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06.09.2018

Er setzt auf Durstlöscher und edle heiße Tropfen

Jürgen Kunzmann ist Inhaber des gleichnamigen Familienunternehmens aus Dasing. Beim umkämpften Handel mit Getränken ist die Firma seit Jahrzehnten mit verschiedenen Produkten erfolgreich.<b>  </b>
Bild: Philipp Schröders

Ein mittelständisches Dasinger Unternehmen behauptet sich im umkämpften Handel mit Getränken. Inhaber Jürgen Kunzmann hat ein Rezept für seinen Erfolg.

Wer sich in Friedberg in ein Café setzt und ein S. Pellegrino bestellt, bedenkt wahrscheinlich nicht, dass die Mineralwasserflasche einen weiten Weg hinter sich hat. Über mehrere Hundert Kilometer ist sie quer über die Alpen aus der Provinz Bergamo angeliefert worden. Viele wissen zudem nicht, dass hinter dem „italienischen Klassiker“ ein weltweit agierender Konzern steckt, der eher für Fertiggerichte, Süßigkeiten und Pulvercafé bekannt ist. Seit 1997 gehört S. Pellegrino zu Nestlé.

Beim Handel mit Getränken in Deutschland mischen einige Schwergewichte der Lebensmittelindustrie mit. Dennoch kann sich seit Jahrzehnten ein mittelständisches Unternehmen aus Dasing mit etwa 60 Angestellten dort behaupten. Die Firma Kunzmann ist weiterhin in Familienhand. Inhaber Jürgen Kunzmann führt das Geschäft zusammen mit seiner Frau Natalie. Unter anderem hat das Unternehmen den Saft der Marke Kela und das Wasser der Albertusquelle im Sortiment. Im vergangenen Jahr sind in Dasing laut Kunzmann 50 Millionen Flaschen abgefüllt worden. Diese Produktion beinhaltet 3,5 Millionen Liter Wein.

Die Anfänge der Firma reichen in die 1950er-Jahre zurück. „Bis heute war es ein weiter Weg“, sagt der 54-jährige Kunzmann. Sein Vater Rudolf startete mit einem Wein- und Spirituosenhandel in Augsburg. „1956 hat er den Glühwein erfunden.“ Seither gelte das Unternehmen als die älteste Glühweinkellerei Deutschlands. Im Jahr 1978 wurde der Firmensitz nach Dasing verlegt, zunächst bei Neumühle. „Dort haben wir angefangen, Weinschorle abzufüllen. Immer noch einer unserer stärksten Artikel“, sagt Kunzmann. Später folgte der Neubau in der Taitinger Straße, wo die Firma heutzutage noch ihren Sitz hat. Jürgen Kunzmann begann 1982 seine Lehre als Industriekaufmann. Damals seien die Mineralbrunnen, also Unternehmen die Mineralwasser abfüllen, immer stärker geworden und machten dem Dasinger Unternehmen Konkurrenz.

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Rudolf Kunzmann plante, selber in das Geschäft einzusteigen. Doch 1995 starb er plötzlich. Jürgen Kunzmann übernahm gemeinsam mit seiner Mutter Karola die Geschäftsführung. Ein Jahr später erschlossen sie auf dem Betriebsgelände in Dasing die Albertus-Quelle. „Neben Wein und Glühwein kam unser zweites Standbein hinzu“, sagt Kunzmann.

Doch der Unternehmer traf noch eine weitere „strategische Überlegung“, um die Firma breiter aufzustellen. 2000 übernahm er den Fruchtsafthersteller Kela in Hurlach. „Mit dieser Kombination sind wir in Deutschland einzigartig“, sagt Kunzmann. Doch wie trägt das zum Erfolg bei?

Der Dasinger Unternehmer setzt auf Synergieeffekte, also dem Zusammenwirken mehrerer Sparten. Ein Mineralbrunnen, der sein Sortiment mit Weinschorle erweitern will, steht vor zahlreichen Problemen. Er muss Mitarbeiter finden, die sich mit der Abfüllung auskennen. Er braucht eine Weinkellerei. Er muss neue Vertriebswege finden. „Für uns war das alles schon lange Tagesgeschäft.“

Durch die Fruchtsaftherstellung lasse sich wiederum hervorragend das Weinsortiment ergänzen. Das Unternehmen vergesse seine Herkunft nicht. Doch Kunzmann wolle sich auch mit innovativen Produkten am Markt behaupten. In Hochglanzprospekten werden neben edlem Glühwein alkoholfreie Punschgetränke angeboten. Hier kommt die Überschneidung. „Eine reine Weinkellerei würde sich da schwertun, aber wird haben das Know-how für den Saftbereich.“

Die Vertriebswege seiner Produkte hat Kunzmann dabei genau im Blick. Große Unternehmen wie Gerolsteiner transportieren die leeren Mehrwegflaschen durch die ganze Republik. Das Mineralwasser kommt ja immer aus der gleichen Quelle. Bei S. Pellegrino sind die Wege noch weiter. „Das ist ökologisch eine Todsünde“, sagt Kunzmann. Für seine Mehrwegprodukte, zum Beispiel Albertus und Kela, wählt er einen Radius von ungefähr 120 Kilometern. Die Einwegsparte der Fruchtsäfte und der Glühwein werden dagegen national vertrieben.

In seine Mitarbeiter investiert Kunzmann bewusst. „Sie sind ein elementarer Bestandteil des Unternehmens.“ Der Inhaber spricht von flexiblen Arbeitszeiten, Sportangeboten und der Entlohnung. Viele Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten im Betrieb. Dabei spürt auch Kunzmann den Fachkräftemangel. Doch darin sehe er eine Chance, sich qualifiziertes und engagiertes Personal zu angeln. „Ich habe noch nie so viele Mitarbeiter gehabt und noch nie so viele gute“, sagt er.

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