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Leipheim

22.09.2017

Warum braucht das geplante Gaskraftwerk zwei Öltanks?

So soll das in Leipheim geplante Gaskraftwerk einmal aussehen - sofern es genehmigt wird.
Bild: Siemens

Da die Pläne viele Fragen aufwarfen, nahmen die Projektpartner im Stadtrat Stellung.

Ziemlich verunsichert waren die Leipheimer Stadträte in ihrer Juli-Sitzung, als sie zum Bauantrag des geplanten Gasturbinenkraftwerks auf dem Areal-Pro ihre Stellungnahme abgeben sollten. Konkret ging es um den Bau von zwei Heizöllagertanks. Zu viele Fragen blieben ungeklärt, deshalb kam das Thema in der Sitzung am Mittwochabend erneut auf den Tisch. Thomas Schneider von Siemens und Petro Sporer von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm stellten die Kraftwerkspläne vor und beantworteten die Fragen der Stadträte.

Eines vorweg: Ob das geplante Gasturbinenkraftwerk in Leipheim überhaupt kommt, steht noch gar nicht fest. Die Bundesnetzagentur prüft derzeit mehrere Standorte für sogenannte Netzstabilisierungsanlagen. „Wir rechnen uns aber sehr gute Chancen aus, dass wir den Zuschlag erhalten“, sagte Petro Sporer. Den Weg für den Bau bereiten die Projektpartner SWU und Siemens daher schon vor. „Zwei Drittel des Weges haben wir bereits hinter uns.“ Die Bauzeit für das Kraftwerk mit zwei Kraftwerksblöcken beträgt zwei bis drei Jahre. Bis spätestens Winter 2021 soll es in Betrieb gehen. Immer wieder betonten die Projektpartner: Das Kraftwerk mischt nicht am Strommarkt mit, sondern ist als Reserve für den Notfall gedacht, als „Rettungsboot“, wie es Thomas Schneider bezeichnete, um die Netzsicherheit zu gewähren. Wie oft und wann es im Jahr in Betrieb geht, könne man nicht sagen.

2,7 Kilometer Erdkabel

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Petro Sporer informierte die Stadträte auch, wie der Strom vom Kraftwerk zu den etwa sechs Kilometer entfernten Höchstspannungsleitungen transportiert wird: Der Großteil der Trasse verläuft unterirdisch. Auf einer Länge von etwa 2,7 Kilometern werden Erdkabel verlegt. Über eine Schaltanlage und Freileitungen wird der Rest der Strecke zurückgelegt. „Von den Ortschaften her ist das auch nicht einsehbar“, betonte Sporer, da sich die Leitungen zwischen zwei Wäldern befinden würden.

Doch wie verhält es sich nun mit den vorgesehenen Öltanks? Wie sind diese gesichert und warum wird für ein Gaskraftwerk überhaupt Heizöl benötigt? Thomas Schneider erklärte, dass die Öltanks eine Höhe von 22 Meter und einen Durchmesser von 26 Meter haben und mehrere Schutzsysteme vorgesehen sind. „Sie stehen auf einem stabilen Betonfundament“ und um die Tanks ist eine Auffangwanne vorgesehen. „Dieser Auffangbehälter könnte das komplette Volumen der Tanks auffangen“, so Schneider. Immerhin passen in die beiden Tanks 20 Millionen Liter Heizöl. Auch brandschutztechnische Maßnahmen wie beispielsweise Temperatursensoren seien vorgesehen. Die Tanks haben zudem einen sogenannten Achtungsabstand von 160 Metern zu angrenzenden Grundstücken. Gerade dieser Aspekt war den Stadträten sehr wichtig, da sich in der Nähe das Trinkwasserschutzgebiet befindet. Horst Galgenmüller (UWG) hakte beim Thema Sicherheit nach, ob die Tanks auch gegen Terrorangriffe oder Flugzeugabstürze geschützt seien. Petro Sporer erklärte dazu: „Das sind Ereignisse, die in diesem Fall nicht betrachtet werden, weil sie sehr unwahrscheinlich sind.“ Das Heizöl in den Tanks reicht dafür aus, die Anlage drei Tage lang zu betreiben. „Die Tanks sollen auch immer voll sein“, sagte Schneider. Er betonte in diesem Zusammenhang aber: „Unter normalen Bedingungen brauchen wir kein Öl, um die Anlage zu betreiben.“ Im Regelfall werde die Anlage auch mittels Gas hochgefahren und betrieben. Das Öl werde nur benötigt, wenn das Gas nicht vorhanden ist, es beispielsweise zu wenig Druck in der Leitung gibt. Für den schlimmsten aller Fälle – ein kompletter Stromausfall in Deutschland, ein sogenannter Blackout – könne die Anlage dann aber mit Öl hochgefahren werden. Denn ohne das Stromnetz funktioniere auch das Gasnetz nicht. „Aber das soll nicht der Regelbetrieb sein“, sagte Schneider.

Welchen Nutzen hat die Stadt?

Ein weiteres wichtiges Thema, war den Stadträten die Nutzenfrage: Mit hohen Gewerbesteuereinnahmen und vielen Arbeitsplätzen kann die Stadt Leipheim nicht rechnen. „Es geht um die sichere Stromversorgung für alle Bürger“, machte Bürgermeister Christian Konrad in diesem Zusammenhang klar. Wie die Vergütung für die Stadt aussieht, das gab Thomas Schneider offen zu, müsse erst noch geklärt werden.

Im Oktober wird im Waldvogel in Leipheim eine Informationsveranstaltung stattfinden. Die Strom- und Trassenführung steht hier im Vordergrund.

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