Newsticker
RKI warnt vor Überschätzung von Selbsttests in der Pandemie-Bekämpfung
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Polizei ermittelt wegen Missständen in Tierhaltung

Landwirtschaft

22.01.2019

Polizei ermittelt wegen Missständen in Tierhaltung

Claus Schedel

Zwei tote Rinder auf Thannhauser Bauernhof. Tierschutzorganisation fordert Halteverbot

Von „massiven Verstößen“ gegen das Tierschutzgesetz spricht die Tierschutzorganisation Peta. Sie hat gegen den Betreiber eines Thannhauser Rindermastbetriebs Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Memmingen erstattet. Die Staatsanwaltschaft bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung den Eingang der Anzeige, die Polizeiinspektion Krumbach sei mit entsprechenden Ermittlungen beauftragt worden.

Dabei wird es auch um die näheren Umstände des Todes von zwei Rindern gehen. Wie Dr. Franz Schmid, Leiter des Veterinäramtes beim Landratsamt Günzburg, bestätigt, seien zwei tote, ausgewachsene Rinder vom Hof abtransportiert worden. Die weitere Entwicklung hänge nun, so Schmid, davon ab, ob sich der Landwirt bei der Erfüllung von Auflagen kooperativ zeige.

Peta sieht dringenden Handlungsbedarf. Anfang Januar entstandene Aufnahmen würden „mehrere tote Rinder sowie lebende Tiere in schlechtem Zustand, die auf dem Hof in einem Gemisch aus Schlamm und Exkrementen stehen“ zeigen. Peta fordert vom Kreisveterinäramt ein „sofortiges Tierhalteverbot für den Landwirt“. Dies sei „kein Einzelfall.

Es erschreckt uns immer wieder aufs Neue, wie kaltherzig in der Landwirtschaft mit fühlenden Lebewesen umgegangen wird“, betont Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin und Fachreferentin bei Peta. Kühe hätten Gefühle und seien ganz eigene Persönlichkeiten, genauso wie Hunde oder Katzen, fügt sie hinzu. Die Aufnahmen, die Peta zugespielt worden seien, würden gravierende Missstände in der Stallanlage zeigen. „Viele der Rinder stehen in 15 bis 25 Zentimeter hohem Schlamm, Mist und Exkrementen. Dies kann zu Klauenerkrankungen führen und die Gliedmaßen schädigen.“

Außerdem würden Haltungsbedingungen dieser Art die schnelle Ausbreitung von Krankheitserregern sowie die erhöhte Anfälligkeit der Tiere für Krankheitsausbrüche begünstigen. Offenbar müssten die Rinder in ihrem eigenen Kot und Urin liegen, denn es seien kaum trockene und saubere Liegeflächen im Stall zu sehen.

Claus Schedel, Pressesprecher der Krumbacher Polizeiinspektion, bestätigt, dass die Polizei Anfang Januar durch einen Augenzeugen über die Zustände auf dem Hof informiert worden sei. Polizeibeamte hätten sich dann umgehend vor Ort ein Bild der Situation gemacht. Sehr rasch sei dabei klar geworden, dass die Tiere insgesamt nicht artgerecht gehalten werden. Umgehend sei deswegen das Veterinäramt verständigt worden. „Es wurde schnell deutlich, dass dies keinen Aufschub duldet“, sagt Schedel auf Anfrage unserer Redaktion. Das Veterinäramt habe dann unverzüglich reagiert. Mit weiteren Ermittlungen wurde die Polizei von der Staatsanwaltschaft Memmingen beauftragt.

Dr. Franz Schmid, Leiter des Veterinäramtes, erklärt, dass die Argumentation von Peta, beispielsweise mit Blick auf die hygienischen Zustände, „nicht 1:1 zutreffen“ würde, ein Laufstall in einem angemessenen Ausmaß sei vorhanden. Aber es gebe bei der Tierhaltung sehr wohl Missstände. Probleme gebe es bei der Einhaltung der Kennzeichnungspflicht. Der Landwirt habe nun entsprechende Auflagen erhalten. Bei der Kennzeichnung müsse es deutliche Verbesserungen geben. Zudem müsse jetzt vor weiteren möglichen Maßnahmen zunächst einmal der gesamte Bestand tierärztlich untersucht werden.

Wie geht es mit dem Hof weiter? Die weitere Entwicklung werde maßgeblich davon abhängen, ob der Landwirt mit der Behörde zusammenarbeite und entsprechende Auflagen erfülle, hebt Schmid hervor.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren