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Günzburg

28.02.2018

Mit Händen und Füßen im Dienst der Kirchenmusik

Seit 40 Jahren ist Heidi Schepanski-Wiedemann mit Händen und Füßen fest im Dienst der evangelisch-lutherischen Kirchenmusik in Günzburg.
Bild: Sandra Kraus

Heidi Schepanski-Wiedemann ist seit mehr als 40 Jahren Organistin. Wie sie zu dieser Aufgabe kam und was ihr daran besonders gefällt.

Vierzig Jahre, vielleicht auch ein bisschen länger, ist Organistin Heidi Schepanski-Wiedemann in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Günzburg tätig. Da kommen unzählige Stunden auf der Orgelempore in der großen Kirche, wie die 77-Jährige die Auferstehungskirche in Günzburg nennt, und an den Orgeln und Harmonien im Außenbezirk zusammen. „Es muss das Jahr 1975 gewesen sein, als ich gefragt wurde, ob ich spiele“, erinnert sich die von der Königin der Instrumente begeisterte Seniorin.

Ihre Einsätze aufgeschrieben habe sie erst seit 1977, dem Jahr, in dem sie auch ihre Ausbildung beim damaligen Dekanatskantor in Neu-Ulm in der Petruskirche begann. Klavierspielen hatte sie schon als Zehnjährige zu Hause in Winnenden bei einem Klavierlehrerehepaar gelernt, zum Üben daheim kauften die Eltern ein Klavier, dem sie etwas nachtrauert. „Es hatte einen wunderschönen Klang.“ 1966 kam sie nach Wasserburg, zog 1968 nach Günzburg, seit 1993 wohnt sie in Bubesheim. Viele Pfarrer hat sie in den 40 Jahren ihrer Dienstzeit kommen und gehen sehen. Schepanski-Wiedemann kennt den 14-tägigen Turnus von um 9 Uhr orgeln in Offingen, gleich anschließend um Viertel nach zehn Uhr in der Schlosskapelle in Kleinkötz. Vertraut ist ihr das Harmonium in Schneckenhofen ebenso wie die Instrumente in der evangelischen BKH-Kirche, wo sie viele Jahre den Freitagnachmittagsgottesdienst begleitete, und auf den Friedhöfen.

Ist man nach so langer Zeit noch nervös? „Na ja, in der großen Kirche vielleicht schon. Man will ja nicht danebengreifen.“ Gerade jetzt im Winter ist es ihr ein Rätsel, wie ein Johann Sebastian Bach stundenlang in der eiskalten Kirche spielen konnte. Heute gebe es ja wenigstens Heizstrahler. Doch die Kälte, die aus der Orgel krieche und manchmal auch den Manualen und Pedalen zu schaffen mache, die bleibe. Zum Aufgabengebiet einer Organistin gehört auch das Requiem. „Etliche Jahre spielte ich fest auf dem Friedhof der Stadt Günzburg, mittlerweile nur noch auf ausdrücklichen Wunsch der Angehörigen.“ Ihre Musik begleitet seit Jahrzehnten landauf, landab evangelische Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, je nachdem auch in katholischen Kirchen wie Riedhausen, Kissendorf oder Ebersbach.

Die Mutter von zwei Kindern, die als Hauswirtschaftslehrerin in Günzburg an der Fachschule arbeitete, 27 Jahre Kochkurse für die Volkshochschule Günzburg gab und sich noch immer im Bayerischen Landesausschuss für Hauswirtschaft, dem Partnerschaftskomitee Günzburg-Lannion und einigen anderen Günzburger Vereinen ehrenamtlich engagiert, lernte schnell, flexibel zu sein. „Die Mesmerin sperrt eine Viertelstunde vorher die Kirche auf, das muss reichen.“ Nur für Günzburg und Offingen hat sie einen Schlüssel und im Schloss Kleinkötz lässt sie Schlossherr Stierlin auf Wunsch auch immer in die Schlosskapelle rein.

Bei der Frage nach einem Lieblingslied aus dem evangelischen Gesangbuch muss Schepanski-Wiedemann passen. „Ich habe keins. Aber ich mag Lieder mit modernem Rhythmus.“ Während die Liedauswahl dem Pfarrer obliegt, passt die Organistin die selbst gewählten Vor- und Nachspiele der Jahreszeit und der Liturgie an. Geübt wird zu Hause am Kleinklavier, das im sonnigen Esszimmer steht. Nicht mehr jeden Tag, aber doch regelmäßig. Ziemlich oben liegen die Noten für „Geh aus mein Herz und suche Freud“ oder „Meine Zeit steht in deinen Händen“. Und seit ihr Ehemann im Ernst-Ott-Seniorenzentrum in Ichenhausen zu Hause ist, spielt Schepanski-Wiedemann, die eine Ahnenlinie bis zum Dichter und evangelischen Pfarrer Eduard Mörike hat, auch dort immer wieder – sehr zur Freude der Bewohner.

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