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Donauwörth

23.03.2015

Weniger junge „Komasäufer“ landen in Kliniken

Foto: dpa

Die Zahl der Jugendlichen aus dem Landkreis, die sturzbetrunken ins Krankenhaus gebracht werden, geht deutlich zurück

von Manuel Wenzel

In kurzer Zeit sehr viel Alkohol konsumieren – und das nicht selten ganz bewusst. Dieses Phänomen ist in den vergangenen Jahren unter dem Begriff „Komasaufen“ bekannt geworden. Oft sind die Betroffenen dabei Jugendliche oder junge Erwachsene, die – im wahrsten Sinne des Wortes – trinken, bis der Arzt kommt. Doch die Zahl der jungen Menschen, die mit einem Vollrausch ins Krankenhaus eingeliefert werden, ist deutschlandweit erstmals seit Jahren wieder nach unten gegangen.

Gleiches lässt sich laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik auch für den Freistaat feststellen. 2013 (aus diesem Jahr stammen die aktuellsten Zahlen) mussten in Bayern 5220 Personen unter 20 Jahren alkoholbedingt stationär in einer Klinik behandelt werden. Das sind etwas mehr als acht Prozent weniger im Vergleich zum Jahr davor. Im Donau-Ries-Kreis fällt der Rückgang sogar noch deutlicher aus.

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Wurden im Jahr 2012 noch 43 Personen unter 20 Jahren, die ihren Wohnsitz im Landkreis hatten, mit „akutem Rausch“ eingeliefert, waren es ein Jahr später nur noch 24. Das entspricht einer Abnahme von etwa 44 Prozent. Auch in den Nachbarlandkreisen Dillingen (46 auf 35), Neuburg-Schrobenhausen (40 auf 36) und Augsburg-Land (123 auf 110) sind die Fallzahlen nach unten gegangen, während im Kreis Aichach-Friedberg ein leichter Anstieg verzeichnet wurde (von 53 auf 55).

Wenn Jugendliche volltrunken im Krankenhaus landen, erwartet sie in der Regel folgendes Prozedere: Zur Überwachung kommen sie erst einmal auf die Intensivstation, wo sie auch Infusionslösungen bekommen. Die Entlassung bei jugendlichen alkoholisierten Patienten erfolgt meist am nächsten Tag, „wenn sie ihren Rausch ausgeschlafen haben“. Das teilt Dr. Thomas Eberl mit, Chefarzt Innere Medizin an der Donau-Ries-Klinik in Donauwörth. „Diese Patienten oder in den meisten Fällen die Eltern, die ihre Kinder abholen, bekommen dann von uns einen Flyer von der Caritas mit entsprechendem Angebot der Beratung und auch der ambulanten Anbindung“, berichtet Eberl.

Bei der Caritas bewertet man den Rückgang der jugendlichen „Komasäufer“ positiv, überbewerten will man die Statistik allerdings aber nicht. Schließlich handle es sich dabei lediglich um die in den Krankenhäusern erfassten Fälle. „Die Dunkelziffer ist sicher um ein Vielfaches höher“, sagt Niels Pruin vom Café Connection der Caritas-Suchtfachambulanz Donauwörth. „Aber die Sensibilisierung für dieses Thema scheint in der Tat zugenommen zu haben.“ Dazu haben seiner Meinung nach auch die Maßnahmen in Sachen Prävention beigetragen. Gerade in diesem Bereich sei man im Landkreis Donau-Ries sehr aktiv, sagt Pruin, der gleichzeitig ankündigt: „Auch wenn die Einzelfälle weniger werden – wir arbeiten weiter.“

Ebenfalls regelmäßig mit betrunkenen Jugendlichen zu tun hat die Polizei. „Es kommt immer mal wieder vor, dass junge Leute mit einem erheblichen Alkoholpegel aufgegriffen werden“, berichtet Thomas Scheuerer, Leiter der Inspektion Donauwörth. Allerdings sei die Häufigkeit keineswegs alarmierend. Einen Trend nach unten kann Scheuerer allerdings nicht erkennen, er bezeichnet die Zahl solcher Einsätze in den vergangenen Jahren als „eher gleichbleibend“. Mal gebe es zwei oder drei Fälle im Monat, dann wieder einige Monate überhaupt keinen. Doch auch die Polizei bekommt nur einen Bruchteil der Fälle mit. Scheuerer nennt ein Beispiel: „Wenn sich ein Besucher bei einem Fest bewusstlos trinkt, dann landet er meistens gleich im Krankenwagen.“

Bei den Älteren zeigt der Trend jedoch in die andere Richtung

Dass übermäßiger Alkoholkonsum aber keineswegs nur bei Jugendlichen in der Region ein Problem ist, wird nicht nur von der Polizei und der Suchtberatung bestätigt, sondern geht auch aus der Statistik hervor. Denn bei der Altersgruppe der über 20-Jährigen aus dem Landkreis Donau-Ries, die wegen „akutem Rausch“ in ein Krankenhaus kamen, gab es von 2012 auf 2013 einen Anstieg von rund 30 Prozent – von 84 auf 119 Fälle.

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