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Friedberg

17.04.2019

Friedberg hat jetzt drei Waldfriedhöfe

Seit vergangener Woche sind auf dem Friedberger Friedhof Herrgottsruh Baumbestattungen möglich. Derzeit plant die Stadt mit rund 65 solcher Grabstätten. Auch in Ottmaring und Wulfertshausen wird diese Form der Bestattung angeboten. Sie ist deutlich teurer als traditionelle Urnen- oder Erdbestattungen.
Bild: Tom Trilges

Fortan ist es in Friedberg möglich, sich statt einem traditionellen Urnengrab für eine Beerdigung auf der Wiese umgeben von Bäumen zu entscheiden.

Erst zu Jahresbeginn sind sie von der Lokalpolitik beschlossen worden, schon gibt es sie: Friedbergs erste Bestattungen auf sogenannten Waldfriedhöfen. Zum Start waren es binnen einer Woche zunächst zwei Stück – eine in Herrgottsruh und eine in Ottmaring. Das teilte der Pressesprecher der Stadt Friedberg, Frank Büschel, auf Anfrage mit. Zudem besteht die Möglichkeit einer solchen Bestattung auch in Wulfertshausen. Doch was spricht für diese neue Alternative und was dagegen?

Grab auf Waldfriedhof in Friedberg ist teuer

Die Kosten wirken zunächst eher abschreckend: 1673 Euro müssen Angehörige für ein Grab auf dem Waldfriedhof in Friedberg bezahlen. Zum Vergleich: Ein gewöhnliches Urnengrab liegt dort bei 1073 Euro, ein Erdbestattung in einem Einzelgrab bei 1171 Euro. Die Bestattungsgebühren hatten sich zu Jahresbeginn im Schnitt um rund 20 Prozent erhöht, wie wir berichteten.

Friedbergs Stadtpfarrer steht den neuartigen Urnengräbern auf dem Waldfriedhof ohnehin eher skeptisch gegenüber. „Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass es den Angehörigen wahnsinnig viel gibt, ihre Lieben tatsächlich im Sarg in die Erde hinabgelassen zu sehen. So erfahren sie eine Endgültigkeit und können alle Phasen der Trauer durchleben. Deshalb plädiere ich immer für eine Verabschiedung der Toten im Sarg statt in einer Urne“, sagt Pater Steffen Brühl. Allerdings sei der Trend zur Urnenbestattung – meist aus praktischen Gründen – offensichtlich, was er auch akzeptiere.

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Friedberger Stadtpfarrer: "Grab muss identifizierbar sein"

Extrem wichtig war dem Stadtpfarrer in Friedberg dagegen etwas anderes beim neuen Waldfriedhof: „Das Grab muss nach unserer Lehre identifizierbar sein. Die Würde jedes Menschen wird so nach dem Tod gewahrt. Auch nach der Bestattung sollen die Verstorbenen einen Namen haben. Das ist jetzt gegeben.“ Auf etwa 1,80 Meter hohen Stelen des Friedberger Steinmetzes Markus Seidl sind nämlich die Namen der Toten eingraviert.

In den Gesprächen mit den Stadtwerken habe er darüber hinaus darauf bestanden, dass auf den Stelen ein religiöser Bezug erkennbar wird, so Pater Brühl. Dies sei gelungen, indem der Spruch „Jesus lebt, mit ihm auch ich“ nach dem Titel eines Osterliedes von Christian Fürchtegott Gellert aus dem Jahr 1757 an den Außenseiten zu lesen ist. Zusätzlich entwarf der Steinmetz Seidl als Motiv für die Grabdenkmäler eine sich hochrankende Pflanze. Auf Bronzeblättern, die sich in die Optik der Pflanze einfügen, stehen die Namen der Verstorbenen.

Friedberg: Waldfriedhöfe nicht das Gleiche wie Baumbestattungen

Pater Brühl grenzt die neuen Waldfriedhöfe klar von einer anderen Variante ab – den Baumbestattungen: „Dabei liegen die Gräber einfach nah an anderen Bäumen. Bei einer Baumbestattung bildet der Baum den zentralen Teil des Grabes. Oft ist das mit einer pantheistischen Auffassung verbunden, die wir nicht teilen können.“

In Herrgottsruh befindet sich der Waldfriedhof im südlichen Bereich jenseits der Friedhofsmauern. Derzeit stehen dort rund 65 der neuartigen Grabstätten zur Verfügung, in Ottmaring und Wulfertshausen sind es jeweils 20. „Aber die Kapazitäten können wir mehr oder weniger unbegrenzt ausbauen, das kommt ganz auf die entsprechende Nachfrage der Menschen an“, sagt Stadtsprecher Frank Büschel.

In den meisten anderen Orten des Landkreises Aichach-Friedberg besteht die Option der Baumbestattung bisher nicht. Lediglich auf dem Neuen Friedhof in Mering wird sie bereits angeboten. Kissing und Dasing berichten von wenigen beziehungsweise gar keinen Anfragen zu dem Thema. Merching denkt zwar über die Einführung nach, zuerst müssten dort aber geeignete Plätze geschaffen werden. In Aichach gab es bisher nur negative Signale aus dem Stadtrat zu Baumbestattungen – zum einen wegen eines vermeintlichen Flächenmangels. Darüber hinaus äußerten Politiker dort die Sorge, dass auf den Gräbern herumgetrampelt werden könnte.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Tom Trilges: Mehr auf Angehörige zugehen

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