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Sommergespräch

21.09.2017

Liebevolle Pflege im Heim ebenso wie zu Hause

Klaus Mayinger leitet das Pflegeheim St.Agnes in Mering und ist Geschäftsleiter zweier Sozialstationen. Dass die Zimmer für die Senioren wohnlich sind, ist ihm ein Anlegen. Hilfsmittel wie der Stehlifter erleichtern die täglichen Bewegungen, wie etwa den Wechsel vom Bett in den Rollstuhl. 

Klaus Mayinger ist Chef eines Seniorenheims und zweier Sozialstationen. Worin er die Aufgabe der Zukunft sieht.

Vergnügt schiebt ein älterer Mann eine Frau im Rollstuhl zur Türe des Meringer Pflegezentrums St. Agnes hinaus. Die beiden haben sich hier als Bewohner kennen gelernt. Der Umzug ins Heim kann auch ein Weg aus der Einsamkeit sein, beobachtet Klaus Mayinger. Seit 2009 leitet er die Meringer Einrichtung mit 89 Plätzen. Außerdem ist der 53-Jährige Geschäftsführer zweier Sozialstationen, seit 1998 in Mering und seit 2012 auch in Marktoberdorf. Alle drei Einrichtungen gehören zur Caritas. Seit seinen Anfängen hat sich in der Pflege vieles verändert.

Mayinger stammt ursprünglich aus Gersthofen und lebt heute in Königsbrunn. Schon als Schüler jobbte er im sozialen Bereich, engagierte sich bei Jugendprojekten und fuhr Essen auf Rädern aus, damals für den paritätischen Wohlfahrtsverband. Dort machte er beim Landesverband eine Ausbildung zum Kaufmann. Bei seiner ersten Stelle in Augsburg betreute er die EDV-Einführung und wechselte für einige Jahre zur zuständigen Computerfirma. Für diese führte er Unternehmensberatungen und Schulungen durch und lernte Programmieren. Auf ein entsprechendes Angebot hin übernahm er dann die stellvertretende Leitung eines Heims in Stuttgart, das er später kommissarisch leitete. 1998 kehrte er als Geschäftsführer der Meringer Sozialstation in den Raum Augsburg zurück.

Neue gesetzliche Regelungen zielen darauf ab, dass die Menschen möglichst lange zu Hause betreut werden und nicht im Heim. Mayinger kennt mit Sozialstation und St. Agnes beides. „So lange die Pflege zu Hause organisiert werden kann – vor allem durch Dienstleistungen - möchte man zu Hause bleiben, das möchte ich auch“, sagt er. Und es gebe Beispiele, da klappe es wunderbar, gerade wenn ein gewisser finanzieller Hintergrund da ist. „Aber ich würde nie von meinen Kindern verlangen, dass sie mich pflegen. Denn das ist eine enorme Belastung“, sagt der Vater zweier Töchter. Wichtig sei es doch, bewusst Zeit miteinander zu verbringen. Er erlebe es, dass Angehörige bei den Besuchen in St. Agnes mehr voneinander haben als früher beim Zusammenleben unter einem Dach.

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Im Kreis Aichach-Friedberg gibt es 16 Pflegeheime und fünf Seniorenwohngemeinschaften mit insgesamt knapp 1000 Plätzen, weitere 115 sind im Bau und werden den aktuellen Engpass beheben, erklärt Altenhilfereferent Alf Neumeier vom Landratsamt. Wesentlich dramatischer ist – da sind sich Neumeier und Mayinger einig – der Mangel an Kapazitäten in der Kurzzeitpflege. Diese ist jedoch ganz entscheidend dafür, dass ambulante Pflege funktionieren kann. Sie bietet Rückhalt, wenn pflegende Angehörige selbst krank werden oder Urlaub brauchen und überbrückt, wenn Patienten aus der Klinik entlassen werden und die Betreuung erst organisiert werden muss.

Noch knapper sind laut Mayinger die Plätze in der ambulanten Pflege. So müsse die Sozialstation manchmal Patienten abweisen. „Hier ist es besonders schwer Personal zu finden und der Bedarf ist enorm gestiegen“, erklärt Mayinger. Als er 1998 anfing, habe die Sozialstation täglich 150 Patienten gehabt, heute sind es 330. Um die personellen Engpässe zu lösen, schlägt der Meringer Einrichtungsleiter neue Wege ein. So hat er fünf Mitarbeiter aus Bosnien-Herzegowina gewonnen. Sie haben in ihrem Heimatland die vierjährigen Krankentechniker-Ausbildung absolviert. Diese müssen sie in Deutschland anerkennen lassen. Darin unterstützt sie Mayinger und hat einen Deutschkurs im Haus organisiert. Hier würde er sich wünschen, dass die Regierung bürokratische Hürden abbaut.

Das gelte auch für die Pflege an sich. Für die eigentliche Versorgung der Menschen bleibe zu wenig Zeit. Aus den Gesprächen mit seinen Mitarbeitern hat er den Eindruck, dass dieser Mangel für sie das größte Problem an ihrem Job ist. Er ist überzeugt, dass viele Medikamente nicht notwendig wären, wenn die Mitarbeiter mehr Zeit mit den Bewohnern hätten. „Denn was die Leute am dringendsten brauchen, ist Zuwendung“. Und die Anforderungen werden höher: „2009, als ich hier anfing, hatten wir in St. Agnes 35 Prozent demente Bewohner“, erzählt der 53-Jährige. „Heute geht die Tendenz zu 70 Prozent und darunter schwerste Fälle, die früher viel seltener waren.“

Der Einrichtungsleiter ist überzeugt, dass bei vielen Beschwerden die Ursache in der Psyche liegt und setzt auf alternative Methoden. Neuestes Projekt in St. Agnes ist die Aromatherapie. Drei Mitarbeiter hat Mayinger zum Aromaexperten fortbilden lassen. In den Gemeinschaftsräumen sollen bestimmte Düfte die Stimmung der Bewohner heben, sowie am Morgen belebend und am Abend beruhigend wirken – Erfahrungswerte stehen noch aus.

Eine ganze Reihe an Beschäftigungsangeboten wie Sitztanz und Kreativkurse soll außerdem dafür sorgen, dass sich die Bewohner wohl fühlen. Dabei können sie ihren Einrichtungsleiter von einer anderen Seite kennen lernen. Der blickt nämlich auf rund 50 Jahre Bühnenerfahrung zurück und musiziert selbst bei Faschingsfeier, Oktoberfest oder an Weihnachten. Sein Repertoire reicht von Udo Jürgens bis zu Musicals wie Tanz der Vampire. Seine Leidenschaft für die Musik und seine Aufgabe als Leiter der Senioreneinrichtung – das passt für ihn gut zusammen: „Pflege ist Liebe“, sagt er mit Überzeugung.

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