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Landkreis Günzburg

30.11.2020

Büchereien im Kreis Günzburg im Corona-Lockdown: Jetzt müssen auch sie schließen

Das Günzburger Bücherei-Team unter Leitung von Angelika Gathemann-Schnelle hatte umfangreiche Hygiene-Schutzmaßnahmen umgesetzt, damit Publikumsverkehr möglich blieb. Dazu gehörten klar gekennzeichnete Laufwege und eine begrenzte Besucherzahl. Nun muss die Bildungseinrichtung erneut schließen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Ab diesem Dienstag müssen auch die heimischen Büchereien bis auf Weiteres zusperren. Welche Alternativen Mediennutzer jetzt im Landkreis Günzburg finden.

Jetzt also auch die Büchereien. Ab diesem Dienstag, 1. Dezember, und vorerst bis 20. Dezember werden die im Rahmen staatlicher Pandemie-Eindämmungsstrategien gefassten Beschlüsse zu Kultureinrichtungen auf die Bibliotheken ausgeweitet. Es ist das zweite Mal in diesem Jahr, dass die Bildungseinrichtungen für den Publikumsverkehr schließen müssen. Bereits im Frühjahrs-Lockdown gab es acht Wochen lang keine Möglichkeit, Bücher aus dem Präsenzbestand zu leihen. So sind die Reaktionen in Günzburg und Krumbach.

Dabei nimmt die Leselust, überregionalen Beobachtungen zufolge, in dieser Zeit der Corona-Krise sogar zu. Entsprechend viele Leser wechselten heuer zum ersten Mal und oft nur vorübergehend zum digitalen Medienkonsum. So hat es zum Beispiel Birgit Fleiner erlebt. Die Leiterin der Stadtbücherei Krumbach erinnert sich: „Am letzten Öffnungstag im März wurden noch einmal viele Bücher abgeholt, während der Schließung aber haben extrem viele Leser die E-Book-Ausleihe benutzt.“

Die Schnittmengen sind laut Fleiner groß; viele Kunden lesen sowohl auf Papier als auch im Internet. Und: „Die Onleihe ist kein genaues Abbild der Präsenzbibliotheken. Manche Bücher gibt es nur auf dem einen oder anderen Kanal.“

Die Büchereien Günzburg und Krumbach bieten auch online Medien an

Das ist aber schon die einzige Einschränkung, denn echte Bücherwürmer lassen sich von der Pandemie nicht nachhaltig von ihrem Hobby abhalten. In der Not greifen augenscheinlich auch jene, die viel lieber ein Buch in der Hand halten, zum elektronischen Lesegerät.

Die Auswahl im Internet ist jedenfalls immens. Unter der Bezeichnung Onleihe Schwaben bieten insgesamt 22 Büchereien von Neuburg bis Neu-Ulm und von Lindau bis Nördlingen ihren digitalen Bestand zur Ausleihe an. Die Stadtbüchereien Krumbach und Günzburg sind hier ebenfalls dabei. Der Clou an der Sache: Die komplette Bandbreite aller Medien steht allen Mitgliedern der hier vereinigten Bibliotheken zur Verfügung. Das Ganze funktioniert dann wie in der Präsenzbücherei: anmelden, suchen, leihen, nutzen, zurückgeben. Und falls ein interessanter Titel gerade entliehen ist, kann er vorgemerkt werden. Alles wirkt übersichtlich und komfortabel.

Büchereien wollen auch im Lockdown Print-Angebote anbieten

Dennoch überzeugt das Konzept Online-Ausleihe nicht jeden. In Krumbach wurde deshalb bereits ein System der kontaktlosen Medienausleihe vor Ort etabliert. Inhaber eines Büchereiausweises können seit geraumer Zeit bis zu zehn Wunsch-Titel bestellen und ihr Medienpaket zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem festgelegten Ort in Empfang nehmen.

Angelika Gathemann-Schnelle, Leiterin der Stadtbücherei Günzburg, kennt ebenfalls jede Menge konservative Bücherfreunde, denen allein der Gedanke ans Lesen auf dem Bildschirm einen Schauder den Rücken hinab schickt. Auch in Günzburg arbeite man deshalb an einer Büchertaschen-Aktion, berichtet sie. Ein Ansteckungspotenzial könnte so praktisch auf die Nulllinie gedrückt werden.

Dabei waren die coronabedingten Hygieneauflagen für Büchereien schon bisher umfassend. Neben einer Personenbegrenzung und den inzwischen allgemein bekannten Abstandsregeln galt hier zum Beispiel die Vorgabe, dass jedes Buch nach der Rückgabe desinfiziert und anschließend für 24 Stunden in Quarantäne gelegt wird. Leseecken oder gar Lesecafés mussten ohnehin geschlossen werden.

Kritik an der neuen Vorschrift

Für all jene, denen das haptische Gefühl beim Lesen wichtig ist, war der Besuch der Bücherei also schon in den vergangenen Monaten kein purer Quell der Freude mehr. Dennoch bewegten sich die Zahlen in Günzburg über den Sommer mit mehr als 10.000 Ausleihen pro Monat beinahe auf dem Niveau des Vorjahres.

Ob die Idee mit den Bücherpaketen auch unter den neuen Vorgaben gesetzeskonform ist, bleibt zunächst offen. Anfragen seitens der heimischen Büchereien laufen. Fleiner wartet diesbezüglich noch auf Vorgaben von der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen in München. Abnehmer würden sich auch in Günzburg finden, ist Gathemann-Schnelle überzeugt.


Die neue Vorschrift sieht sie ohnehin kritisch: „Zunächst waren wir froh, dass wir im Teil-Lockdown nicht von der Schließung betroffen waren, weil die Büchereien in dieser Zeit als Bildungseinrichtungen begriffen wurden. Jetzt ist das scheinbar nicht mehr so.“

"Lesen ist die Grundlage für alles"

Den neuen Umständen kann sie denn auch nur einen positiven Effekt abgewinnen: In den kommenden Wochen bleibt den in der Stadtbücherei Günzburg Tätigen Zeit zur Inventur. Übertriebene Eile muss das Team dabei nicht zeigen, denkt Gathemann-Schnelle.

Der Schließungserlass wird ihrer Ansicht nach mindestens bis zum Jahreswechsel und womöglich auch noch ein Stück ins neue Jahr hinein Bestand haben.

Wie auch immer: Die Krumbacher Bibliotheksleiterin Fleiner hat für das Kulturgut Buch grundsätzlich ein gutes Gefühl. Ihre Überzeugung: „Lesen ist die Grundlage für alles. Das gilt auch für die Smartphone-Generation.“

Die Onleihe finden Sie im Internet unter onleihe-schwaben.de

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