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Aichach-Friedberg

17.03.2019

Wohin kann ich jetzt mit meinem Baby?

Im April können in Friedberg voraussichtlich keine Babys auf die Welt gebracht werden. Künftig wollen die Kliniken an der Paar mit der Uniklinik kooperieren, um die Station zu sichern.

Im Drama um die Geburtshilfe lassen wir die zu Wort kommen, die es am meisten betrifft: werdende Mütter. Sie schätzen die familiäre Station in Friedberg.

Traurig und entsetzt waren viele werdende Mütter, als sie in unserer Zeitung lasen, dass der Geburtshilfe Friedberg im April das Aus droht. Einige wollten die Hoffnung aber nicht auf geben - zurecht, wie sich herausstellte. Ab Mai wollen die Kliniken an der Paar parallel zur Belegabteilung eine Hauptabteilung mit fest angestelltem Personal aufbauen; dann sollen Geburten in Friedberg wieder möglich sein. Außerdem stockt die Augsburger Uniklinik Personal auf, damit auf jeden Fall alle Frauen versorgt werden können. Viele von ihnen wollen aber bewusst nach Friedberg, so Cornelia Dengler.

„Ich habe meine ersten beiden Kinder in Friedberg bekommen. Ich persönlich mag lieber kleine Krankenhäuser, in denen es noch familiärer ist. Der Gedanke, dass ich mit dem Dritten ins Klinikum oder Josefinum muss, ist für mich sehr schlimm“, schreibt sie. Sara Fusaro meint ebenfalls: „Man braucht doch Alternativen zu Augsburg!“ Sie möchte im April im Josefinum entbinden und hat Angst, dass es dort nun sehr voll wird.

Bettina Vogl sagt: „Ich hätte es, glaube ich, nicht bis Augsburg rein geschafft und meine Kinder dann im Auto bekommen.“ Aber so belege man dann auch keinen Kreißsaal und benötige keine Hebamme. „Kommt auf jeden Fall für die Krankenkasse billiger“, schreibt sie lakonisch.

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Tanja Fischer hat kein Auto. Daher sei sie auf Friedberg angewiesen. „Irgendwo muss ich doch entbinden können, was nah an meinem Ort ist“, meint sie.

Auch beide Kinder von Melanie Eichoa kamen in Friedberg auf die Welt. „Es waren superschöne Geburten“, schreibt sie und lobt die gemütliche Umgebung und die einfühlsamen Hebammen. „Ich wäre sehr traurig, wenn es die Station nicht mehr gäbe.“

Sogar eine Krankenschwester, die am Klinikum Augsburg gelernt hat, aber auch Friedberg gut kennt, schreibt uns: „Obwohl Augsburg die maximale Versorgung bieten kann, ist Friedberg mein klarer Favorit!“ Es sei ein kleines Haus, die Hebammen seien sehr engagiert und gingen individuell auf ihre Patientinnen ein. Auch Väter und Angehörige würden gut eingebunden und versorgt.

Petra Holland hat ihren Sohn in Friedberg zur Welt gebracht. Sie sei dankbar für die gute Betreuung rund um die Geburt und die Tage danach gewesen – von Hebamme über Frauenarzt bis hin zu den Krankenschwestern. Es mache sie und ihren Mann traurig und fassungslos, wie schnell eine solche Station in einem „funktionierenden Land“ wie Deutschland in Gefahr geraten kann.

Veronika Menter ist aus Friedberg und mit dem dritten Kind schwanger. „Ich will auf gar keinen Fall in Augsburg entbinden. Mir hat die familiäre Atmosphäre immer sehr gut gefallen und ich war beide Male total zufrieden.“ Sie schätze die tollen Hebammen und das nette Pflegepersonal.

"Die Betreuung in Friedberg ist erstklassig!"

Eltern zeigen aber auch Verständnis für die Belegärzte, die sagen, sie seien an der Grenze der Belastbarkeit und könnten die Rufbereitschaft für 730 Geburten im Jahr mit wenigen Ärzten nicht mehr abdecken. So schreibt ein Leser, dessen Frau von einem der Friedberger Belegärzte betreut wurde: „Das Ganze ist doch nicht neu. Schon vor Jahren haben die drei Belegärzte am Rande ihre Kapazität gearbeitet.“ Er drücke die Daumen, dass es eine Lösung gibt. „Denn die Betreuung ist erstklassig!“

Eine andere Frau hat bereits zwei Kinder mit der Hilfe eines Belegarztes in Friedberg entbunden. „Es waren tolle Geburten mit sehr viel Geborgenheit“, findet sie. In der letzten Zeit habe sie gemerkt, dass der Arzt sehr oft müde ist. „Er sagte immer wieder, dass es zu anstrengend sei. Ich verstehe das sehr gut!“, schreibt sie. Die Friedbergerin setzt weiter auf Friedberg. „Ich möchte mein Baby nicht in einem großen Haus bekommen.“ Für sie wäre nur Bobingen eine Alternative.

Susanne Götsch ist gebürtige Friedbergerin, deshalb will auch sie nur hier entbinden. Grötsch weiß, dass die Situation der Belegärzte seit Jahren angespannt ist. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ärzte ohne Versuch eines Gesprächs zur Sensibilisierung der Lage, den Bereitschaftsdienstdienst nun nicht mehr abdecken können oder wollen.“ Was für die 29-Jährige am meisten für Friedberg spricht, sei, „dass ich mich auf der Station wohlfühle“. Vor allem bei deinem ersten Kind sei es beruhigend zu wissen, dass man in Friedberg nicht alleine gelassen wird. Man bekomme das Gefühl vermittelt, „wir schaffen das alle zusammen“. „Und abschließend zu sagen: Ich bin Friedberger und kein Augsburger! Von daher will ich auch nicht nach Augsburg zum entbinden“, schreibt sie.

Was sollen Frauen aus Friedberg und Aichach jetzt machen?

Der Geschäftsführer der Kliniken an der Paar, Dr. Krzysztof Kazmierczak, empfiehlt betroffenen Frauen, mit ihrer Hebamme und ihrem Gynäkologen zu sprechen und auf dieser Basis die Entscheidung über die Geburtsklinik zu fällen. Auch wenn es im April in Friedberg voraussichtlich keine Geburten geben kann, sei es ihm nicht erlaubt, Empfehlungen für andere Häuser abzugeben.

In der letzten Zeit haben außer Aichach weitere Geburtenstationen in Bayern geschlossen, unter anderem Schrobenhausen und Schwabmünchen. In Nördlingen soll wie in Friedberg eine Haupt- statt einer Belegabteilung die Rettung bringen. In der Region haben neben Uniklinik und Josefinum auch Bobingen, Dachau und Neuburg Geburtenstationen. (kru, saro, tril)

Am Montag Diskussion zur Geburtshilfe in Aichach

Die Frauen-Union veranstaltet am Montag, 18. März, in Aichach eine Diskussionsrunde zum Thema „Geburtenabteilung im Krankenhaus Aichach“ mit Gesundheitspolitikern, dem Landtagsabgeordneten Peter Tomaschko, Ärzten und Hebammen. Beginn ist um 18.30 Uhr im TSV-Re(h)staurant.

Lesen Sie den Hintergrundbericht: Friedberg: Der Rettungsplan für die Geburtshilfe

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