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Günzburg

28.07.2020

Mordversuch auf A8: Wie konnte der 29-Jährige aus dem BKH fliehen?

Dieser Unfall soll vom 29-jährigen Fahrer absichtlich verursacht worden sein. Damit wollte er, so der Vorwurf, seine Ehefrau ermorden.
Bild: Mario Obeser

Plus Es gibt neue Details zum versuchten Mord auf der A8 zwischen Leipheim und Ulm/Elchingen. Eine heiße Spur zum Aufenthaltsort von Patrick M. fehlt aber weiterhin.

Noch keine 48 Stunden ist es her, seitdem ein 29-Jähriger aus dem Landkreis Günzburg wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau per Haftbefehl gesucht wird. Während die Polizei jedem Hinweis auf den Aufenthaltsort von Patrick M. nachgeht, ist eines nun gewiss: Der Gesuchte ist ohne seinen Hund unterwegs.

Der schwarze Rottweiler war nach dem möglichen Mordversuch auf der Autobahn aus dem Auto gesprungen und danach nicht mehr gesehen worden. Holger Stabik ist Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West und sagt auf Nachfrage unserer Redaktion: „Es ist nun gewiss: Der Rottweiler ist auf der A8 bei Leipheim zu Tode gekommen.“

Ehefrau überlebt vermutlich Mordversuch ihres Mannes auf der Autobahn A8

Der 29-jährige M. steht in dringendem Tatverdacht, am Sonntagabend absichtlich einen Unfall auf der Autobahn A8 zwischen Leipheim und dem Autobahnkreuz Ulm/ Elchingen verursacht zu haben. Ziel soll es gewesen sein, seine neben ihm sitzende Ehefrau umzubringen. Doch das Vorhaben scheiterte. Die Frau überlebte und zog sich laut Polizei mittelschwere Verletzungen zu. Während Patrick M. im Bezirkskrankenhaus Günzburg untergebracht war, gelang ihm in der Nacht auf Montag die Flucht.

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Die Polizei suchte in den Stunden danach mit einem Großaufgebot nach dem Mann – erfolglos. „Die Fahndung läuft weiter, ist aber öffentlich nicht mehr groß sichtbar. Wir haben momentan keinen Anhaltspunkt, wo er sich aufhalten könnte“, sagt Stabik. Derzeit rollen die Beamten das persönliche Umfeld des 29-Jährigen auf und gehen den eingegangenen Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Diese werden zwar überprüft, eine heiße Spur sei aber noch nicht dabei.

Wie konnte die Flucht aus dem Bezirkskrankenhaus in Günzburg gelingen?

Während die Suche nach dem Verdächtigen weitergeht, wird in Teilen der Bevölkerung Kritik laut: Wie war es möglich, dass der Mann aus dem BKH fliehen konnte? Vor allem, weil eine solche Flucht nicht das erste Mal stattgefunden habe? Prof. Dr. Thomas Becker ist Leitender Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Günzburg und klärt auf: So müsse deutlich zwischen der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie sowie der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik unterschieden werden. In der Forensik herrschen demnach die höchsten Sicherheitsmaßnahmen: Mehr als 200 Kameras und ausbruchsichere Fenster sind dort verbaut.

Am Eingang zur Forensik ist eine Sicherheitsschleuse, darüber hinaus gibt es im Gebäudeinneren Türen, die nur mit speziellen elektronischen Geräten geöffnet werden können. Die Besucher werden überwacht, die Patienten- und Stationszimmer kontrolliert. In diesen sogenannten Maßregelvollzug kommen nur Straftäter, die aufgrund ihrer Sucht oder verminderten Schuldfähigkeit durch das Gericht eingewiesen wurden. Aus der 2014 neu gebauten Forensik sind bisher nur zwei Männer geflüchtet – sie bedrohten im vergangenen Jahr eine Angestellte, ein weiterer Mitarbeiter entriegelte daraufhin die Türe.

Beschützende Station im BKH Günzburg hat geringere Sicherheitskriterien als im Maßregelvollzug

Der von Sonntag auf Montag geflüchtete Mann, der wegen versuchten Mordes gesucht wird, ist allerdings aus der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik geflohen. 90 Prozent der dortigen Patienten seien laut Becker freiwillig in Behandlung. Dort gibt es eine beschützende Station, wie der Leitende Ärztliche Direktor erzählt: „Der Standard ist eine geschlossene Tür und Fenster, die nicht geöffnet werden können. Die Station ist nach außen gesichert, entspricht aber nicht den Sicherheitskriterien im Maßregelvollzug.“

Der nun gesuchte 29-Jährige war auf einer solchen Station untergebracht. Wie genau ihm die Flucht gelingen konnte, dazu konnte oder wollte Becker nichts sagen. „Das ist natürlich etwas, was wir nicht wollen, was aber überall auf der Welt immer wieder vorkommt. Die Sicherheitsmaßnahmen haben in diesem Fall leider nicht gereicht“, sagt der Leitende Ärztliche Direktor, der die sehr gute und bewährte Zusammenarbeit mit der Polizei lobt. Die Beamten seien natürlich unmittelbar nach dessen Flucht verständigt worden. Wer Patrick M. sieht, soll sich an die nächste Polizeidienststelle wenden oder die 110 wählen.

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