1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. In Günzburg gibt es für die Ehrenamtlichen im Fußball ein großes Fest

Günzburg

24.11.2019

In Günzburg gibt es für die Ehrenamtlichen im Fußball ein großes Fest

Im Piratenhotel von Legoland fand am Sonntag die 21. DFB-Sonderehrung für den Fußballbezirk Schwaben statt. Auf dem Bild sind die gewürdigten Ehrenamtlichen und Verbandsfunktionäre aus dem Fußballkreis Donau zu sehen, zu dem auch der Landkreis Günzburg zählt. Bezirkstagspräsident Martin Sailer (Sechster von links) betonte in seiner Festansprache die Bedeutung des Ehrenamts.
Bild: Siegfried Kerpf/BFV

DFB und BFV ehren in Günzburg 65 Menschen aus Schwaben, deren freiwillige Arbeit für die Vereine ein wertvoller Schatz ist. Von lustigen Erlebnissen und ernsten Worten.

Als Bezirkstagspräsident Martin Sailer die Geschichte von ihm und seinem Freund und einem verhinderten Fußballtraining in der C-Jugend erzählte, gab es an verschiedenen Stellen für ihn kein Halten mehr. Während seiner Festansprache musste der Politiker an mehreren Stellen vor rund 200 Gästen im Piratenhotel des Legolands Günzburg die Rede unterbrechen und herzlich lachen. Wohl, weil längst Vergangenes plötzlich wieder von ihm selbst ans Tageslicht befördert wurde.

War ja auch zu komisch: Der Kumpel wollte unbedingt mit ihm zum Fußballtraining. Aber seine Fußballschuhe waren noch im Elternhaus, die Eltern nicht daheim. Und das Haus gut verschlossen. Letztlich mussten drei Glasscheiben dran glauben, die eingeschlagen wurden auf dem Weg zu den Kickschuhen. Ein letztes Hindernis allerdings war unüberwindbar. Die Eltern waren, sagen wir, vom Ergebnis nicht amused. Und: „Das Training fand ohne uns statt“, sagte Sailer, der sich an eine unbeschwerte Fußballzeit in einem sehr angenehmen Vereinsumfeld erinnert.

Das alles sei auch damals nur möglich gewesen, weil es viele Freiwillige gegeben habe, die sich um die Jugendlichen im Sportverein kümmerten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Dass die Trikots gewaschen sind, der Platz gestreut und der Rasen gemäht ist – das alles ist keine Selbstverständlichkeit, obwohl es gerne als solche genommen wird, betonten die Redner während der 21. DFB-Sonderehrung.

DFB ehrt einmal im Jahr die Ehrenamtlichen in den Fußballvereinen

Einmal im Jahr rücken aus den drei schwäbischen Fußballkreisen Donau, Augsburg und Allgäu diejenigen in den Vordergrund, ohne deren Einsatz wohl keine Fußballmannschaft problemlos antreten könnte. Denn dann würde das Team hinter dem Team fehlen, würde sich niemand um Spieler und Sponsoren bemühen, bliebe das Kassenhäuschen und das Sportheim unbesetzt.

„Die Helden des Alltags haben es verdient, gesehen zu werden“, sagte Sailer, der das Vereinsleben auch als eine Chance betrachtete, „auf außergewöhnliche Weise einen Dialog der Generationen“ zu führen: Hier die erfahrenen Ehrenamtlichen mit einem riesigen Erfahrungsschatz, dort junge Menschen, die frische Ideen in einen Verein bringen und sich auch nicht einer freiwilligen Tätigkeit verschließen. Gemeinsam geht’s in aller Regel gut voran.

Das ist die höchste Auszeichnung, die der DFB an Ehrenamtliche vergibt. Eine Uhr gehört auch dazu.

Der bayerische Bau- und Verkehrsminister Hans Reichhart (Jettingen-Scheppach) erwähnte in seinem Grußwort, dass im Freistaat das Ehrenamt besonders stark ausgeprägt ist. 47 Prozent engagierten sich, ob im kulturellen, sozialen, kirchlichen Bereich oder im Sport für das Gemeinwohl. Dieser „Kitt der Gesellschaft“ sei ein gutes Mittel gegen Spaltungstendenzen, damit ein Nebeneinander oder gar Gegeneinander nicht zu viel Spielraum bekomme.

Auch Finanzielles in Thema bei Bezirksehrenamtstag in Günzburg

Die Sportreferentin der Stadt Günzburg, Martina Haltmayer, stellte dar, wie die größte Kommune im Landkreis Günzburg insbesondere die jungen Sporttreibenden unterstützt, indem sie beispielsweise Sportstätten zur Verfügung stellt. „Mit den Hallen“, bekannte sie, „stoßen wir im Winter aber an unsere Kapazitätsgrenzen“. Nicht alle Wünsche der Vereine könnten auch erfüllt werden.

Nachdenkliches trug der Ehrenamtsreferent des schwäbischen Fußballbezirks, Günther Brenner (Jettingen-Scheppach), bei. Nach seinem Empfinden sind die Familienbeiträge, die es in den meisten Vereinen gibt, „viel zu niedrig“. In einem Jahresbeitrag von 100 bis 120 Euro seien häufig schon die Ehepartner und ein Kind oder mehrere Kinder enthalten.

Vergleiche man dieses Entgelt mit Hort- oder Kindergartenbeiträgen, mit der Bezahlung für die Musikschule oder andere Sportarten, dann „schenken wir unsere im Ehrenamt erbrachte Zeit in den Vereinen eigentlich her. Hier muss ein Umdenken erfolgen, denn insbesondere im Jugendbereich wird der Ausbildung der Jugendlichen auf lange Sicht nicht mehr kostenfrei oder sehr kostengünstig möglich sein“.

Es gibt keine höhere Auszeichnung für das Ehrenamt in Schwaben

Von einem spürbar erhöhten Beitrag könnte Brenners Überzeugung nach auch das Ehrenamt jenseits von Spendenbescheinigungen und Ehrenamtspauschalen für die Mitarbeiter profitieren.

Auch jetzt schon seien trotz kleiner Münze die Erwartungen und Forderungen von Eltern an den Sportverein groß: Sportkleidung, Trainingsanzüge, Ausflüge, Saisonabschluss- und Weihnachtsfeiern mit Geschenk sollte es bestenfalls zum Nulltarif geben. Wie die Vereine das finanzieren sollen, interessiert dann schon nicht mehr so sehr.

Brenner betonte außerdem die Nachhaltigkeit des Ehrenamts, das von Integrität, Loyalität und einem hohen emotionalen Engagement gespeist werde. Nur so sei ein Vereinsleben in den rund 550 schwäbischen Fußballklubs möglich.

Die Bandbreite der regelmäßig anfallenden Aufgaben in einem Verein wurden in den anschließenden Kurzwürdigungen der Preisträger deutlich. Das honoriert der Deutsche Fußball-Bund und der Bayerische Fußball-Verband gleichermaßen, wie Verbandsehrenamtsreferent Stefan Merkel in seiner Videobotschaft ausführte: „Das, was wir heute verleihen, ist die höchste Auszeichnung, die es im Ehrenamtsbereich im DFB gibt.“

Kurzporträts von den Geehrten aus dem Landkreis Günzburg lesen Sie hier:

Sie sind die guten Seelen der Fußballvereine im Landkreis Günzburg

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren