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Abfallwirtschaft

14.09.2017

Der Kreis befragt die Bürger

Begünstig eine Gelbe Tonne das Anwachsen der Müllberge? Oder sorgt sie dafür, dass mehr Leichtverpackungen der Wiederverwertung zugeführt werden können? Darüber diskutiert der Umweltausschuss des Kreistags.
Bild: Ulrich Wagner

Bei den Politikern gehen die Meinungen über das künftig Sammelsystem für Leichtverpackungen auseinander. Darum wollen sie wissen, was den Menschen lieber ist.

Wäre es nach den Grünen und der ÖDP gegangen, dann hätte der Umweltausschuss des Kreistags bereits gestern entscheiden können. Doch für die übrigen Fraktionen und Gruppierungen gibt es noch einigen Diskussionsbedarf in der Frage, wie künftig die Leichtverpackungen im Landkreis Aichach-Friedberg gesammelt werden sollen: Wie bisher im sogenannten Bringsystem, bei dem jeder Haushalt die Materialien getrennt sammelt und dann zum Wertstoffhof fährt. Oder in einem Holsystem, bei dem alles in eine Gelbe Tonne oder einen Gelben Sack wandert und von der Entsorgungsfirma abgeholt wird. Bevor ein Beschluss fällt, sollen die Bürger bei einer repräsentativen Umfrage ihre Meinung sagen.

Dass der Landkreis um eine Entscheidung nicht herumkommt, machte Landrat Klaus Metzger (CSU) zu Beginn der Beratung deutlich. Denn zum 1. Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft, das höhere Recyclingquoten als bisher verlangt. Und gleichzeitig steht ein Wechsel der Entsorgungsfirma bevor, die unter dem Dach des Dualen Systems Deutschland (DSD) die Verpackungen mit dem grünen Punkt abnimmt und der Wiederverwertung zuführt. Zwar ist noch nicht bekannt, wer der künftige DSD-Vertragspartner ist. Doch das neue Gesetz bietet dem Landkreis die Möglichkeit, bereits im Vorfeld Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit zu definieren. Dazu braucht die Kreisverwaltung eine Vorgabe der Politik.

Für Klaus Becker (Grüne) steht dabei nicht zur Debatte, aus dem bisherigen System der Wertstoffhöfe auszusteigen. Gelber Sack oder Gelbe Tonne führen nach seiner Einschätzung zu weniger Müllvermeidung. Becker sprach sich auch gegen eine repräsentative Umfrage aus. Vielmehr solle der Wille der Bürger berücksichtigt werde, die sich bei einem Entscheid im Jahr 2005 für die Variante Wertstoffhof ausgesprochen hatten.

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Die Zeiten hätten sich geändert, hielt Matthias Stegmeir (CSU) dagegen. Er kann sich die Einführung einer Gelben Tonne mit vierwöchiger Leerung vorstellen. Der Vorteil: Wenn sich in einigen Jahren tatsächlich die Wertstofftonne durchsetzt, in der vom Joghurtbecher bis zum Putzkübel alles entsorgt werden darf, dann stehen bereits geeignete Gefäße in den Haushalten.

„Wir werden für die sortenreine Sammlung nicht belohnt“, stellte Karlheinz Schindler (SPD) fest. Tatsächlich spielt das Sammelsystem keine Rolle bei der Frage, welcher Anteil der Verpackungen stofflich verwertet und welcher einfach verbrannt wird. Das haben die Nachfragen der Kreisverwaltung bei den DSD-Firmen ergeben. Für welche Form man sich entscheide, müsse jeder selber bestimmen. Schindler warnte aber vor der Illusion, bei einer Umstellung auf Gelbe Tonne bzw. Sack würden die 28 Wertstoffhöfe im Landkreis in ihrer heutigen Form fortbestehen.

Peter Erhard (Freie Wähler) plädierte dafür, es dem Bürger so einfach wie möglich zu machen. Aus Sicht von Eva Ziegler (Unabhängige) ist das Wie zweitrangig. Wichtig sei, was mit den Dingen geschehe, die die Bürger sammeln. Dass letztlich nur ein Drittel des Materials tatsächlich recycelt wird, hält sie schlicht für schäbig. „Umso mehr wird abgeliefert und umso weniger wandert in Wälder und Fluren“, sagte er.

Berta Arzberger (ÖDP), die wie die Grünen am bestehenden System festhalten will, plädierte für einen neuen Bürgerentscheid. Doch dafür reiche die Zeit nicht, sagte Landrat Metzger und verwies zudem auf die Kosten von 140000 Euro. Bis zu nächsten Sitzung Anfang Oktober soll die Verwaltung darum Angebote für eine repräsentative Befragung einholen und einen Fragenkatalog erarbeiten. Dagegen stimmten Grüne, Unabhängige, ÖDP und Hans-Dieter Kandler (SPD).

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