN Fällen können eben auch Geimpfte schwer erkranken. Das Risiko schwer zu erkranken ist aber deutlich geringer als bei Ungeimpften, besonders ab 30 Jahren. Und das zählt. Alternativen zum Impfen wäre wieder in den Lockdownmodus zu gehen oder einfach die Triage einzuführen und Menschen sterben zu lassen. Und egal wie alt die Betroffenen sind. Ein langsames Ersticken ist kein würdevoller Tot.

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06.10.2021

Die Region „Donauwörth-Nord“? Wemding ist "Donauwörth Nord"?

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