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Sport-Historie

08.07.2020

Als der Kaiser, Klinsmann und Co feierten

Nach dem WM-Finale gegen Argentinien jubelte das deutsche Team, hier Holger Osieck, Franz Beckenbauer, Klaus Augenthaler, Stefan Reuter, Jürgen Klinsmann (von links), Frank Mill und Karl-Heinz Riedle (nicht in Bild), über den Sieg.
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Nach dem WM-Finale gegen Argentinien jubelte das deutsche Team, hier Holger Osieck, Franz Beckenbauer, Klaus Augenthaler, Stefan Reuter, Jürgen Klinsmann (von links), Frank Mill und Karl-Heinz Riedle (nicht in Bild), über den Sieg.

Plus Am 8. Juli vor 30 Jahren wurde Deutschland in Rom Fußball-Weltmeister. Einige Experten aus der Region erinnern sich an den 8. Juli 1990 und wie damals gefeiert wurde. Ein besonderes Bild haben sie bis heute im Kopf.

Es war ein unvergesslicher italienischer Sommer, damals vor 30 Jahren – „Un’estate italiana“ (von Gianna Nannini und Eduardo Bennato) hieß auch das offizielle Lied zur Fußball-Weltmeisterschaft 1990 südlich der Alpen. Und mit einem perfekten Ende aus deutscher Sicht: Die Mannschaft von Teamchef Franz Beckenbauer und Kapitän Lothar Matthäus holte sich im Finale am 8. Juli 1990 im Olympiastadion zu Rom mit einem 1:0 gegen Argentinien den Titel. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums haben wir bei einigen lokalen Fußballkennern nachgefragt, wie sie sich an das WM-Finale, das Turnier allgemein und die damaligen deutschen Spieler erinnern.

Der Gang von Beckenbauer bleibt in Erinnerung

„Die deutsche Mannschaft war damals eine sehr kompakte Truppe und hatte mit Lothar Matthäus einen starken Antreiber“, erinnert sich Manfred Spenninger, fast fünf Jahrzehnte Spartenleiter des TSV Wemding. Der Finalsieg gegen Maradonas Argentinier sei hochverdient gewesen, wobei das vermeintliche Foul zum entscheidenden Elfmeter „wohl etwas Schauspielerei von Rudi Völler“ war, schmunzelt Spenninger. Besonders im Gedächtnis geblieben ist dem langjährigen Funktionär, wie Teamchef Beckenbauer nach der Siegerehrung gedankenverloren über den römischen Rasen spazierte. Spenninger, 1990 laut eigener Aussage mit 45 Jahren „im besten Alter“, verfolgte das Finale im damals fast neuen Sportheim auf der Robertshöhe, wo auch gemeinsam gefeiert wurde.

Vielerorts in der Region wurde nach dem WM-Triumph 1990 ausgelassen gefeiert, wie unser Bild aus der Donauwörther Innenstadt von damals zeigt.

Das Bild des einsam durchs Halbdunkel laufenden Beckenbauer ist auch bei Markus Heindl hängen geblieben. Der frühere Leistungsträger des TSV Rain trainiert aktuell den A-Klassisten FC Marxheim/Gansheim und hat an die Weltmeisterschaft 1990 – damals war er 14 Jahre alt – ansonsten aber keine großen Erinnerungen mehr. „Ausgelassen gefeiert hat man in dem Alter natürlich nicht, wahrscheinlich habe ich die deutschen Spiele mit meinen Eltern oder Freunden verfolgt. Public Viewing gab es ja noch nicht.“ Dass der einstige WM-Kapitän Lothar Matthäus als TV-Experte immer noch gefragt ist, nötigt Heindl Respekt ab. „Man belächelt ihn oft wegen seiner privaten Fehltritte, aber fachlich ist er top und er hält sich im Vergleich zu früheren Teamkollegen bis heute in der Öffentlichkeit.“

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Ein schöner Trost für die Wimbledon-Niederlage von Boris Becker

