Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. 88 Jahre, 68 Stundenkilometer

Bitzmarathon

16.04.2015

88 Jahre, 68 Stundenkilometer

Mit einer Laserpistole hat die Polizei in der Heidenheimer Straße in Günzburg beim bundesweiten Blitzmarathon Temposünder gemessen. An den Messstellen im Landkreis kamen aber auch andere Messtechniken zum Einsatz.
Bild: Rebekka Jakob

Die Günzburger Polizei ertappt bei ihren Messungen Temposünder jeden Alters. So reagieren die Fahrer.

Von Rebekka Jakob

Günzburg Er war mit Sicherheit nicht der Schnellste, vermutlich aber einer der ältesten, die am Donnerstag im Rahmen des bundesweiten Blitzmarathons in Günzburg gemessen wurden: „88 Jahre bin ich alt, vier Wochen älter als Papst Benedikt“, meint der Autofahrer aus Hammerstetten, während er auf seine Quittung wartet. Die bekommt jeder Temposünder, der bar bezahlt. 25 Euro kostet den Hammerstetter seine Fahrt, die ihn eigentlich nach Lauingen führen soll. In der Heidenheimer Straße, nahe beim Waldbad, muss er jedoch erst einmal einen unfreiwilligen Zwischenstopp einlegen. Verkehrssachbearbeiter Dieter Blösch von der Polizeiinspektion Günzburg hat ihn mit der Polizeikelle auf einen Feldweg herausgewunken, 68 Stundenkilometer schnell war der Rentner unterwegs, wo eigentlich Tempo 50 gilt. Und geärgert hat er sich schon ein bisschen, gibt der 88-Jährige zu. „Ich hab’s schließlich heute früh noch bei Euch in der Zeitung gelesen, dass heute geblitzt wird.“ Der frühere Berufs-Fahrer nimmt das Bußgeld aber trotzdem mit Humor. „Geht halt alles von meinem Erbe ab.“

Sieben Temposünder messen die Günzburger Polizisten in einer Stunde an der Heidenheimer Straße. „Ehrlich gesagt, hätte ich nicht damit gerechnet, dass es so viele werden. Die Aktion heute wurde ja überall angekündigt“, sagt Dieter Blösch. Morgens, bei der Messung in der Lochfelbenstraße, gab es nur drei, die zu schnell gefahren waren. Diesmal ist sogar ein Lkw-Fahrer dabei, der zähneknirschend seinen Geldbeutel zückt, um für seine 66 gefahrenen Stundenkilometer zu bezahlen. „In dem Moment wo er mich raus winkt, denk ich, heute ist ja der Blitzmarathon. Jetzt kann ich einmal weniger Pizza essen gehen“, bedauert er. Wo er gemessen wurde, hat er gar nicht bemerkt. Dabei steht sein Lastwagen jetzt gerade fast direkt neben dem dunklen Wagen, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite am Fahrbahnrand steht. Darin sitzt der Polizeibeamte mit der Laserpistole, die bis zu 1000 Meter entfernt das Tempo der Fahrzeuge erfassen kann – ein lauter Doppelpiepton gibt an, wenn die Messung erfolgreich war.

„An dieser Stelle bietet sich die Messung mit der Laserpistole an“, sagt Dieter Blösch, „an anderen Stellen sind beispielsweise Lichtschranken die bessere Alternative.“ Der Verkehrsexperte hält aber für den Blitzmarathon die Laserpistole mit „Sofortkasse“ für die bessere Alternative. „Es ist ja Sinn der Sache, dass wir direkt mit den Leuten reden können. Sonst werden sie gemessen und bekommen irgendwann Post.“ Nicht an jeder Stelle können die Polizeibeamten messen – und sie müssen bei der Aktion auch auf ihre eigene Sicherheit achten. „Gerade außerorts, vor allem bei Dunkelheit, möchte ich nicht, dass sich jemand mit der Kelle hinstellen muss und die Leute rauswinken, die angerast kommen.“

Über Funk meldet der Kollege aus dem Auto die nächste Fahrerin, die zu schnell unterwegs war – 72 Stundenkilometer zeigt das Display an. Das wäre eigentlich schon ein Verstoß im Bereich von 80 Euro und einem Punkt in Flensburg. Die Polizei zieht jedoch noch eine Messtoleranz vom tatsächlich gemessenen Wert ab. So bleibt es auch bei der Fahrerin aus dem Kreis Heidenheim bei einem Bußgeld von 35 Euro. „Die hätt ich gut und gerne für was anderes ausgeben können“, ärgert sie sich über sich selber. Und sie sagt, was wohl die meisten Geblitzten beteuert haben: „Normalerweise fahr ich immer langsam.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren