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Industrie-Denkmal

12.08.2013

Einfach stehen und rosten lassen

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3 Bilder
Ein rostiges Glump, das abgerissen werden muss, oder ein Kunstwerk, das an den Kiesabbau im Donaumoos bei Günzburg erinnert: Über die Bedeutung des alten Vollmer-Kieswerks gibt es unterschiedliche Ansichten.
Bild: Berthold Veh

Die Initiative Landmarke Donaukies will das alte Vollmer-Kieswerk bei Riedhausen retten. Es soll an den Kiesabbau im Donaumoos erinnern

Von Berthold Veh

Günzburg/Riedhausen Dieser Freundeskreis hat ein Ziel, das aus dem Rahmen fällt. Die Initiative Landmarke Donaukies, die sich bei der Günzburger Zeitung vorstellt, schwärmt von ihrem Projekt in höchsten Tönen. Von „genialer Rostigkeit“ spricht der eine, von „der Lyrik, die dieses Bauwerk ausstrahlt“, der andere. Die Gruppe eint eine Vision. Das alte Vollmer-Kieswerk im Donaumoos bei Riedhausen soll gerettet werden. Wobei dieses Wort in eine falsche Richtung deutet, denn der rostige Stahl der Industrieruine soll nicht etwa aufpoliert werden. Professor Karl Ganser (Breitenthal) sagt, was ihm und seinen Freunden vorschwebt: „Wir wollen das Vollmer-Kieswerk einfach stehen und vergehen lassen.“ Etwa zwei Generationen, so vermutet Ganser, werde es dauern, bis das Kieswerk verrottet ist.

Als die Kieswerk-Retter ihre Idee präsentieren, geraten sie so ins Schwärmen, als ob die Elbphilharmonie bei den Seen in Riedhausen stünde. Für den früheren Günzburger Stadtbaumeister Carl-Heinz Wopperer war es gar „Liebe auf den ersten Blick“, als er die zylinderförmigen Trommeln des Vollmer-Kieswerks zum ersten Mal sah. Bisher sieht der Rekultivierungsbescheid vor, dass die Firma Vollmer das alte Kieswerk abreißen muss. Aber da hat die Initiative etwas dagegen. Und mit dem Bezirksheimatpfleger Peter Fassl einen gewichtigen Mitstreiter. Das Industriedenkmal habe für den ganzen nordschwäbischen Raum große Bedeutung, sagt Fassl. Die Arbeitsgemeinschaft Donaumoos, bei der die Fäden zusammenlaufen, hat eine Machbarkeitsstudie erstellt. Das Vollmer-Kieswerk soll ein Denkmal sein, das den Kiesabbau in der Region zeigt. Seit 1908 wurden im Donaumoos bei Günzburg auf 623 Hektar Fläche etwa 80 Millionen Tonnen Kies ausgegraben.

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Die Langenauer Fotografin Yvonne Faber hat das Vollmer-Kieswerk fotografiert. Die Fotos stießen bei Ausstellungen in Ulm und Günzburg auf begeisterte Resonanz. Bei der Vernissage im Forum am Hofgarten in Günzburg bildete sich der Freundeskreis „Initiative Landmarke Donaukies“.

Arge-Donaumoos-Geschäftsführer Ulrich Mäck hat ein Konzept vorgelegt. Besucher könnten auf Stufen und über einen Wassergraben hinweg die „Stahlskulptur“ betrachten. Kosten von 286000 Euro stehen im Raum, die sich die Stadt und der Landkreis Günzburg je zur Hälfte teilen sollen. Die Gruppe ist sich allerdings noch nicht einig.

Professor Ganser, der frühere Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung Emscher-Park im Ruhrgebiet, ist gegen ein Touristen-Zentrum. Ein stilles Betrachten soll es sein.

Den wichtigsten Partner hat die Arbeitsgemeinschaft als Projektträger bereits im Boot: Kies-Unternehmer Georg Vollmer. „Mir liegt daran, dass das Kieswerk nicht verschwindet“, sagt der Neresheimer. Solch ein Kieswerk gebe es weit und breit nicht mehr. Vollmer nennt die Besonderheit. Die anderen Kieswerke seien in einer Einhausung verpackt, beim Kieswerk bei Riedhausen könne man dagegen die Technik sehen.

Bei Landrat Hubert Hafner und Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig hält sich die Begeisterung über die Landmarke Donaukies noch in engen Grenzen. Hafner erläutert, der Rekultivierungsbescheid sei rechtskräftig. Und der sehe den Abbau des Kieswerks vor. Wenn die Denkmalbehörde der Kreisstadt Günzburg aber zur Auffassung gelange, dass es sich hier um ein bedeutende Industrie-Denkmal handle, dann könne man mit dem Landkreis reden. Jauernig wiederum sieht den Landkreis in der Pflicht. Die Wasserrechtsbehörde sei das Landratsamt. Und der Rekultivierungsbescheid sehe den Abriss des Werks vor. Jauernig stellen sich viele offene Fragen: Gibt es einen Konsens für den Erhalt? Wie sieht die Finanzierung aus? Was sagen die Riedhausener dazu? „Für Events fehlt die Infrastruktur“, sagt der Oberbürgermeister.

Die Initiative Landmarke hat demnach noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, dass das „rostige Glump“ nicht weg soll. Wopperer empfiehlt Bürgern, das Vollmer- Kieswerk einmal anzuschauen: „Das Ding spricht am stärksten für sich selber.“

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