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Landkreis Günzburg

05.05.2020

Tanzschulen im Kreis Günzburg warten auf die Play-Taste

Ganz allein im Ballettsaal der Ballettschule Kircher-Wagner in Günzburg steht Aline Wagner. Wie allen anderen Tänzern fehlt ihr das Training. Nach Home Schooling am Vormittag steht zurzeit Home Dancing am Nachmittag an.
Bild: Sandra Kraus

Plus Seit Wochen herrscht in den Tanzstudios ungewohnte Stille. Wie deren Betreiber mit der außergewöhnlichen Situation umgehen und welche Maßnahmen sie ergreifen.

Richtig hart trifft das Coronavirus die Tanzschulen im Landkreis. Für Paartanz, Hip-Hop, Jazz und Spitzentanz ist seit 16. März die Stopp-Taste gedrückt. „Es ist ganz dramatisch. Und wir haben keine Lobby. Die Politiker hören uns nicht. Eigentlich hängt die Existenz am seidenen Faden“, findet Sylke Damerau aus Krumbach deutliche Worte.

„Läden dürften mit Abstandsgebot öffnen, warum ist ein Training in Kleinstgruppen nicht erlaubt?“, fragt sie sich. In ihrem Tanzforum Damerau findet aktuell der Unterricht online statt. Während wir mit Sylke Damerau telefonieren, ziehen sich 17 Mädchen daheim ihre Spitzenschuhe an. Ballett als Schaltkonferenz? Die Video-Kommunikation klappe mal mehr, mal weniger gut – synchron sei es selten und auch nicht jeder hätte die technische Ausstattung dafür. „Das ist eine Art von Training, ein Weg sich zu begegnen, es geht um Kontakt halten und Spaß haben. Aber es ist kein Vergleich zum Training im Ballettsaal“, sagt Damerau. Eigentlich hätte im Juni im Forum in Günzburg mit „The Colour Of Dance“ 35 Jahre Tanzforum Damerau gefeiert werden sollen. Die Show ist auf den 11. Oktober verschoben. „Ob es da geht, wenn doch schon das Oktoberfest abgesagt ist? Wie stark sind wir da?“, fragen sich Silke Damerau, Team und Tänzerinnen.

Wer im Tanzzentrum registriert ist, kann online Kurse besuchen

Auch im Tanzzentrum Michaela Majsai in Edelstetten hofft man auf baldige Lockerungen für den Breitensport. Für alle Sportarten und nicht nur für Profifußballer, hat Majsai einen großen Wunsch. Ihre kleinen Teams mit ein, zwei oder sieben Tänzern könnten sofort starten, auch für die großen Gruppe gebe es Lösungen. „Wir können die geforderten Hygiene- und Abstandsregeln einhalten“, ist sich die Tanztrainerin sicher. Solange nicht miteinander getanzt werden kann, bietet sie online Kurse an. Nur wer im Tanzzentrum registriert ist, hat darauf Zugriff und trainiert dann, wann er zuhause eben Zeit hat. „Wir haben viel Lob bekommen, aber trotzdem fehlt der persönliche Bezug zum Trainer.“

Tanzworkout und Challenge gehen von ganz hart für die Leistungsgruppen, die auch Videos von ihren Hausaufgaben einschicken, damit die anspruchsvollen Choreografien nicht vergessen werden, bis zur motivierenden und lustigen Challenge „Ich schenke Dir ein Herz“ für die Kinder. Das Coronavirus hat nicht nur das Training zunichte gemacht, sondern auch die Auftritte. „Alles ist abgesagt bis Ende August. Weltmeisterschaft, Deutsche Meisterschaft, Europameisterschaft und all die Feste, auf denen wir uns präsentiert hätten.“ Wer früher trainieren darf, wird Vorteile haben. Doch letztlich wisse keiner, wann es weitergehe und welchen Leistungsstand dann die Tanztruppe noch habe. Für „Mitchu“, wie sie viele liebevoll nennen, steht eines fest: „Wir machen das Beste draus!“

Online-Live-Tanzkurse in der Günzburger Tanzschule Panorama

Echte Online-Live-Tanzkurse gibt es in der Tanzschule Panorama in Günzburg. Inga und Sven Trösch verbinden ihr Tanzschulwohnzimmer mit den Wohnzimmern ihrer Kunden. Wer zusammen wohnt, darf auch zusammen tanzen, ist ihr Motto. Bis zu zwölf Paare haben bei einer Live-Schaltung mitgemacht und konnten von den Tanzprofis korrigiert und verbessert werden. Zusätzlich steht den Mitgliedern der Tanzschule Panorama eine Mediathek im Internet zur Verfügung. „Basics, Choreografien, Line Dance oder Fitness auf der tänzerischen Art haben wir erarbeitet“, erzählt Sven Trösch. Parallel dazu bereiten sich Inga und Sven Trösch auf die Öffnung der Tanzschule vor, befassen sich mit Abstands- und Hygieneregeln.

Ungewohnte Stille im Ballettsaal der Ballettschule Kircher-Wagner in Günzburg. Gegen Ende der Osterferien war klar, dass es eine längere, staatlich-verordnete Zwangspause werde. Anja Kircher-Wagner begann mit ihrer Tochter Aline, die im Mai ihr Abitur schreiben wird, kleine Filme mit Ballett-Basics zu drehen und ihren Tänzern in einer Dropbox zur Verfügung zu stellen. „Es geht da um Muskelkraft und Dehnung, um Körperspannung und -kontrolle. Nur so haben wir die Chance wieder direkt mit Ballett loslegen zu können“, erklärt Kircher-Wagner.

Keine Einnahmen aus der Ballettschule

Auch beim viralen Hit der Klopapier-Challenge sind die Kircher-Schüler aller Altersgruppen dabei und drehen im rosa Ballett-Trikot witzige Filme mit der kleinen weißen Rolle. „Noch vermissen sie die Ballettschule. Aber was, wenn die Pause zu lang wird?“, gibt sich Kircher-Wagner keiner Illusion hin. Momentan hat sie keine Einnahmen aus der Ballettschule, die Abbuchungen sind eingestellt. Eine Perspektive, wann es weitergeht, wäre schön. „Das Frühjahr habe ich mir mit Ballett und Lernen fürs Abi stressig vorgestellt. Doch dann war alles anders. Home Schooling, kein Ballett, da fehlt schon viel“, gibt Aline zu. Die drei Kircher Generationen Anna-Maria, Anja und Aline können es kaum erwarten, wieder ihre Balletteleven begrüßen zu können. Zum Glück ist das 50-jährige Bestehen erst 2021. Nicht stattfinden kann heuer im Juli der Elternnachmittag in der Günztalhalle in Kötz. Jeder hofft, dass die „Play“-Taste in den Tanzstudios bald gedrückt werden darf.

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