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Schule und Corona: Bayern verschiebt alle Abschlussprüfungen
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Landkreis Günzburg

10.05.2020

Die Bälle dürfen wieder rollen

Das Foto zeigt eine Szene aus dem Fußball-Jugendtraining des SV Loschwitz (Sachsen). In diesem Bundesland darf seit dem 5. Mai in Kleingruppen und mit großen Abständen trainiert werden. Knapp eine Woche später ist es ab dem 11. Mai in Bayern auch so weit.
Bild: Robert Michael/dpa

Plus Viele hat überrascht, dass auch Mannschaften ab Montag wieder trainieren können - unter erheblichen Auflagen. Warum mancher Verein dies ablehnt.

Am Samstag klingelten viele Telefone. Und in den ungezählten WhatsApp-Gruppen der Sportvereine wurde heftig darüber diskutiert, wie das, was nun ab Montag erlaubt ist, auch in der Praxis umgesetzt werden kann. Denn nicht nur der kontaktfreie Individualsport kann ab 11. Mai wieder ausgeübt werden. Das hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ( CSU) bereits am Dienstag nach der Kabinettssitzung angekündigt. Auch Gemeinschaften und Mannschaften ist Training wieder erlaubt. Der Bayerische Landes- Sportverband (BLSV) hatte als Dachverband mit diesem Anliegen im bayerischen Innenministerium, in dessen Zuständigkeit der Sport fällt, offenbar Gehör gefunden. Fachverbänden wie dem Bayerischen Fußballverband (BFV) wurde das, wie es in einer Mitteilung heißt, am späten Freitagabend während einer Videokonferenz mitgeteilt.

Ein „normaler“ Trainingsbetrieb ist das freilich nicht. Er kann ohnehin nur stattfinden, wenn die jeweiligen Kommunen vor Ort, die Sportanlagen für das Mannschaftstraining explizit freigeben. Und das Wort „Mannschaft“ ist aus Fußballersicht schon ein wenig hoch gegriffen. Denn die Anzahl derjenigen, die in einer Kleingruppe trainieren, darf fünf Personen nicht übersteigen. Abstands- und Hygieneregeln müssen eingehalten werden. Der BFV hat seinen rund 4600 Vereinen in Bayern eine ganze Litanei zugemailt, wie ein „eingeschränktes Fußballtraining“ aussehen soll.

Auf dem Jettinger Sportareal gibt es vor Juli keine Trainingseinheiten

Wie kommt das nun bei den Klubs selbst an? Christoph Hoss ist Fußballabteilungsleiter des VfR Jettingen. Am Samstag war im Sportheim ein kleiner interner Getränkeverkauf, weil das Klubhaus seit vielen Wochen nicht mehr benutzt wird und die eingelagerten Getränke demnächst abzulaufen drohen. Als der Vereinschef Karsten Hahn mit der Neuigkeit ums Eck kam, wurde aus der Verkaufsveranstaltung eine Grundsatzdiskussion mit eindeutigem Ergebnis: Vor dem 1. Juli wird es demnach auf dem Jettinger Sportareal keine Trainingseinheiten geben, zumal der unterbrochene Spielbetrieb der Saison 2019/20 nach einem Verbandsbeschluss erst wieder im September aufgenommen werden soll.

„Das macht keinen Sinn aufgrund all der Auflagen“, sagt Hoss, der von der plötzlichen Entwicklung schon ein wenig „perplex“ gewesen sei. „Der Nutzen steht in keinem Verhältnis zum Aufwand. Deswegen werden wir den Ball flach halten.“ Die Seniorenfußballer hätten Verständnis für die Haltung des Vereins gezeigt. Gegen Laufeinheiten in Kleingruppen außerhalb des Sportgeländes ist Hoss zufolge nichts einzuwenden. Ein Antrag wird bei der Gemeinde gestellt. Vom Juniorenfußball (Vereinschef Hahn ist derzeit zugleich auch Jugendleiter) habe er noch kein Feedback, wie Hoss am Samstagabend am Telefon sagt.

Training nur zu fünft macht keinen Spaß

Ähnlich wie der VfR Jettingen sieht es auch der Fußballabteilungsleiter des TSV Krumbach, Linus Walter. Der Coronamodus werde trotz der teilweisen Freigabe des Teamsports durch die Politik beibehalten. „Zu Fünft brauche ich nicht trainieren“, sagt Walter. Ob alt oder jung: Ein solches Training auf unbestimmte Zeit „macht einfach keinen Spaß“.

Das sieht der Fußballverband offenbar anders und hat den Vereinen den umfassenden Leitfaden „Ihr seid ,mit Abstand’ am besten“ an die Hand gegeben. Darin werden nicht nur die zu treffenden Vorkehrungen beschrieben, sondern von den Verbandssportlehrern auch spezielle Trainingsformen erläutert. Auch das Innenministerium hält Übungen, die auf Technik, Taktik und Kondition abzielen, für geeignet.

Gymnastikdamen und Handballer müssen weiter warten

Walter Hirsch, seit Juli 2019 Vorstandsvorsitzender des VfL Günzburg, vertritt in seinem Klub keine Fußballabteilung. Dafür sind Hirsch zufolge am Mittwoch die Gymnastikdamen und die Handballer „massiv“ auf ihn zugekommen. Individualsport ist gestattet. Warum dann nicht Teamsport mit entsprechenden Beschränkungen? Daraufhin hat Hirsch sich vor seinen Computerbildschirm gesetzt und ausgiebig im Netz recherchiert. „Das mit den Kleingruppen habe ich bereits am Donnerstag gewusst“, erzählt er. „Wo ich das genau gefunden habe, kann ich wirklich nicht mehr sagen. Ich habe dazu so viel gelesen.“

Jedenfalls mailte der Vereinschef der Stadt Günzburg einen Antrag zu, mit der Bitte, schulische Sportanlagen fürs Training mit nutzen zu dürfen, nachdem Hallen nach wie vor tabu sind.

Bereits am Freitag kam nach Rücksprache der Stadt mit den Schulleitern die positive Antwort: Auf den Anlagen „Auf der Bleiche“, der Grundschule Ost und der Maria-Theresia-Mittelschule kann trainiert werden. Übers Wochenende sollte der VfL Günzburg einen Plan erstellen, wie er gedenkt, die Corona-Regeln einzuhalten.

Oberbürgermeister Jauernig will Fitnessprogramme ermöglichen

Das sagt Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig zur kurzfristigen Gestattung für Kleingruppen des VfL Günzburg, nachdem die Stadt die jetzt bekannt gewordenen Lockerungen bewertet und ausgelegt hat: „Wir sind als Verwaltung der Stadt Günzburg gegenüber unseren Vereinen sehr sportfreundlich.“ Jauernig betont aber auch, wie wichtig es ist, die Verordnung zum Infektionsschutz zu befolgen. Ein Standard-Training der Handballer sei derzeit nicht umsetzbar, allgemeine Fitnessprogramme mit entsprechenden Regeln dagegen schon. „Das wollen wir aktuell so gut es geht ermöglichen“, so der Oberbürgermeister abschließend.

Vereinsvorsitzender Hirsch hat jenseits von Training und Spiel noch ein anderes Problem. „Wir brauchen dringendst eine Vorstandssitzung und eine Vereinsratssitzung. Wir spielen in der kommenden Saison Handball in der 3. Liga. Was glauben Sie, was da alles geregelt werden muss?“

Vorstandssitzungen dürfen bisher nicht stattfinden

Bislang sei er aber mit seinem Ansinnen beim Landratsamt abgeblitzt. Und das versteht er nicht. Schließlich kämen überall im Landkreis im Augenblick Gemeinderäte zu ihren konstituierenden Sitzungen zusammen, teils mit Publikum. „Und uns wird eine Vorstandssitzung nicht genehmigt. Das soll mir wirklich einer mal plausibel machen“, sagt er und empfindet dies als ungerechte und ungerechtfertigte Behandlung.

Hirsch fügt hinzu: „Aber in diesen Tagen versteht man so manches nicht von denen, die in Berlin und München große Töne spucken.“

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