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Landratskandidat Reichhart: Die beste Wahl der CSU

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Kommentar Von Till Hofmann
17.09.2019

Es ist nicht an der Tagesordnung, ein Ministeramt gegen den Günzburger Landratsposten eintauschen zu wollen. Aber das Wagnis einer erfolgreichen Wahl ist kalkulierbar - und die Entscheidung richtig.

Es muss ein schwieriger Entscheidungsprozess gewesen sein für Hans Reichhart. Faktisch loszulassen von der sogenannten „großen Politik“, sofern er im Frühjahr zum Landrat gewählt wird; permanent bedrängt zu werden, trotz der Kabinettszugehörigkeit anzutreten für den zu vergebenden Landratsposten in Günzburg.

Reichhart hat seine Parteifreunde in der Heimat nicht enttäuscht. Er hat vor seinem Entschluss, sofern es ihm möglich war, ausgiebig das Terrain sondiert und für sich herausgefunden, ob Vor- oder Nachteile überwiegen. Mit seiner Bereitschaft zur Kandidatur hat er eine Entscheidung des Herzens und der Vernunft getroffen.

Des Herzens deshalb, weil ihm seine Heimat tatsächlich nahe geht und das in seinem Fall nicht bloßes Politikergeschwätz ist. Und weil er als Vater zweier kleiner Kinder wohl häufig genug bedauert hat, dass er nicht für den Sohn und die Tochter so da sein konnte, wie er sich das selbst vorgestellt hat.

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Keine ansprechende Zukunftsperspektive

Auch der Landrat ist kein 40-Stunden-Job. Aber allein die Zeit, die auf den Strecken nach Würzburg, Passau oder Hof liegen geblieben ist, kann nicht wieder zurückgeholt werden. Vermutlich ist das keine ansprechende Zukunftsperspektive für einen Familienmenschen.

Vernünftig schließlich scheint auch zu sein, den Ministersessel spätestens ab Frühjahr nicht mehr zu besetzen. Denn am Ende beziehungsweise zu Beginn einer Legislaturperiode verwandeln sich solche Sessel in unschöner Regelmäßigkeit zu Schleudersitzen. Eine Parteifreundschaft zählt da nicht mehr viel, wenn irgendwelche „Umstände“ den Regierungschef dazu gebracht haben, einen verlässlichen Parteifreund nicht länger zu berücksichtigen. Insofern hat Reichhart das richtig gemacht. Und er hat eine große Chance, im Frühjahr gewählt zu werden. Reichart ist jedenfalls die beste Wahl, die die CSU für sich treffen konnte.

Das Bauministerium wird, wenn alles nach Plan der Günzburger Christsozialen läuft, einen erfrischenden Konservativen an seiner Spitze verlieren. Einen, der immer nach Hause zu seiner Familie gefahren ist und nie in einem eigens dafür vorgesehenen Zimmer im Ministerium übernachtet hat. Das ließ er zu einer Dusche für die Bediensteten umbauen.

Ein veritabler Mitbewerber der Grünen

Gewählt ist in der Tat noch nicht. Und mit Maximilian Deisenhofer tritt ein veritabler Vertreter der Grünen an – einer Partei, die bundesweit nach wie vor auf einer Erfolgswelle schwimmt, die den Landkreis Günzburg allerdings erst mit Wucht bei der Europawahl erreicht hat. Reichhart tut gut daran, die Kommunalwahl nicht als abgehakt zu betrachten. Das macht er auch nicht. Er wird sich reinhängen, um nach dem Platz am Kabinettstisch sich einen weiteren politischen Traum zu erfüllen: Landrat des Landkreises Günzburg zu werden.

Denn eines ist auch klar: ein gescheiterter CSU-Landratskandidat wird schlechterdings am Regierungstisch im Ministerrang verweilen können, als ob nichts geschehen wäre. Vielleicht muss er schon früher sein Büro am Franz-Josef-Strauß-Ring verlassen, wenn der Druck der Opposition zu groß werden sollte.

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