Für den langjährigen Torjäger des VSC Donauwörth und früheren DZ-Sportredakteur, Markus Erdt, gibt es drei zentrale Bilder beim Gedanken an „Italia Novanta“: „Der Elfmeter von Andy Brehme, der weinende Diego Maradona und Franz Beckenbauer allein im Mittelkreis.“ Der damals 14-Jährige verfolgte das Finale mit der Familie im elterlichen Wohnzimmer – wie auch schon die verlorenen Endspiele 1986 und 1982. „Dieses Mal musste es einfach klappen“, erinnert sich Erdt an die Stimmung. Dabei waren die Vorzeichen am 8. Juli 1990 nicht gut. Sein großes Idol Boris Becker hatte wenige Stunden zuvor das Wimbledon-Finale gegen Stefan Edberg verloren. „Der WM-Sieg unserer Fußballer war dann das beste Heilmittel für die geschundene Sportlerseele“ blickt Markus Erdt, der sich nach Abpfiff erstmals selbst wie ein Weltmeister fühlte, zurück. Stolz berichtet er zudem, dass ihm immer noch das Trikot von 1990 passt – „im Gegensatz zu einigen Weltmeistern von damals“, wie Erdt mutmaßt ... Das Team sei eine der besten deutschen Mannschaften gewesen: Spieler auf Weltklasse-Niveau, ein perfekter Kapitän, Wille und Teamgeist sowie eine Lichtgestalt als Trainer. „Da konnte eigentlich nichts schiefgehen.“

Manfred Seitz: "Die Reichsstraße hat in dieser Nacht uns gehört"

Manfred Seitz war auch 1990 schon Spartenleiter beim FC Mertingen, das Amt übt er bis heute aus. In Erinnerung ist ihm geblieben, dass er und seine Freunde nach dem Finalsieg mit einer großen Deutschlandfahne zum Autokorso Richtung Donauwörth aufgebrochen sind. „Die Reichsstraße hat in dieser Nacht uns gehört, alles war voller feiernder Menschen.“ Der deutsche WM-Titel war für ihn eine logische Folge, sei das Team von Beckenbauer insgesamt die beste Mannschaft des Turniers gewesen. Als wegweisend betrachtet Seitz rückblickend das 4:1 im ersten Gruppenspiel gegen den Geheimfavoriten Jugoslawien mit einem überragenden Matthäus. Und auch er hat noch den sinnierenden Teamchef nach Schlusspfiff im Kopf – „wie er mit seinem blau-grauen Anzug spazieren gegangen ist“, kann sich Seitz sogar noch an modische Details beim „Fußball-Kaiser“ erinnern.

Eine der schönsten Weltmeisterschaften

„Es ist im Rückblick eine der schönsten Weltmeisterschaften überhaupt gewesen“, meint Martin Grebel, Vorsitzender des FSV Buchdorf. Er war als damals 18-Jähriger in der örtlichen Landjugend aktiv, und diese hatte aus ihren Bewirtungsersparnissen eigens für das WM-Finale einen Fernseher gekauft. So wurde im Jugendheim gemeinsam gezittert und nach dem verwandelten Elfmeter von Andreas Brehme (Grebel schmunzelnd: „Matthäus hatte ja die Hosen voll“) gejubelt.

Die Pfarrgasse entwickelte sich nach Schlusspfiff zu einer „Partymeile“, denn in einem benachbarten Stadel hatten viele weitere Buchdorfer die Partie verfolgt. Auf der Straße wurde dann noch lange gefeiert, erinnert sich Grebel. Für ihn entscheidend waren neben dem „verdienten Finalsieg“ das 4:1 zum Auftakt gegen Jugoslawien und das emotional aufgeladene 2:1 im Achtelfinale gegen Europameister Niederlande mit der Spuckattacke von Frank Rijkaard gegen Rudi Völler. Gerne erinnert sich Grebel auch noch an das Überraschungsteam aus Kamerun mit dem 38-jährigen Altstar Roger Milla und den exzentrischen Kolumbianer Carlos Valderrama zurück.

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